Gemeinde Gries am Brenner erhält Staatspreis
Am 09. Mai überreichte Bundesminister Dipl. Ing. Josef Pröll der Gemeinde Gries am Brenner in Salzburg den begehrten Staatspreis für vorbildliche Waldwirtschaft. Das umfassende Waldmanagement und die Energieversorgung der Gemeinde mit Holz aus eigener Produktion hatte die Jury überzeugt.
Für ihr umfassendes Waldmanagement hat die Gemeinde Gries am Brenner den Staatspreis für vorbildliche Waldwirtschaft erhalten. V.l..: Raimund Mair, Bezirksforstinspektion Steinach, Bürgermeister Wilhelm Schöpfer, Vizebürgermeister Helmut Gassebner, Waldaufseher Walter Vötter. (Foto H. Eller)
Neun österreichische Waldbesitzer erhielten am 9. Mai im Heffterhof in Salzburg den von Bundesminister Dipl. Ing. Josef Pröll überreichten Staatspreis für vorbildliche Waldwirtschaft. Eine der Auszeichnungen konnte der Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner, Wilhelm Schöpfer, mit nach Tirol nehmen.
„Ich freue mich sehr, dass wir für die Pflege und Bewirtschaftung unseres Gemeindewaldes den Staatspreis erhalten haben. Das wird die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Wald vorantreiben und Nutzen für alle bringen.“, meint Schöpfer.
Umfassendes Waldmanagement als öffentliche Aufgabe
Waldwirtschaft bedeutet mehr als Holzproduktion und Einkommensmaximierung für die Gemeinde als Eigentümerin. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen.
„Die Gemeinde Gries am Brenner bewirtschaftet ihren Wald so, dass möglichst alle Leistungen des Waldes auf Dauer optimal erfüllt werden können, betont der zuständige Leiter der Bezirksforstinspektion Steinach, Vizebürgermeister Dr. Helmut Gassebner.
Die Gemeinde Gries am Brenner verfolgt ein umfassendes Waldmanagement und gestaltet neue Herausforderungen aktiv. Gassebner: „Dabei orientieren wir uns an drei Hauptzielen.“
1. Die Grieserinnen und Grieser sollen sich mit ihrem Gemeindewald identifizieren. Aufforstungsaktionen für Schulkinder, Holzbezüge für alle Einwohner und die Beschäftigung ortsansässiger Bauern für Waldpflege leisten dazu einen Beitrag.
2. Um gute regionale Lösungen zu finden und den Wald nachhaltig zu bewirtschaften, setzt die Gemeinde auf Kooperationen: Mit benachbarten Waldbesitzern wird der Wald gemeinsam bewirtschaftet und das Holz vermarktet.. Die ÖBB tragen freiwillig zur Sanierung des Schutzwaldes entlang der Brennerbahn bei. Der Alpenverein hilft bei Naturschutzprojekten.
3. Holz aus dem Gemeindewald soll mehr zur lokalen Energieversorgung beitragen.
Einsatz von Holz als nachwachsender Energieträger
Seit 1986 werden das Gemeindeamt und die Volksschule mit erneuerbarer Energie versorgt, 2001 wurde die Nahwärmeversorgung öffentlicher Gebäude und des Ortszentrums mit Hackschnitzel in Angriff genommen.
Die Hauptschule hat ebenfalls auf Hackschnitzel umgestellt. Ing. Hannes Mair, Geschäftsführer Bioenergie Tirol: „Wir erzeugen die Wärme und haben auch die komplette Technik eingebaut. Die Gemeinde Gries am Brenner hat also keine Schulden machen müssen, sondern zahlt diese Investitionen über den Energiepreis zurück. Trotzdem ist der Betrieb im Vergleich zu einer neuen Erdölheizung billiger.“
Gerhard Eller, Schulwart in der Hauptschule Gries am Brenner: „Die Umstellung auf Hackschnitzel finde ich gut, weil wir nachwachsendes Brennmaterial verwenden können und umweltfreundlicher heizen. Für Notfälle haben wir einen neuen Ölkessel angeschafft, den wir an besonders kalten Tagen zusätzlich einschalten können.“
Mehr Sicherheit und zusätzliches Einkommen aus dem Wald
Im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden stellt Gries am Brenner Holz aus dem Gemeindewald allen Einwohnern zur Verfügung, nicht nur den Bezugsberechtigten. Das qualitativ bessere bzw. günstig erreichbare Holz bekommen die Gemeindebürger für den Hausbau und zum Heizen, die Gemeinde selbst begnügt sich mit dem Holz aus steilen Schutzwäldern. Auf diese Weise werden vor allem jene Schutzwälder ständig gepflegt, die Gebäude, Brennerbahn und Straßen vor Lawinen und Muren schützen. Die Schutzwaldarbeit erhöht die Sicherheit für die Bewohner und die Benützer von Straße und Bahn, zudem kann daraus ein Zusatzeinkommen erwirtschaftet werden.
Thomas Scheiber, Bauer in Gries am Brenner: „Gemeinsam mit drei Kollegen aus dem Ort kann ich über den Maschinenring auch im Grieser Wald arbeiten. So halten wir als Bauern den gemeinsamen Wald gesund, können noch etwas dazu verdienen und so unsere Höfe erhalten.“
Naturschutz hoch im Kurs
Die Gemeinde betreibt aktiven Naturschutz, indem sie ihre Wälder naturnah bewirtschaftet und wertvolle Inseln wie Lärchwiesen und Feuchtgebiete pflegt. Über 50% der Gemeindefläche sind inzwischen als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Vorbildlich ist auch das erste Tiroler Konzept zum Schutz der Waldameisen.
Ein Herz für Touristen
Die tourismusfreundliche Gemeinde bietet ein grenzüberschreitendes Wegenetz für Mountainbiker an und erleichtert Wanderern mit Parkplätzen den Zugang zur Natur. In einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Alpenverein versucht die Gemeinde, Schitourengeher in geeignete Bahnen zu lenken und aus dem Jungwald fernzuhalten. Der Tourismusverband plant einen Geolehrpfad zum Steinkohlenwald in Nößlach.
Traditionelle Interessen berücksichtigt
Die Waldweide z. B. ist für die berechtigten Bauern eine wirtschaftliche Notwendigkeit und wird von EU, Bund und Land gefördert. Diese traditionelle Wirtschaftsform wird zu moderner „Agroforestry“ weiterentwickelt. Ziel ist ein tragbares Miteinander von Weide und Waldwirtschaft.
Nähere Informationen bei:
Dr. Helmut Gassebner, Leiter der Bezirksforstinspektion Steinach, Mobil 0676/88508-7993



