27.06.2012 - Anlassfall CD und Booklet des Tiroler Musikers Joseph Eduard Ploner
Aus Anlass der Kritik an einer vom Institut für Tiroler Musikforschung herausgegebenen CD des Tiroler Komponisten Joseph Eduard Ploner und einem im beigefügten Booklet veröffentlichten Text spricht sich Kulturlandesrätin Beate Palfrader für eine umfassende historische Aufarbeitung der Tiroler Volkskultur während der NS-Zeit aus.
„Die anhaltende Diskussion zeigt in Stil und Inhalt, dass eine wissenschaftlich fundierte und in den Ergebnissen anerkannte Aufarbeitung der Involvierung der Tiroler Volkskultur in das System und die Ideologie des Nationalsozialismus nicht vorliegt. Ebenso wenig gibt es für die Tiroler Volksmusik eine fundierte musikwissenschaftliche Wertung der in der NS-Zeit entstandenen oder von in den Nationalsozialismus involvierten Personen komponierten Werken“, will LRin Palfrader den Anlassfall in einem größeren historischen Gesamtzusammenhang aufarbeiten. Die offenbar auch von persönlichen Animositäten beeinflusste Debatte um biografische Darstellungen helfe diesem Mangel jedenfalls nicht ab.
Das Land Tirol wird deshalb in Abstimmung mit überregional anerkannten Wissenschaftlern ein konkretes Forschungsprojekt in Auftrag geben. „Aus Sicht des Landes ist zu wünschen, dass im Zusammenhang mit der Volksmusik jener wissenschaftliche Standard erreicht wird, der für die Literatur der NS-Zeit in Tirol bereits gültig ist“, hofft LRin Beate Palfrader auf eine grundlegende Klärung.
Was den konkreten Anlassfall angehe, so habe man Prof. Schneider vom Institut für Tiroler Musikforschung bereits angewiesen, Veröffentlichungen wissenschaftlich nicht abgesicherter und persönlicher Wertungen der Biographie und der politischen Haltung des Komponisten Ploner zu unterlassen, da dies den Eindruck erwecken könnte, NS-Gedankengut zu verharmlosen und zu rechtfertigen.
„Wenn das Institut in seiner Forschungstätigkeit die allgemeinen Standards musikwissenschaftlicher Forschung, die als Maßstab der Kulturförderung des Landes dienen, dauerhaft vernachlässigt, ist es notwendig, die Förderung zu überdenken," so die Landesrätin.
Autor/in: RAINER GERZABEK



