PRESSEINFORMATION

Auf Grund verschiedener menschlicher Eingriffe in der Vergangenheit sind Veränderungen in der Baumartenzusammensetzung im Ökosystem der Milser Au feststellbar. Im Juli des letzten Jahres wurde zudem der noch größte zusammen hängende Grauerlenwaldkomplex im Tiroler Oberland durch ein Sturmereignis maßgeblich beeinträchtigt. Durch die Ausarbeitung eines Gemeinschaftsprojektes, an dem zahlreiche Experten aus den verschiedenen Fachbereichen mitarbeiten, sollte die Erhaltung der Milser Au langfristig sichergestellt werden.

Die Milser Au ist ein Restbestand der früher ausgedehnten flussbegleitenden Waldbestände im Inntal, die in Folge der massiven Umgestaltung der Naturlandschaft durch den Menschen zur Schaffung von Kulturland, Siedlungsgebiet, aber auch für Infrastruktureinrichtungen und den damit verbundenen Rodetätigkeiten stark zurückgedrängt wurden. Die Milser Au besitzt ein Flächenausmaß von ca. 36,8 ha und ist das letzte größere Auwaldgebiet im Oberinntal. Bereits im Jahre 1987 wurde der Waldkomplex als Geschützter Landschaftsteil nach dem Tiroler Naturschutzgesetz unter Schutz gestellt. Hauptgrundbesitzer des Waldkomplexes ist die Agrargemeinschaft Mils. Der unmittelbar am Inn liegende Grauerlenstreifen ist öffentliches Gut und liegt im Zuständigkeitsbereich des Wasserbauamtes.
Auf Grund der Lage des Waldkomplexes im Talbodenbereich haben die Bestände eine wichtige klimaregulierende Funktion für das Siedlungsgebiet, die Sportanlage und die Autobahnraststätte von Mils. Darüber hinaus besitzt das Auwaldgebiet einen hohen Stellenwert für Erholungssuchende aus der Umgebung (kleinregionales Erholungsgebiet) und ist einer starken Frequentierung ausgesetzt.
Das Auwaldgebiet wird zudem als Vor- und Nachweide mit Rindern sowie als Heimweide während des Sommers genutzt, wodurch eine Beeinträchtigung der Bestände durch das Weidevieh gegeben ist. Forstlich wurden die Erlenbestände in der Vergangenheit zur Gewinnung von Brennholz nachhaltig bewirtschaftet. Das Sturmereignis am 21.07.2003 verursachte vor allem im südlichen Teil des Auwaldgebietes flächenhafte Schäden im Ausmaß von ca. 7 ha. Auf Grund dieses Schadensausmaßes ist in den nächsten Jahren eine Holznutzung in der Milser Au mit Ausnahme der Schadholzaufarbeitung nicht mehr tragbar.
DI Hans Kropfitsch als geschäftsführender Obmann des Innerhaltungsverbandes sowie als Leiter des Wasserbauamtes Imst hat auf Grund von wassertechnischen Überlegungen und dem Interesse eines naturnahen Flussverlaufes des Inns seine konstruktive Mitarbeit angeboten.
Auf Grund der derzeitigen Gesamtsituation ist nicht nur aus forstlicher Sicht, sondern auch aus schutztechnischer Sicht ein erhöhter Handlungsbedarf gegeben. Die Agrargemeinschaft Mils, vertreten durch Obm. Hartmut Neurauter, hat bei der zuständigen Bezirksforstinspektion Imst/Silz bereits im Vorjahr einen Antrag um Ausarbeitung eines Projektes zur Erhaltung und Verbesserung des Auwaldes eingebracht. Nach Bgm. Ing. Gebhard Moser war die Erhaltung des Auwaldkomplexes bereits eine Zielsetzung im genehmigten Raumordnungskonzept der Gemeinde Mils. DI Peter Winkler von der Bezirksforstinspektion Imst/Silz stellt in diesem Zusammenhang fest, dass der Zeitpunkt für die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes für das Auwaldgebiet günstig ist, da auf Grund des Schadensereignisses vom Vorjahr zumindest Wiederbewaldungsmaßnahmen notwendig sind. Eine Projektsplanung und Maßnahmensetzung ist jedoch nur unter Einbindung sämtlicher Interessensgruppen (Agrargemeinschaft Mils, Gemeinde Mils, Naturschutz, Wasserbauamt, Forstdienst, Tiroler Wasserkraft, Österreichische Bundesbahnen, Tourismusverband Imst-Umgebung, usw.) zweckmäßig. Daher wurde von allen an der Projektierung beteiligten Institutionen ein Team zusammen gestellt, welches sich mit der detaillierten Grundlagenerhebung und Ausarbeitung von notwendigen Maßnahmen auseinandersetzt.
Hauptzielsetzung ist die Erhaltung und Verbesserung des Ökosystems der Milser Au. Durch Abstimmung der Maßnahmen soll einerseits eine Verbesserung des Wasserhaushaltes erreicht werden und damit eine Weiterentwicklung von der Weichholzau in eine ökologisch weniger wertvolle Hartholzau zumindest auf Teilflächen verhindert werden. Andererseits soll das Auwaldgebiet als wertvoller Lebensraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten erhalten und auch die bisherige land- und forstwirtschaftliche Nutzung langfristig sichergestellt werden. Da die Projektsmaßnahmen auf die verschiedensten Nutzungsinteressen in diesem Gebiet abzustimmen sind, bedeutet die Ausarbeitung des Projektes „Revitalisierung der Milser Au“ eine große Herausforderung für die Projektgruppe. Letztendlich sollten die Maßnahmen auch von der Öffentlichkeit akzeptiert werden, weshalb eine vermehrte Aufklärung der Bevölkerung als begleitende Projektsmaßnahme für notwendig erachtet wird.



