
Fünf Gläser von Barbara´s selbstgemachter Marillenmarmelade türmen sich auf dem Küchentresen. Die Marmelade meiner Frau ist nur einer der vielen Gründe, weshalb ich sie liebe. Deshalb zeige ich mich wenig erfreut, als sie mir sagt, dass die Gläser für ihre Südtiroler Freundin sind. „Die hat doch sicher selbst Marmelade, oder?“ grummele ich vor mich hin. „Ja, hat sie, aber ihr schmeckt meine auch so gut.“ Na toll.
Aber, tröstet mich Barbara schnell, dafür bekommen wir wiederum die guten Marillen von ihrer Freundin aus dem Vinschgau. Es sei also für beide Seiten von Vorteil und ich solle nicht immer gleich so grantig sein. Immerhin sei das wie ein gut gehendes Import-Export-Geschäft. Der Rohstoff wird importiert, das Produkt wird exportiert.
Mein Einwand, dass ich gerne in diesem Fall auf den Export verzichten könnte, wird lachend weggewischt. „Normalerweise ist man ja froh, wenn man mehr verkaufen kann als kaufen“, sagt meine Frau. Und in diesem Fall würde ja weniger ins Ausland gehen als umgekehrt. Nicht so wie bei der Tiroler Wirtschaft: Da wurde tatsächlich mehr exportiert als importiert. Was sogar sehr gut ist. Das leuchtet mir auch ein – und so mache ich mir ein gutes Butterbrot mit viel Marmelade drauf. Marille, versteht sich.




