Baukultur der Dorferneuerung

Seit jeher prägen bauliche Strukturen ganz wesentlich das Land Tirol. Tradition, Funktion und Innovation führten zu unverwechselbaren gestalterischen Formen und Typologien.

Die Erhaltung und Pflege dieser wertvollen Bausubstanz - Bauernhäuser mit Nebengebäuden, kleine Kulturgüter wie Kornkästen, Mühlen, Harpfen usw. - ist der Dorferneuerung ein großes Anliegen.

Die Dorferneuerung hilft, durch Förderung von Konzepten, Beratungen, Planungen und Umsetzungen,diese wertvollen Gebäude zu erhalten und zu revitalisieren. Voraussetzung ist, dass für diese Objekte eine nachhaltige, wirtschaftlich vertretbare Nutzung gewährleistet ist.

Richtlinie und Formular


Ansicht Kollreidhof in Anras, Osttirol
Ansicht Kollreidhof in Anras, Osttirol

Kollreidhof - Fam. Stuchtey

Anras, Osttirol  

Auf einer terrassierten Anhöhe der orografisch linken Seite des mittleren Pustertales fällt von weitem ein Ensemble auf. Die Gebäudegruppe ist ein landwirtschaftliches Anwesen und besteht aus einem Wohnhaus, einem Wirtschaftsgebäude und einer Kapelle. 2013 wurde die umfangreiche Sanierung des Wohnhauses abgeschlossen. Baumaßnahmen, die das äußere Erscheinungsbild des Hauses betrafen wie z.B. die Fassadensanierung, die Balkone oder der Kastenfenstereinbau, wurden von der Dorferneuerung unterstützt. Die regelmäßige 5-achsige Giebelfassade sowie die 4-achsige Trauffassade vermitteln das Bild eines homogenen Baukörpers der von Grund auf in einem Zuge bis unters Dach gemauert wurde, doch der Eindruck täuscht: eine bauhistorische Befundung beschreibt fünf Phasen, in denen Aufbauten bzw. bauliche Veränderungen vorgenommen wurden, die dem stolzen Hof sein heutiges Aussehen verleihen. Die ältesten Gebäudeteile sind ca. 450 Jahre alt.


Mittewald-Leiter Dachharpfe in Assling, Osttirol
Mittewald-Leiter Dachharpfe in Assling, Osttirol

Mittewald - Leiter Dachharpfe

Assling, Osttirol

Mit Verwunderung begegnet der Unkundige diesen seltsamen Stangengerüsten, die es in dieser Form nur in Teilen Sloweniens, Kärntens und in Osttirol gibt. Diese sogenannten Harpfen wurden als Trockengerüste für Getreide gebraucht, haben aber als solche längst ausgedient. Es gibt sie in den Formen einer Einfach- und als Doppelharpfe. Viele sind noch hier aber noch viel mehr sind bereits verschwunden. Die Dorferneuerung unterstützt den Verbleib dieser bäuerlichen Kleinkunstmale, sind sie doch Zeugen einer vergangenen Agrartechnik, die der Nachwelt gezeigt werden soll. Die Dachsanierung der Harpfe in Mittewald wurde 2011 abgeschlossen, dabei wurden gespaltene Lärchenholzschindeln in 2-fach Deckung verwendet.


Mitterstall in Brandberg, Nordtirol
Mitterstall in Brandberg, Nordtirol

Mitterstall - Zeugnis von der Vergangenheit in die Gegenwart

Brandberg, Nordtirol    

Der Gemeinde Brandberg ist es gelungen, den ortsbildprägenden Mitterstall am Dorfanfang zu erwerben und ihn für die Zukunft zu sichern. Mit Unterstützung der Dorferneuerung wurde er behutsam saniert. Seine ursprüngliche Bestimmung als Futterstall hat er verloren, heute dient er als Dependance zum Naturparkhaus in Ginzling. In den beiden Geschoßen wird eine Ausstellung zum Thema „Landwirtschaft und deren Wandel“ gezeigt, das beeindruckenste Ausstellungsobjekt ist der 300 Jahre alte Stall aber selber.


Oberstalleralm in Innervillgraten, Osttirol
Oberstalleralm in Innervillgraten, Osttirol

Oberstalleralm

Innervillgraten, Osttirol

Neunzehn Almhütten mitsamt einer Kapelle bilden ein regelrechtes Almdorf auf der Oberstalleralm. Solche Almensembles gibt es mehrere in Innervillgraten, die größte und bekannteste ist aber die Oberstalleralm. Allen dieser Almen gemeinsam ist das homogene Gepräge seiner Gebäude. Nirgendwo sonst in Tirol trifft man noch auf Schindeldächer in dieser Dichte wie im Almgebiet von Innervillgraten. Damit dieses einheitliche Erscheinungsbild auch weiterhin gewahrt bleibt, hat die Gemeinde Innervillgraten örtliche Bauvorschriften erlassen. Die Dorferneuerung unterstützt die Almbauern bei ihren Bemühungen für die Bewahrung dieser landschafts- und baukulturell wertvollen Bereiche.


Ehemaliges Gasthaus „Aigner“ in Strassen, Osttirol
Haupteingang des ehemaliges Gasthaus „Aigner“ in Strassen, Osttirol

Ehemaliges Gasthaus „Aigner“

Strassen, Osttirol  

Das geschichtsträchtige Haus - es beherbergte während des Zweiten Weltkrieges das Gericht und diente lange als Fuhrmannsgasthof – stammt zum Teil aus dem 14./15. Jahrhundert. Es wurde von der Besitzerin, Frau Margit Aigner, liebevoll und fachgerecht revitalisiert, sodass es zu Recht als Traumwohnung für die Familie und mit der gelungenen ausgebauten Ferienwohnung auch als Erlebnisurlaubsziel für Gäste bezeichnet werden kann. Die alten Gewölbe wurden saniert, der Fußboden mit breiten Holzdielen konnte erhalten werden. Das Haus mit der Holzkegelbahn und einer Kapelle bildet ein Ensemble, das für alle Vorbeigehenden sehr ansprechend wirkt.