Heimgeschichte braucht ein Gedächtnis

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Heimgeschichte braucht ein Gedächtnis

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11.07.2012 - Der von den Ländern Tirol und Vorarlberg in Auftrag gegebene Forschungsbericht zur Geschichte der Tiroler und Vorarlberger Erziehungsheime liegt vor.

Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Heimgeschichte ist Teil des Opferschutzpakets. LR Reheis, Vorarlbergs LRin Schmid und Studienleiterin Michaela Ralser präsentierten die wichtigsten Ergebnisse.

Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Heimgeschichte ist Teil des Opferschutzpakets. LR Reheis, Vorarlbergs LRin Schmid und Studienleiterin Michaela Ralser präsentierten die wichtigsten Ergebnisse. Foto: Land Tirol

Er liefert einen Einblick in den Forschungsstand, die Rechtsgrundlagen des Fürsorgewesens, in das verzweigte System der Fürsorgeerziehungslandschaft Tirols und Vorarlbergs und recherchiert die historischen Quellen, welche einer weiteren Erforschung und Aufarbeitung zur Verfügung stehen. Er zitiert die zahlreichen Heimakten und ist somit eine breite Dokumentation der Fürsorgeerziehung, die von Anfang an gegenüber Familien aus ärmeren Verhältnissen mit Vorurteilen behaftet war.

„Mit diesem Bericht geben wir den Opfern eine Stimme und der leidvollen Geschichte über die unhaltbaren Vorgänge in den Heimen ein Gedächtnis“, ist Soziallandesrat Gerhard Reheis überzeugt. Das Land Tirol habe die Verantwortung für die Geschehnisse übernommen und leiste mit diesem Bericht neben den Entschädigungszahlungen an die Opfer von Gewalt in Landeseinrichtungen einen Beitrag zur Prävention und zur historischen Aufarbeitung der Geschehnisse. Tirol sei nach wie vor an einer lückenlosen Aufarbeitung der Geschehnisse interessiert.

Bis in die jüngere Vergangenheit waren Kinder in Pflegeheimen und Erziehungsanstalten einer nicht vorstellbaren Gewalt ausgesetzt. Der Forschungsbericht zitiert u.a. auch aus historischen Dokumenten wie den sogenannten Mündel- und Zöglingsakten.

„Dass Jugendliche und Kinder seelische, physische und sexuelle Gewalt erleiden mussten, ist traurig und beschämend", sagte Vorarlbergs Soziallandesrätin Greti Schmid. Geschehenes könne nicht ungeschehen gemacht werden. Umso wichtiger sei es, dass dieses sensible Thema lückenlos aufgearbeitet wird: „Ich kann an dieser Stelle nur um Verzeihung bitten für das, was Kinder und Jugendliche vor 1990 erleiden mussten."

Österreichweit zeichnet sich Tirol durch eine überaus hohe Dichte an Heimen aus, die gut ausgelastet und teilweise sogar überbelegt waren. „Im Forschungsbericht wird deutlich, dass Alleinerzieherinnen und Eltern aus armen Verhältnissen bei der Jugendwohlfahrt lange unter besonderem Verdacht standen, ihren Nachwuchs nicht ausreichend zuverlässig zu erziehen “, erläutert Michaela Ralser, Professorin für Erziehungswissenschaften an der Universität Innsbruck, Psychotherapeutin und Leiterin der Studie. „Diese unterprivilegierten Kinder waren dann auch die ersten und nahezu einzigen, die in Erziehungsheimen untergebracht waren.“

Weitere Aufklärung empfohlen

Als nächsten Schritt zur Aufarbeitung der Vorgänge schlagen die Autorinnen des Berichts fünf Projekte vor: Neben einer umfassenden Studie des Fürsorgeerziehungswesens in Vorarlberg und Tirol und einer Längsschnittstudie zur einzigen Erziehungsanstalt Vorarlbergs, dem Jagdberg in Schlins, wird eine Detailstudie des größten und einzigen Landeserziehungsheims für schulentlassene Mädchen und junge Frauen St. Martin in Schwaz sowie eine Untersuchung des ehemaligen konfessionellen Bubenheims, St. Josef in Fügen, der heutigen Bubenburg, empfohlen. Weiters wird eine eingehende Befassung mit der zwischen 1954 bis 1987 in Fürsorgefragen so relevanten Psychiatrischen Beobachtungsstation vorgeschlagen, die ebenfalls eine gute Aktenlage aufweist.

 


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Autor/in: Elisabeth Huldschiner