Spurensuche - "...diesen Winter bleiben wir noch"
Als Herausforderung der multikulturellen Realität muss die Gesellschaft auf die Situation der Migrantenkinder und -jugendlichen reagieren, ihre bikulturelle Bildung als Chance begreifen und fördern. Es gilt Konzepte zu entwickeln, die Jugendliche jeglicher Herkunft auf die Chancen und Konflikte in der Gesellschaft vorbereitet und ihnen hilft, damit umzugehen. Migrantenjugendliche leiden meist nicht unter dem vermeintlichen "Fremd sein", sondern haben viel mehr Probleme mit dem Verwehren von Chancen, sich selbst entwickeln zu können. Es steckt in ihnen nicht nur eine große Portion Rebellentum, sondern auch kreative Fantasie. Um Migrantenjugendliche in den Prozess einer neuen Kultur- und Identitätsentwicklung einbinden zu können, braucht es zuerst eine Vorstufe. Und dies ist auch Ziel unseres Projektes: Junge Migranten und Migrantinnen machen die Spuren ihrer Eltern sichtbar!
Im Jahr 2003 hat sich der Verein Multikulturell gemeinsam mit drei jungen Migrantinnen (Sibel Candan, Alev Yagmur-Aydemir, Selin Sarac) filmisch auf die Spurensuche begeben. In dem 55 min. Film wurden drei Migrantenfamilien aus der Türkei porträtiert.
"Es wurde nicht an einen Dokumentationsfilm gedacht, sondern eben an eine filmische Spurensuche", so der Filmregisseur Ovagem Agaidyan. "Das bewusste Verarbeiten der Zuwanderungsgeschichte ihrer Eltern kann für junge Migranten und Migrantinnen als Grundlage für ihr Selbstvertrauen, für das Erkennen ihrer Bi-Kulturalität, als eine Chance und als eine interkulturelle Kompetenz dienen. Das soll im Konkreten durch das direkte Zugehen auf die Wurzel und durch Visualisierung und Zuhören erreicht und sichtbar gemacht werden" meinte Agaidyan.
Die vier Mädchen wollten diese "Spurensuche" als Film verwirklichen, weil sie diese Spuren auch für andere junge Menschen sichtbar machen wollten. Auch andere junge MigrantInnen sollen damit auf ihre Herkunft und auf ihre eigene Geschichte, die eigenen Wurzeln stolz sein können.
Sie hatten das Projekt gemeinsam vorbereitet, durchgeführt und auch evaluiert. In der ersten Phase hatten sie eine Einleitung bzw. Training im Bereich der Filmgestaltung (Recherche, Drehbuch, Filmen, Interviews, Schnitt) erhalten. Sie sammelten Materialien, führten Interviews, machten ergänzende Filmaufnahmen. Bei der Evaluierung des Projektes wurden sie vom Verein Multikulturell unterstützt. Ihr Wunsch war es, dass der Film als Grundlage bzw. Motivation für weitere Projekte, wie etwa ein Migrationsarchiv für gesammelte Spuren der älteren Generation dienen soll.
Das bewusste Bearbeiten der eigenen Spuren/Wurzeln und die intensive Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Situation sahen sie als Möglichkeit ihr eigenes Selbstbewusstsein zu stärken.
Die Erfahrungen die sie im Rahmen der Durchführung dieser Spurensuche machten, soll auch anderen jungen MigrantInnen als Anreiz und Motivation für ähnliches Engagement dienen. Zusätzlich soll dieser Film als Förderung des Verständnisses für MigrantInnen in diversen Schulen und Erwachsenenbildungseinrichtungen als positive Selbstdefinition von MigrantInnen gezeigt werden.
Die bei diesem Projekt recherchierten und gesammelten Materialien (alte Fotos, Ausweise, Briefe der "ersten Generation") könnten als Grundlage oder als Startschuss für ein Dokumentationszentrum bzw. Migrationsarchiv dienen. Der durch dieses Projekt entstandene Film soll auch anderen Migrantenjugendlichen zur Verfügung stehen.
Migration und das nicht immer konfliktfreie und oft vorurteilshafte Zusammenleben von Gruppen unterschiedlichster Herkunft war und ist auch in allen anderen europäischen Ländern ein Thema von hoher Aktualität und leider oft auch ein Problembereich.
Das Projekt "...diesen Winter bleiben wir noch..." wurde im Zuge des 10-jährigen Jubiläums des Vereins Multikulturell vorgestellt und die Filmpremiere in einer Massenaussendung (2.500 Haushalte) angekündigt. Ebenso waren die lokale Presse und der ORF sehr an dieser Arbeit interessiert. Der Film wurde auch beim Internationalen Filmfestival 2004 in Innsbruck vorgeführt.
Weitere Informationen dazu erhalten Sie über den
Verein Multikulturell
Mentlgasse 7
6020 Innsbruck
Tel.: +43 512/56 29 29
e-Mail:
office@migration.cc
http://www.migration.cc ![]()


