
„Die ART 2012 öffnet morgen ihre Pforten. Rund 70 Aussteller zeigen an die 700 Künstlerinnen und Künstler. Toll!“, bin ich schon beim Frühstück ganz euphorisch. „Bärig“, grummelt Klaus zwischen Kaffe und Marmeladebrot.
Aber heuer gibt’s für ihn kein Entrinnen. Am Valentinstag konnte ich ihm ein „Ja, ich geh gern mit Schatz“ abringen. Die Sonderschau „Junge Kunst aus Tirol“, die vom Land Tirol und der Stadt Innsbruck finanziert wird, steht ganz oben auf meiner To-do-Liste. „Zita Oberwalder und Marcus Schatz thematisieren in ihrer Kunst die differenzierte Wahrnehmung der Wirklichkeit“, fachsimple ich ihm viel zu geschwollen. „Ah ja, logisch“, belächelt er mich. Dafür kassiert er meinen bitterbösen Achtung-jetz-fliegt-dir-gleich-die-Kaisersemmel-ins-Gesicht-Blick. „Gestern hab ich beim Internetsurfen die Museumsdatenbank des Landes entdeckt“, leg ich gleich nach und erzähl ihm von meinem geplanten Familienausflug ins Museum. „Sicher nicht! Bei dem Wetter gehen wir Ski fahren“, schluckt er seinen letzten Bissen hinunter, schnappt seine Sachen und macht sich auf den Weg in die Arbeit. Mit einem Seufzen stell ich wieder einmal fest: Er hat halt keinen Sinn für Kunst.


