
Zu Mangelzeiten, wie etwa in der Nachkriegszeit, gab es kaum Abfälle. Alle Waren wurde so lange wie möglich genutzt. Ausrangieren, weil die Mode gewechselt hat oder etwas Neues auf den Markt kam, konnte man sich einfach nicht leisten. Der gestiegene Wohlstand ermöglicht es uns heute, ständig neue Waren anzuschaffen und damit andere nutzlos zu machen. Die Folge sind enorme Mengen an Abfällen. Abfallstatistiken belegen diese Entwicklung: Seit Beginn der 90er Jahre werden in Tirol ständig steigende Sperrmüllmengen registriert. Im Gegensatz zum Restmüllaufkommen, wo beachtliche Reduktionen durch Wiederverwertungsmaßnahmen erzielt werden konnten, ist ein Anstieg des Sperrmüllaufkommen von 1990 bis 1996 um über 60% zu verzeichnen. In absoluten Zahlen ausgedrückt, landen damit jährlich über 20.000 t Sperrmüll auf Tiroler Deponien. Als Antwort auf diese Entwicklung wurde 1996/97 vom Land Tirol eine Untersuchung beauftragt, deren Ziel es war, Möglichkeiten zur Reduktion des Sperrmüllberges und Wege für eine zükunftige ökologische Tiroler Sperrmüllbewirtschaftung aufzuzeigen. Die Erfolgsbilanz dieser sehr umsetzungsorientierten Untersuchung kann sich sehen lassen. So kann für den Umweltschutz positiv vermeldet werden, daß durch Vermeidung, Wiederverwertung und Trennung von Sperrmüll ca. die Hälfte des Aufkommens von den Tiroler Deponien ferngehalten werden kann. Gleichzeitig hat eine Sperrmüllbewirtschaftung auch positive soziale Effekte: Durch die notwendigen Trenn- und Reparaturleistungen können nicht nur sinnvolle Arbeitsplätze geschaffen werden, sondern auch Bedürftigen durch Weitergabe von gut erhaltenen Altwaren geholfen werden. Ansatzpunkte für eine ökologisch als auch ökonomisch sinnvollere Sperrmüllbewirtschaftung liegen vor allem in der Verwertung des sehr hohen Holzanteils im Sperrmüll (über 30%) sowie der Metallfraktion (ca. 13%). Die Trennleistungen, die dafür durchgeführt werden müssen, rechnen sich umgehend über die günstigeren Verwertungspreise. Im Zusammenhang mit wiederverwendbaren Altwaren wurde vor allem darauf geachtet, bedürfnisorientiert vorzugehen. Es wurden nur Gegenstände heraussortiert, die jedenfalls Abnahme fanden (der Anteil lag bei ca. 10% des gesamten Sperrmüllaufkommens). In Zusammenarbeit mit sozialökonomischen Betrieben konnte damit Bedürftigen in In- und Ausland geholfen werden.


