100 Jahre Frauen im Tiroler Landtag

LTPin Ledl-Rossmann lud zum Festakt

Kategorien:  Landtag AutorIn: Maximilian Oswald, MA
LTPin Sonja Ledl-Rossmann begrüßte die Festgäste aus Politik, Wissenschaft und Verwaltung im festlich geschmückten Landtagssitzungssaal.
LTPin Sonja Ledl-Rossmann begrüßte die Festgäste aus Politik, Wissenschaft und Verwaltung im festlich geschmückten Landtagssitzungssaal.
LTPin Sonja Ledl-Rossmann und LH Günther Platter freuten sich über die rege Teilnahme am Festakt.
LTPin Sonja Ledl-Rossmann und LH Günther Platter freuten sich über die rege Teilnahme am Festakt.
Politologin Gisella Schiestl bei ihrem Fachvortrag.
Politologin Gisella Schiestl bei ihrem Fachvortrag
(v.li.) Katharina Horngacher, Eva Lichtenberger und Gabi Schiessling erzählten von ihren zum Teil steinigen Anfangsjahren in der Politik und von gemeinsamen Erfolgen.
(v.li.) Katharina Horngacher, Eva Lichtenberger und Gabi Schiessling erzählten von ihren zum Teil steinigen Anfangsjahren in der Politik und von gemeinsamen Erfolgen.

Gestern, den 1. Juli 2019 jährte es sich zum 100. Mal, dass mit Karoline Wageneder und Maria Ducia die ersten beiden weiblichen Abgeordneten zum Tiroler Landtag angelobt wurden. LTPin Sonja Ledl-Rossmann nahm dieses Jubiläum zum Anlass, VertreterInnen aus Politik, Wissenschaft und Verwaltung ins Alte Landhaus einzuladen und mit ihnen gemeinsam an diesen historischen Moment zu erinnern.

„Die Pionierinnen der ersten Stunde und die ihnen folgenden Frauen, an die wir uns heute erinnern, mussten viel Mut, Durchsetzungsvermögen, aber auch Kompetenz und Standhaftigkeit aufbringen. Durch ihre Hartnäckigkeit und eine große Portion Beharrlichkeit haben sie viele zentrale frauenpolitische Errungenschaften erst möglich gemacht“, hielt Präsidentin Ledl-Rossmann in ihrer Eröffnungsrede fest.

Zeitzeuginnen am Wort

Zu Beginn der Veranstaltung stand eine historische Verortung durch die Politologin Gisella Schiestl. Unter dem Titel „Von ‚Wahlweibern‘, dem Superwahljahr 1919 und den ersten Frauen im Tiroler Landtag“ zeigte sie Meilensteine in der Tiroler Frauenbewegung auf und beschrieb den Weg hin zum allgemeinen Wahlrecht. Anhand von Kurzbiografien der ersten weiblichen Landtagsabgeordneten schilderte Schiestl zudem den couragierten Weg, den diese beschritten hatten.

Im Anschluss kamen drei ehemalige Landtagsabgeordnete ans Wort, die am eigenen Leib erfahren hatten, dass man als Frau in der Politik vielerorts auf Widerstand stieß und sich oft mehr beweisen mussten, als die männlichen Kollegen: Katharina Horngacher, Gabi Schiessling und Eva Lichtenberger waren allesamt über viele Jahre im Tiroler Landtag als Abgeordnete tätig und konnten auch über die Parteigrenzen hinweg zusammen politische Erfolge, etwa in Pensions- oder Verkehrsfragen, erzielen.

Mit Isolde Kafka, der Gleichbehandlungsbeauftragten des Landes Tirol, und Laura Moser, die aufgrund einer körperlichen Behinderung auf den Rollstuhl angewiesen ist, wurde der Bogen in die Gegenwart geschlagen und erörtert, in welchen Bereichen Frauen – insbesondere, wenn sie in irgendeiner Weise eingeschränkt sind – auch heute noch Benachteiligung erfahren und wie dem begegnet werden kann.

Tiroler Vorreiterinnen

In den letzten 100 Jahren hat sich viel hinsichtlich der Gleichstellung der Geschlechter getan, Tirol war hier in manchen Bereichen sogar Vorreiter: Mit der ersten Bürgermeisterin einer Bezirkshauptstadt (Helga Machné; Lienz), der ersten Bürgermeisterin einer Landeshauptstadt (Hilde Zach) und der ersten Landeshauptmannstellvertreterin (Elisabeth Zanon) waren es allesamt Tiroler Frauen, die österreichweit erstmals diese politischen Ämter erreichen konnten. In der aktuellen Landesregierung gibt es ebenso viele weibliche, wie männliche Mitglieder. Und mit Sonja Ledl-Rossmann ist erstmals eine Frau Landtagspräsidentin in Tirol.

Sichtlich stolz zeigte sich LTPin Ledl-Rossmann über das von ihren vorangegangenen Mitstreiterinnen Erreichte: „Wir haben uns das alles selbst erarbeitet. Wann immer wir von Rollenbildern, Gleichstellung und weiblichem Selbstverständnis reden – die politische Entwicklung ist eine wesentliche Begleiterin gesellschaftlicher Veränderungen. Und deshalb ist auch eine starke Stimme von Frauen in der Politik unentbehrlich und unverzichtbar.“