Revitalisierung des Gurglbaches

Lokalaugenschein im Bezirk Imst

Kategorien:  LHStv Geisler LHStvin Felipe BH Imst AutorIn: Clemens Rosner
Freuten sich, das Projekt heute der Öffentlichkeit zu präsentieren (v.re.:): Johann Staggl (Obmann Imst Tourismus), LHStvin Ingrid Felipe, LHStv Josef Geisler, Bgm von Nassereith Herbert Kröll und Bgm von Tarrenz Rudolf Köll.
Freuten sich, das Projekt heute der Öffentlichkeit zu präsentieren (v.re.:): Johann Staggl (Obmann Imst Tourismus), LHStvin Ingrid Felipe, LHStv Josef Geisler, Bgm von Nassereith Herbert Kröll und Bgm von Tarrenz Rudolf Köll.

Bereits begonnen haben die umfangreichen Arbeiten zur Revitalisierung des Gurglbaches, kurz „Gurgl“ genannt, im Bezirk Imst. Zu einem ersten Lokalaugenschein haben sich LHStv Josef Geisler und Umweltlandesrätin LHStvin Ingrid Felipe mit VertreterInnen der involvierten Gemeinden und Verantwortlichen des Projektes vor Ort getroffen, um sich selbst ein Bild zu machen.

Neue Lebensräume – neuer Radweg

LHStvin Felipe zeigt sich begeistert von dem Vorhaben: „Dieses Projekt umfasst umfangreiche und nachhaltige Naturschutzmaßnahmen und bietet damit der Tier- und Pflanzenwelt die Möglichkeit, sich in Zukunft am natürlichen Verlauf der Gurgl wieder anzusiedeln.“ Die Gesamtkosten belaufen sich auf 1,8 Millionen Euro.

LHStv Geisler sieht in der Revitalisierung der Gurgl vor allem auch in Verbindung mit dem Radweg einen Mehrfachnutzen: „Im Zuge dieses Projekts wird der Bach für Erholungssuchende zugänglich gemacht. Damit gewinnt das Naherholungsgebiet zusätzlich an Attraktivität. Durch die Nähe zum Radweg werden auch viele Radfahrerinnen und Radfahrer die neuen Möglichkeiten nutzen und sich an der Gurgl entspannen und erfrischen.“ Demnächst wird der auf eine Breite von 3,5 Meter ausgebaute Radweg zwischen Nassereith und Tarrenz asphaltiert. Wenn es sich auf der B 179 Mieminger Straße staut, können Einsatzkräfte den Radweg benutzen, um rasche Hilfe zu gewährleisten. „Damit setzen wir nach der Unterführung in Tarrenz einen weiteren Baustein der Fernpassstrategie um und bieten den Radlerinnen und Radlern ein unmittelbares Naturerlebnis in einem der schönsten Täler Tirols“, so Geisler.

Einbindung der Bevölkerung vor Ort

Diese Akzeptanz in der örtlichen Bevölkerung streichen LHStv Geisler und LHStvin Felipe hervor: „Derart große Projekte benötigen die Unterstützung der Menschen vor Ort. Durch die Revitalisierung schaffen wir nicht nur Lebensräume für heimische Tierarten, sondern zugleich neue Erholungsräume für Einheimische und Gäste.“ Für die Umsetzung dieses Projektes liegen sowohl in Tarrenz als auch in Nassereith positive Gemeinderatsbeschlüsse vor. Bürgermeister Herbert Kröll von der Gemeinde Nassereith hat das Projekt seit Planungsbeginn tatkräftig unterstützt und bestätigt: „Das Gurgltal ist ein Naturjuwel und ein wichtiger Naherholungsraum für die Nassereither Bevölkerung und die angrenzenden Gemeinden. Deshalb hat sich die Gemeinde Nassereith intensiv dafür eingesetzt, die Gurgl wieder als Erholungs- und Lebensraum zu revitalisieren“.

Als einer der Ideengeber für eine Revitalisierung der Gurgl war auch Rudolf Köll, Bürgermeister von Tarrenz, von Planungsbeginn an in das Projekt eingebunden. „Dass dieses Projekt nun konkrete Formen annimmt, ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sich mit den Gemeinden Tarrenz, Nassereith und dem Land Tirol Partner gefunden haben, die in der Lage und bereit sind, die guten Ideen auch umzusetzen“, lobt Bürgermeister Köll die gute Zusammenarbeit der Projektpartner.

Renaturierung - Zurück zur Natürlichkeit

Die Gurgl wurde bereits vor Jahrzehnten begradigt und weist daher einen unnatürlichen, geradlinigen Verlauf auf. Dieser Verlauf hat kontinuierlich zu einer Eintiefung geführt, sodass die Ufer zunehmend unterspült werden und drohen, in das Bachbett zu brechen. Dadurch wurde der Bach für Erholungssuchende kaum noch zugänglich. Als Leitbild und Grundlage für die Revitalisierungspläne wurden alte Landschaftskarten von etwa 1850 herangezogen. Zu diesem Zeitpunkt war die Gurgl noch nicht kanalisiert und verlief mäandrierend durch den sogenannten „Spiegelfreuder Morast“. Durch die geplanten Maßnahmen sollten sich wieder ausgedehntere Auenbereiche mit Grauerlenauen sowie flachere Uferbereiche mit Röhricht-Lebensräumen entwickeln. „Wir schaffen damit wieder Lebensräume für gefährdete und anspruchsvolle Tierarten, wie Karmingimpel oder Kleinspecht, verschiedene Libellenarten oder auch den Edelkrebs, die nach Fertigstellung die beruhigten Gewässerbereiche wieder besiedeln werden,“ freut sich Naturschutzlandesrätin LHStvin Felipe. Das Renaturierungsprojekt wird aus Rücklagen des Naturschutzfonds, Budgetmitteln der Abteilung Wasserwirtschaft sowie aus EU-Fördermitteln für die Entwicklung des ländlichen Raumes finanziert.


 Factbox

  • 1,8 Millionen Euro Gesamtkosten für die Revitalisierung
  • 1 Million Euro, 60 Prozent davon Land Tirol für den Radweg
  • Bauzeit für das Renaturierungsprojekt: 2019 bis 2021
  • Gewässerlänge des neu geschaffenen Verlaufes: 1,1 km

Ziele

  • die Entwicklung von Sonderstandorten nach dem Tiroler Naturschutzgesetz für Gewässer, Auwälder und Feuchtgebiete
  • Lebensräume für Erlen-Eschenauwälder, Amphibien, Edelkrebs und zahlreiche weitere Gewässer- und Uferbewohner
  • Lebensraum für mehrere gefährdete Arten der Roten Liste Österreichs wie Gelbbauchunke, Edelkrebs und Vogelarten wie Baumpieper, Sumpfrohrsänger
  • 2,5 km Radweg zwischen Tarrenz und Nassereith auf 3,5 Meter verbreitert und asphaltiert
  • Neue Rastplätze an der Gurgl für RadlerInnen