Naturdenkmal Gande bei Fiss

Oberhalb von Fiss, nahe der Möseralm, liegt mitten im Wald eine Gande, bestehend aus gewaltigem weißlichem Blockwerk. Im nördlichen Teil der Gande durchziehen tiefe Risse die mächtigen Schollen. Im südlichen Teil der Gande dominieren gewaltig aufgetürmte Blöcke. Dr. Friedrich Hans Ucik, der seit fast 20 Jahren an der Neukartierung des österreichischen Anteils des Unterengadiner Fensters arbeitet, führt über die Gande folgendes aus: "Die typischen weißlichen Gesteine des Ladiser Quarzits bildeten einst unter anderem im Gebiet des Unteren Sattelkopfs schmale, riffartige Fels(köpfe)en, die im Laufe der Zeit durch Verwitterung in sich zusammenbrachen und heute als wirres Blockwerk vorliegen, wie es am ausgedehntesten im Bereich der "Gande" zu beobachten ist." Dieses ehemalige Felsenriff ist ähnlich jenem, auf dem die Burg Laudeck bei Ladis steht. Der Ladiser Quarzit, ein paläozoischer Quarzphyllit, ist die Basis der randlichen Prutzer Serie. Diese ist ein Bereich vielfältiger und wirrer Verschuppungen verschiedener Gesteinszonen des Engadiner Fensters.
In der Gande trifft man auf eine vielfältige Flora. Latschen und kleinwüchsige Lärchen kämpfen zwischen und auf den Blöcken um ihre Existenz. Preiselbeere, Heidelbeere, Alpenbärentraube, Bärlapp, zahlreiche Flechten und Moose haben sich in der Gande angesiedelt.
In der Gande wurden vor fünfzig Jahren Quarzitblöcke abgebaut und mit einer Seilbahn nach Fiss hinunter geliefert. Fiss war Aufbaugemeinde, und man verwendete die Quarzitblöcke als Baumaterial. Die Seilbahn von der Gande nach Fiss herunter brauchte keinen Antrieb. Die beladenen Seilbahnkörbe liefen dank der schweren Ladung selbst talwärts und mußten nur gebremst werden. Überreste der Seilbahnbergstation sind noch als morsche Holzgerippe am unteren Rand der Gande zu sehen.
Die Gande bei Fiss unterhalb des Sattelkopfs ist ein interessantes Naturgebilde mit großer Formenvielfalt und besonderem landschaftlichen Reiz. Die Gande wurde 1977 zum Naturdenkmal erklärt.