Der Beginn in den 70er-Jahren
Wenn Eltern bei Schwierigkeiten mit ihren Kindern selber keine Lösung mehr fanden, hatte die öffentliche Jugendwohlfahrt für die Familie wenig Hilfe anzubieten. Im Rahmen der damaligen begrenzten Möglichkeiten blieb für Kinder und Jugendliche, die sich unangenehm bemerkbar machten, sehr oft nur die Fremdunterbringung als letzter Ausweg übrig.
Mit dem Prädikat "schwererziehbar" wurden sie in groß angelegten, zum Teil geschlossenen Erziehungsheimen untergebracht. Diese mehrfach unbefriedigende Art einer Problemlösung änderte sich Anfang der 70er Jahre, als engagierte VertreterInnen der Jugendwohlfahrt versuchten, moderne psychologische und pädagogische Erkenntnisse im Rahmen der öffentlichen Jugendwohlfahrt in die Praxis umzusetzen.
Der Aufbau in den 80er-Jahren
Die folgenden Jahre galten der vermehrten Öffentlichkeitsarbeit, der Etablierung des Beratungsangebotes in den Bezirken Tirols mittels wöchentlicher Sprechstunden und der inhaltlichen Konsolidierung.
Der fachlichen Entwicklung wird dabei ein hoher Stellenwert eingeräumt. Die beraterische Weiterbildung und die psychotherapeutische Qualifikation der MitarbeiterInnen wird vom Land Tirol gefördert.
Die klassischen Abgrenzungen der einzelnen Berufsgruppen für SozialarbeiterInnen, LehrerInnen, PsychologInnen, PädagogInnen wurden Ende der 80er Jahre zugunsten des gemeinsamen Nenners "therapeutisch orientierter Arbeit" aufgegeben.
Der Ausbau in den 90er-Jahren
Dem Wesen einer zeitgemäßen Servicestelle entspricht es, dort tätig zu werden, wo die Hilfe benötigt wird. Anfang der 90er Jahre begann daher die regionale Erweiterung der Erziehungsberatung mit dem Ziel, in jedem Bezirk eine Beratungsstelle einzurichten.
Inhaltlich wurde der Trend zu einer ganzheitlichen Betrachtungsweise von Konflikten und Krisen, Auffälligkeiten und Symptomen verstärkt fortgesetzt. Kennzeichen war der Übergang von kindorientierter Beratung und Therapie zum Einbezug der ganzen Familie. Nicht der Symptomträger muss an gesellschaftliche Normen angeglichen werden, er macht vielmehr durch seine Verhaltensauffälligkeiten auf die familiäre Situation bzw. auf seine Umgebung aufmerksam.
Bis heute wurde die Regionalisierung weiter fortgesetzt. Mit Steinach am Brenner, Reutte und Telfs konnten wir noch zusätzliche Angebote in den Regionen im Sinne einer niederschwelligen Abdeckung des Beratungsangebotes schaffen.
Seit 2008 findet auch eine intensive und befruchtende Zusammenarbeit mit der Mutter-Eltern-Beratung in vielen Bezirken und in Innsbruck statt. An den Beratungstagen der Mutter-Elternberatung bieten die MitarbeiterInnen der Erziehungsberatung jungen Müttern und Eltern Informationen und Gespräche rund ums Eltern-Sein an.

