Saatgut und Alte Sorten

Maiskolben von verschiedenen Landsorten
Maiskolben von verschiedenen Landsorten

Saatgut berührt uns alle: Ob Garten, Spielplatz, Straßenböschung, Blumen und Kräuter, Zierrasen, Acker oder Gemüsebau, Wiesen und Weiden und Almen – überall wird Saatgut oder Pflanzgut eingesetzt. Als Saatgut gelten Samen, die zur Erzeugung von Pflanzen bestimmt sind, als Pflanzgut zum Beispiel Kartoffeln oder Zwiebel.
Saatgut ist ein grundlegender Produktionsfaktor in der Landwirtschaft und die Grundlage unserer Ernährung. Wichtige Eigenschaften von Saatgut sind Keimfähigkeit, Reinheit und Gesundheitszustand. Damit die Qualität erhalten bleibt muss Saatgut den gesetzlich geregelten Mindestanforderungen jeder Sorte entsprechen.
Seit etwa 90 Jahren wird in der Genbank des Landes Tirol Saatgut von alten Sorten, auch Land- oder Lokalsorten genannt, der verschiedensten Kulturarten gesammelt, vermehrt, beschrieben und erhalten. Landsorten sind ein lebendiges Kultur- und Naturerbe und tragen zur Sicherung der Ernährungssouveränität bei. Es sind alte landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzpflanzen, die ein wesentlicher Teil der Ernährungsgrundlage unserer Vorfahren waren. Mit diesen Landsorten wurden auch Wissen, Fähigkeiten sowie Sitten und Gebräuche über Generationen weitergegeben.
Die Eigenschaften dieser an unsere Verhältnisse angepassten Pflanzen können so für die Nachwelt gesichert werden. Farben- und Formenvielfalt, der vertraute Geschmack, die richtige Konsistenz für traditionelle Gerichte, die Möglichkeit einer laufenden Ernte, Mehrfachnutzungen als Lebensmittel, Heilpflanze, Schmuckpflanze, im Brauchtum und die Widerstandsfähigkeit gegen ungünstige Witterungsverhältnisse zeichnen viele Landsorten aus.
Verdrängt durch Neuzüchtungen und Verluste durch Pflanzenkrankheiten wie beispielsweise dem Feuerbrand im Kernobst sind sie weitgehend aus der Landwirtschaft verschwunden. Damit verbunden ist ein Verlust an biologischer Vielfalt heimischer Kulturpflanzen. Über 1.000 verschiedene Landsorten aus 35 Kulturarten sind zurzeit in der Genbank enthalten. Darüber hinaus gibt es in ganz Tirol (Nord-, Ost- und Südtirol) etwa 400 alte Apfelsorten. Um die besonders seltenen und bedrohten Apfelsorten zu erhalten, wurden an den Landwirtschaftlichen Fachschulen in Imst und Rotholz Sortengärten eingerichtet. Steigendes Umweltbewusstsein, Besinnung auf Tradition und die eigene Identität bieten Chancen für die Renaissance alter Landsorten und die Erzeugung regionaler Spezialitäten. 

Die Tätigkeit umfasst:

  • die Sammlung, Erhaltung und Beschreibung von Landsorten zum Schutz vor Verlust des Genmaterials
  • das Bestreben, verschiedene Landsorten wieder einer Nutzung zuzuführen und damit wertvolles Wissen und Kulturgut zu erhalten und zu beleben
  • die Zusammenarbeit und weitere Entwicklung einer gemeinsamen Tiroler Genbank von Tirol und Südtirol
  • Untersuchung der Sämereien von Landsorten auf ihren Gesundheitszustand und die Keimfähigkeit
  • Untersuchungen von Saatgutmischungen im Rahmen von Beratung und amtlicher
  • Gutachtertätigkeit

Weiterführende Informationen:

 Genbanken Österreichs
 AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit
 SKEK - Schweizerische Kommission für die Erhaltung von Kulturpflanzen
 Genres - Informationssystem Genetische Ressourcen
 Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
 Bergackerbau - Verein für Alpine Kulturpflanzen
 FAO - Food and agriculture organisation of the united nations
 Versuchszentrum Laimburg


Kontakt: