Herdenschutz

Schalenwild ist die bevorzugte Beute der Wölfe. Dennoch gehören auch Nutztiere, insbesondere Schafe und Ziegen, zu den potenziellen Beutetieren. Das trifft vor allem dann zu, wenn Wölfe auf ungeschützte Herden treffen. Wölfe erbeuten bevorzugt Tiere, die mit geringem Aufwand und wenig Risiko zu erbeuten sind.

Das Auftreten des Wolfes erfordert eine Anpassung des Herdenschutzes. Die Art des Herdenschutzes ist abhängig von der Anwesenheit der Wölfe. Es gibt derzeit in Tirol kein Wolfsrudel oder stationäre Einzeltiere. Aktuell besteht aber in allen Teilen Tirols ganzjährig eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass einzelne durchziehende Wölfe auftreten.

Die Präsenz des Wolfes erfordert eine Anpassung des Herdenschutzes. Auf den Heimweiden war es bisher ausreichend, dass die Tiere innerhalb des Zaunes bleiben. Soll die Herde zusätzlich vor Wölfen geschützt werden, ist der Zaun so zu gestalten, dass er Raubtiere vor dem Eindringen abhält. Schutzzäune als Grundschutz vor Wölfen sind aber nicht immer und überall einsetzbar oder ausreichend. Insbesondere auf Almen stellt sich bei dauerhafter Anwesenheit von Wölfen die Frage nach einer Behirtung und allenfalls auch dem Einsatz von Herdenschutzhunden, um Nutztiere ausreichend zu schützen.

 

» Schutzzäune

» Behirtung und Herdenschutzhunde

 

Machbarkeitsstudie Herdenschutz Tirol

Im Sommer 2019 führten die AGRIDEA und das Büro Alpe auf vier Tiroler Schafalmen und einer Vorweide eine Machbarkeitsstudie zum Herdenschutz durch. Es ging um die Einschätzung ob und wie Herdenschutz auf den hochalpinen und teils stark frequentierten Tiroler Almen machbar ist.

Auf einem Teil der untersuchten Almen sind Maßnahmen wie Behirtung, gezielte Weideführung, Zäune, Pferche oder Hunde zum Schutz der Schafherden vor Wölfen machbar. Herdenschutz ist bei den bewerteten Almen auch möglich, wenn sie touristisch genutzt werden. Der Aufwand und die Herausforderungen steigen dabei jedoch in der Regel.

Auf einem anderen Teil der Almen sind Herdenschutzmaßnahmen auf Basis der momentanen Bewirtschaftungspraxis, der Futtergrundlage und der derzeitigen Rahmenbedingungen nicht oder nur mit größeren Veränderungen in der Bewirtschaftung umsetzbar. Gezeigt hat sich, dass jede Alm in der Machbarkeit und Umsetzung des Herdenschutzes sehr spezifisch und einzeln zu betrachten ist.

Herdenschutz ist meist mit einem bedeutenden finanziellen und arbeitstechnischen Mehraufwand verbunden. Er bewegt sich bei den bewerteten Almen zwischen 73,- und 536,-/GVE bzw. zwischen 11,- und 80,- pro Schaf älter als 1 Jahr.

Die Machbarkeitsstudie hat zudem gezeigt, dass eine gezielte Weideführung der Schafe in den weitläufigen Almgebieten die Voraussetzung für die spätere Umsetzung konkreter Herdenschutzmaßnahmen ist. Eine gelenkte Beweidung anstatt des freien Weidegangs der Schafe wirkt sich zudem positiv auf die Nutzung der vorhandenen Futterflächen und auf die Biodiversität aus. Bewirtschaftern von Schafalmen, die sich für eine gezielte Weideführung interessieren, bietet das Land Tirol eine Almbegehung mit einem Experten an. Dieser wird vor Ort auch die Machbarkeit von Herdenschutzmaßnahmen einschätzen.

Bei Interesse an einer Begehung Ihrer Schafalm kontaktieren Sie:

DI Josef Gitterle

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