Das Alte Landhaus

Ankauf und Planung des Neubaus

Nachdem sich das erste als Landhaus verwendete Gebäude (heutiges "Frankhaus" in der Altstadt, Herzog-Friedrich-Str. 29) als zu klein erwiesen hatte, erwarben die Stände im Jahr 1666 im Tauschweg mit einem Aufschlag von 3500 Gulden das ehemalige Harnischhaus in der Neustadt, das an der Stelle des heutigen Alten Landhauses stand. Im Harnischhaus, das Kaiser Maximilian I. im Jahr 1505 erbauen hat lassen, wurden Prunkharnische, also besonders aufwändig verzierte, nur von Rittern getragene Brustpanzer, geschlagen, die Maximilian für sich selbst oder als Geschenk an befreundete Fürsten, Diplomaten und Feldherren verwendete. Seit einem Brand im Jahr 1620 und aufgrund mehrerer Erdbeben war das nunmehr im Besitz der Landstände befindliche Haus jedoch baufällig geworden.

Man entschloss sich zunächst noch zu aufwändigen Reparaturen (Dachstuhl und Dach, Verbesserung des Mauerwerkes). Diese Arbeiten waren eher kosmetischer Natur, jedoch keine eigentliche Sanierung, und der Bau blieb letztlich in seiner Substanz in einem Zustand, „dass, das Gott verhüte, sich einige Bewegungen von Erdbeben zutragen sollten, dieses Landhaus mehr und größerer Gefahr als fast alle anderen Häuser der Stadt unterworfen sein würde“ (so der damalige Hofbaumeister).

Im Jahr 1722 stellten Fachleute schließlich einen derart schlechten Zustand des Gebäudes fest, dass man sich zu einem Neubau entschloss. Die Tiroler Landstände beauftragten daher ein Jahr später den Hofbaumeister und Architekten Georg Anton Gumpp, einen Kostenvoranschlag für den Neubau des Landhauses zu erstellen. Dieser sah eine Gesamtsumme von 21.609 Gulden und 36 1/2 Kreuzer vor. Letztlich wurde nach längeren Beratungen am 12. Juni 1724 der Neubau beschlossen. Hofbaumeister Gumpp versprach außerdem, den Bau der Ehre wegen ohne persönlichen Gewinn und nur gegen Verrechnung seiner Spesen durchzuführen. Als Bauinspektoren bestellte der Tiroler Landtag den Abt von Wilten, Prälat Martin Stickler von Gassenfelda, und den Bürgermeister von Innsbruck, Johann de Lama zu Büchsenhausen.

Die Baujahre 1725 - 1734

Nach dem Abbruch des alten Gebäudes wurde im April 1725 mit dem Neubau begonnen, der im Rohbau mit der Abbindung des Dachstuhles Ende desselben Jahres vollendet war. Bereits im August 1726 waren die vorgesehenen 21.609 Gulden nicht nur aufgebraucht, sondern Gumpp hatte aus eigener Tasche bereits einige hundert Gulden zugeschossen. Ab diesem Zeitpunkt mussten laufend weitere Beträge bewilligt werden. Gumpp erklärte die bereits vorhandenen Mehrausgaben damit, dass die Steinlieferungen nicht wie geplant funktioniert hätten, auch seien die Portale und vor allem die Fassade aufwändiger als vorgesehen ausgeführt worden, und man hätte auch kostbarere Materialien verwendet.

Bei einer Baubesichtigung im März 1727 durch den damaligen Landeshauptmann Sebastian Johann Georg Graf von Künigl zu Ehrenburg, Prälat Stickler und einigen Abgeordneten stellte man fest, „dass alles stark, schön und gut gemacht“ war. Nur die Kongresszimmer waren ihnen „etwas zu eng“. Ende Februar 1728 konnte der Hofbaumeister zum ersten Mal von einer nahen Vollendung des Landhauses sprechen, die Türen und Fenster wurden eingehängt und die Öfen in den oberen Stockwerken wurden aufgestellt.

Nachdem der Rohbau im Wesentlichen abgeschlossen war, begann die künstlerische Ausgestaltung des Landhauses, die in die Zuständigkeit von Prälat Stickler fiel und sich bis ins Jahr 1734 hinziehen sollte. Der Abt von Wilten scheint unter Zeitgenossen für sein außerordentliches Kunstverständnis bekannt gewesen zu sein. Um sich selbst ein Bild von den Räumlichkeiten zu machen, besuchte er im März 1728 das Landhaus und besprach dort mit Hofbaumeister Gumpp die Ausstattung, vor allem „wie der neue Saal einzurichten sey“. Bevor jedoch mit der eigentlichen künstlerischen Ausgestaltung begonnen werden konnte, mussten Böden, Fenster und Türen von Handwerkern hergestellt werden.

Im Mai 1730 beauftragten die Landstände den Abt, ein Programm für die „Ausbutzung und Zierhung des großen Saales“, des Landtagssaales, zu erstellen. Die skulpturale Ausstattung übertrug Stickler dem Innsbrucker Hofbildhauer Ingenuin Lechleitner und dem Bildhauer Nikolaus Moll. Insgesamt – einschließlich der künstlerischen Ausgestaltung – kostete der Landhausbau 63.215 Gulden, somit ungefähr das Dreifache des ursprünglichen Kostenvoranschlages. Die Regierung war darüber zwar empört und erteilte den Landständen eine Rüge, was diese aber als Kränkung und Einmischung in ihre Rechte auffassten. Dass sich die Tiroler Stände zu einer Zeit, in der ihre politische Macht angesichts des unaufhaltsam wachsenden kaiserlichen Absolutismus schon im Sinken war, dennoch zu einem so aufwändigen Bauunternehmen entschlossen, zeigt den künstlerischen Schwung und die allgemeine Baulust jener Tage. Die Tiroler Stände haben sich mit dem Landhaus und seiner Kapelle im Innenhof jedenfalls ein bleibendes Denkmal gesetzt.

 

Details zur kunstvollen Ausgestaltung des Landhauses entnehmen Sie der Broschüre "Das Alte Landhaus - Barockes Juwel im Herzen von Innsbruck".