Behirtung und Herdenschutzhunde

Herdenschutz mit Hirten, Herdenschutzhunden und Nachtpferch ist um ein Vielfaches aufwendiger als nur mit einem elektrischen Schutzzaun und auch nicht immer möglich. Im alpinen Gelände und auf Almen wird diese Form des Herdenschutzes bei stationären Wölfen bzw. einem Wolfsrudel in den meisten Fällen jedoch unabdingbar sein. Gleichzeitig ist sie jedoch sehr herausfordernd und auch relativ kostenintensiv. Die Nationale Beratungsstelle Herdenschutz in Österreich hat dazu folgendes geschrieben:

 

„Die Behirtung von Viehherden hat eine jahrtausendelange Tradition, die beim Kleinvieh in Österreich jedoch selten geworden ist. Vielmehr ist es üblich, dass sich Schafe auf den Almen frei bis in die höchsten Gebirgsregionen bewegen. Ein Hirte hat die Aufgabe, die Herde zu bilden und gezielt durch das Weidegebiet zu führen. Dabei sind Hütehunde ein unersätzliches Hilfsmittel. Die ständige Anwesenheit eines Hirten und die gezielte Beweidung der Flächen haben Vorteile: Schutzfunktion, Weidequalität, Tiergesundheit, Herdenschutzhunde.

 

Die Behirtung einer großen Schafherde im alpinen Gelände ist eine überaus anspruchsvolle Aufgabe, die hohe Anforderungen an die Hirten stellt. Im gesamten Alpenraum herrscht ein großer Mangel an geeigneten Hirten, die über das nötige Wissen bzw. Erfahrung verfügen. Der Beruf des Schafhirten oder Schäfers ist in Österreich nicht fest verankert. Offizielle Ausbildungen werden in der Schweiz und in Deutschland angeboten. Hinzu kommt die Frage der Finanzierung der Hirten. Damit sich die Behirtung lohnt, müssen bisher verstreute kleinere Herden zusammengeführt und gemeinsam behirtet werden. Dies hat Auswirkungen auf die Almbesitzer und Weiderechte. Hinzu kommen arbeitsrechtliche Fragen und höhere Anforderungen an den Tiergesundheitsstandard.“

Schafhirten werden bei größeren Herden neben den Hütehunden idealerweise durch ausgebildete Herdenschutzhunde unterstützt. Es sind v.a. die Rassen Maremmano Abruzzese und Montagne des Pyrénées (Patou), die als Herdenschutzhunde geeignet sind und eingesetzt werden. Die beiden Rassen stammen aus traditionellen Wolfsgebieten in Italien und Frankreich.

Herdenschutzhunde arbeiten selbständig, indem sie in der Herde leben und Eindringlinge sehr effizient vertreiben. Zwei bis drei gut ausgebildete Hunde sind nötig, um eine Schafherde mit rund 500 Tieren vor Raubtieren zu schützen. Erfahrungen aus der Schweiz und anderen Ländern zeigen, dass durch den Einsatz von Hirten, Schutzzäunen und Herdenschutzhunden die Verluste durch Wolfrisse erfolgreich und massiv reduziert werden können. Zu berücksichtigen ist, dass Herdenschutzhunde nur beschränkt verfügbar sind und ihre Ausbildung und Haltung einen beträchtlichen Aufwand verursacht. In touristischen Gebieten erfordert ihr Einsatz ein umsichtiges Management durch den Tierhalter und Rücksichtnahme seitens der Wanderer und Mountainbiker. In touristisch sehr intensiv genutzten Almregionen, in denen Wander- oder Mountainbikewege direkt durch das Weidegebiet führen, kann es sein, dass Herdenschutzhunde nicht oder nur bedingt eingesetzt werden können.

 

Weiterführende Informationen

Herdenschutz(hunde) in der Schweiz

Herdenschutz im Freistaat Sachsen

Jahresbericht 2017 - Nationale Beratungsstelle Herdenschutz

Abschlussbericht Nationale Beratungsstelle Herdenschutz

 


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