
Männer sind nicht krank… Männer sterben. Kaum zeigt sich das geringste Anzeichen von Schnupfen, wird mein Göttergatte im Bett zu einem Häufchen Elend und bittet mit ersterbender Stimmer um belegte Brötchen, Tee, heiße Wärmflaschen und nicht zu vergessen Mitleid und zärtliche Worte. „Was für eine Hardcore-Memme, er soll sich mal nicht so anstellen!“ meinte Julia, als ihr Vater wieder unter sogenannten höchst bedrohlichen Schnupfen- und Hustenanfällen litt. Memme hin oder her, ich finde es sehr süß, wenn Klaus mal seine weiche Seite zeigt. Allerdings war nun mein Einsatz gefragt, ganz nach dem Motto „The same procedure as every year“. Das hieß: lauwarmer Kamillentee mit Honig, kalte Wadenwickel, frisch gepresster Karottensaft mit einem winzigen Schuss Olivenöl und dazu noch meine Frauenzeitschriften, die Klaus angeblich nur aufgrund des Gesundheitsteils und ausschließlich zur Überbrückung seiner Leiden liest. Nachdem er sich durch die aktuellen Diättipps und Modetrends gelesen hatte, -- Mann muss sich ja auskennen-- verschlang er mit größtem Interesse die Sonderbeilage zum heutigen Weltkrebstag, in der er einen Artikel zu Oncotyrol entdeckte, einem Zentrum für angewandte und personalisierte Krebsforschung in Innsbruck. „Was die Gesundheit anbelangt, ist man in Tirol wirklich gut aufgehoben“, meinte Klaus erleichtert. „Und bei mir bekommst du sogar eine besondere Betreuung, mein Schatz“ ,konterte ich. In diesem Moment ergriff ich die Gelegenheit, eroberte meine Zeitschrift zurück und zog mitsamt dem Lesematerial ab in die Pflegepause, bevor sich mein kleiner Hypochonder noch irgendwelche Symptome falsch zusammenreimen konnte.




