Landesregierung beschloss Unterstützungspaket für Osttirol in der Höhe von

Tiroler Landesregierung tagte im Matreier Tauernhaus:

Kategorien: BH Lienz, LH Platter, LHStvin Felipe, Regierung, Katastrophenschutz, Sicherheit AutorIn: Rainer Gerzabek
Die Tiroler Landesregierung hielt ihre Sitzung im Tauernhaus ab.
Die Tiroler Landesregierung hielt ihre Sitzung im Tauernhaus ab.
Die Tiroler Landesregierung hielt ihre Sitzung im Tauernhaus ab.
Mit dem Doppelstockbus umweltfreundlich in Osttirol unterwegs: Die Tiroler Landesregierung mit Karl Popeller (2. v. re.), Vorstandsdirektor der Felbertauernstraße AG. Fotos: Land Tirol/Brunner Images
Die Tiroler Landesregierung hielt ihre Sitzung im Tauernhaus ab.
LH Günther Platter und LHStvin Ingrid Felipe besuchten Markus Trojer, Besitzer des Hotels Post.
Die Tiroler Landesregierung hielt ihre Sitzung im Tauernhaus ab.
Landesregierung auf Betriebsbesuch im Liebherr-Werk Lienz bei Geschäftsführer Andreas Görgl (2. v. re.).

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In der heute, Dienstag, im Matreier Tauernhaus abgehaltenen Sitzung beschloss die Tiroler Landesregierung ein Unterstützungspaket für Osttirol in der Höhe von rund 25 Millionen Euro:

Das Paket beinhaltet die Bereiche Sanierung der Verkehrsinfrastruktur, Wirtschaft, Tourismus und Jugendsport. Die beschlossene dringliche Regierungsvorlage wird bereits dem morgen, Mittwoch, beginnenden Tiroler Landtag zur Beschlussfassung vorgelegt.

„Die Tiroler Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, mit einem Paket von Maßnahmen eine Schwächung Osttirols und vor allem der Osttiroler Wirtschaft und deren Wettbewerbsfähigkeit wegen der Komplettsperre der Felbertauernstraße entgegenzuwirken. Wir bekennen uns zur bestmöglichen Unterstützung des Bezirkes Lienz und wollten das auch symbolisch mit der heutigen Regierungssitzung auf dem Matreier Tauernhaus bekunden“, erklärte LH Günther Platter in der anschließenden Landespressekonferenz.

Mit dem massiven Felssturz in den Nachtstunden des 14. Mai 2013 auf der Südrampe des Felbertauern im Bereich der Schildalmgalerie hat sich in Osttirol eine der größten Naturkatastrophen mit umfassenden und langfristigen Auswirkungen auf den ganzen Bezirk Lienz ereignet.

Finanzhilfe für die Felbertauern AG

„Die Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit der Felbertauernstraße AG als Lebensader zwischen Osttirol und Nordtirol liegt im Interesse der Wirtschaft und des Tourismus. Deshalb gewährt das Land Tirol 13,5 Millionen Euro als Finanzhilfe aus dem Katastrophenfonds für die Felbertauern AG. Zudem führt das Land Tirol gemeinsam mit dem Haupteigentümer Bund eine Kapitalaufstockung von zehn Millionen Euro bei der AG durch, um den weiteren Bestand und die Handlungsfähigkeit der Straßengesellschaft sicherzustellen“, informierte der Tiroler Landeshauptmann weiters.

Nach erfolgreichen Verhandlungen von LH Günther Platter in Wien finanziert der Bund 60 Prozent der Mittel aus dem Katastrophenfonds, sodass das Land Tirol die gesamte Summe vorfinanziert, sich aber dann der endgültige Landesbeitrag durch einen Bundeszuschuss auf 5,4 Millionen Euro verringert.

Erfolgreiche LH-Verhandlungen in Wien

Der Finanzbeitrag an der Kapitalaufstockung beträgt für das Land Tirol 3,669 Millionen Euro. Beide Maßnahmen sind mit dem Bund abgestimmt. Den Gemeinden als weitere Aktionäre steht es frei, sich an der Kapitalaufstockung zu beteiligen. Die Felbertauern AG beziffert ihren Gesamtschaden mit der Behebung, Wiederherstellung, Mautausfall, Sonderwerbekampagne und dem Bau der Ersatzstraße mit rund 34,5 Millionen Euro.

Marketingkampagne zur Tourismusankurbelung

„Durch die Sperre des Felbertauern ist für den Osttiroler Tourismus ein Ausnahmezustand eingetreten. Um den Schaden zu minimieren und dem Wertschöpfungsentgang entgegenzuwirken, sollen zusätzliche Marketingmaßnahmen speziell in Österreich, Bayern und Italien die Osttirol-Werbung verstärken“, informierte LH Günther Platter. „Das Land Tirol stellt dafür 500.000 Euro bereit.“ Davon kommen aus dem Tiroler Tourismusförderungsfonds 300.000 Euro.

Der Tourismusverband Osttirol geht von einer Reduzierung der Wertschöpfung durch die Komplettsperre des Felbertauern von bis zu zehn Prozent aus. In der Nationalparkregion wird dieser Wert noch weit höher eingeschätzt.

„Die Marketingkampagne wird in drei Phasen ablaufen: Zuerst wird über die aktuelle Verkehrslage samt Zufahrtsmöglichkeiten informiert. Dann wird zur Wiedereröffnung der Ersatzstraße Werbung zur Belebung des Sommertourismus mit einer Vorschau für den Herbst gemacht. In Kooperation mit der Tirol- und Österreich-Werbung soll dann die Region mittelfristig verstärkt durch Werbeaktivitäten ins Schaufenster gerückt werden“, betonte Tourismusreferent LH Platter. 

Qualitativ hochwertiges ÖV-Angebot kommt

„Für die Bevölkerung in Osttirol wollen wir ein qualitativ hochwertiges Angebot im Öffentlichen Personenverkehr zwischen Lienz und Innsbruck sicherstellen. Die bestehende Zugverbindung über das Pustertal bildet dabei die Grundstruktur, die einerseits auf dem bisherigen Niveau aufrecht zu erhalten und andererseits mittelfristig qualitativ zu verbessern ist“, kündigte LHStvin Ingrid Felipe an.

Felipe: „Ab Dezember 2014 soll eine Direktverbindung zwischen Lienz und Franzensfeste angeboten werden. Parallel dazu sind die weiteren Umsteigebeziehungen zeitlich optimal aufeinander abzustimmen und barrierefrei auszuführen. Als Ersatz für die Direktverbindungen zwischen Lienz und Innsbruck auf der Schiene sollen ab Dezember 2013 drei Schnellbusverbindungen täglich am Morgen, Mittag und Abend von Osttirol nach Innsbruck und retour geführt werden.“

Die Mittagsverbindung wird bis zur tatsächlichen Inbetriebnahme der stündlichen Direktverbindung zwischen Lienz und Franzensfeste und retour ohne Umsteigen geführt und vom Land Tirol jährlich mit 340.000 Euro unterstützt. Zum Einsatz kommen moderne Doppelstockbusse. Die Busse weisen in jede Richtung eine Reisezeit von zwei Stunden und fünfzig Minuten auf und sind somit um rund 40 Minuten schneller als die bisherigen Direktverbindungen auf der Schiene.

LHStvin Felipe: „Neu ist auch eine Busverbindung am Freitagmittag von Kitzbühel über Mittersill nach Lienz, um den Pendlerinnen und Pendlern das Warten bis zum Nachmittagsbus zu ersparen.“

Förderungsmaßnahmen für die Osttiroler Wirtschaft

Mit rund 800.000 Euro soll Osttirols Wirtschaft wegen der massiven Nachteile durch die Felbertauern-Sperre gefördert werden. Das gab Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf bekannt: „Konkret sollen die negativen finanziellen Auswirkungen auf den gewerblichen Verkehr von Unternehmen mit Sitz oder Betriebsstätte in Osttirol, die unmittelbar von der Komplettsperre der Felbertauernstraße betroffen sind, gemindert werden.“

Gefördert werden dabei 50 Prozent der tatsächlichen Mehrkosten für Maut, Personal und Kraftstoff, die wegen der weiträumigen Umfahrungen aufgebracht werden müssen und im Zeitraum der Komplettsperre der Felbertauernstraße bis zur Eröffnung der Ersatzstraße am Felbertauern anfallen.

  • Studie über Gesundheitstourismus in Osttirol

Auf Antrag von LR Bernhard Tilg beschloss die Landesregierung die Förderung einer Studie über „Gesundheitstourismus in Osttirol“ mit 150.000 Euro: „Inhalt der Studie ist es, Auswirkungen eines Aktivurlaubs in Osttirol auf verschiedene Körpersysteme, wie beispielsweise Herz- und Kreislauf, zu untersuchen. Mit den so erhobenen Daten kann ein seriöses und hochqualitatives gesundheitstouristisches Angebot für Osttirol geschaffen werden“, erklärt der Gesundheitslandesrat. Die Studie basiert auf einer Kooperation zwischen dem Bezirkskrankenhaus Lienz mit mehreren Osttiroler Hotels.

  • Jugendsportförderung

Die Landesregierung beschloss auf Antrag von LHStv Josef Geisler heute weiters, den jugendlichen Leistungssport im Bezirk Osttirol mit 75.000 Euro aus dem Sportförderungsfonds zu unterstützen. Davon profitieren insgesamt 63 Vereine, die sich für die Jugendarbeit in Osttirol engagieren.

  • Mautkostenersatz für Felbertauernstraße AG

Auf Antrag von Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf erhält die Felbertauernstraße AG einen Mautkostenersatz für mautfrei gestellte Pkw mit Lienzer Kennzeichen.

 

Kurzmeldungen aus der Regierungssitzung

Leseförderung in Osttirol

Drei Projekte sollen Osttiroler Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum Lesen animieren. Im Rahmen von „L.E.S.E.N.13 – Osttirol liest“, der Lesemappe „Matrei Er-Lesen“ und „Lafmo mitnondo“ finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die sich durch großes Engagement und Kreativität der OrganisatorInnen auszeichnen, sagte Bildungslandesrätin Beate Palfrader.

Fördermaßnahmen zum Ausbau der Kinderbetreuung

Die Tiroler Landesregierung beschloss heute rund 2,7 Millionen Euro für den Ausbau von Kinderbetreuungsmaßnahmen bereitzustellen. „Damit schaffen wir 401 zusätzliche Kinderbetreuungsplätze“, zeigte sich Bildungslandesrätin Beate Palfrader erfreut. Die Fördermittel werden für den Ausbau der Kinderbetreuung in Tirol eingesetzt und gehen an öffentliche und private Erhalter von Einrichtungen.

Stärkung von Frauen in ländlichen Regionen

Die Tiroler Landesregierung will für Frauen Rahmenbedingungen vor Ort schaffen, damit sie auch in ländlichen Regionen ihrem Beruf nachgehen können. „Wir wollen der Abwanderung Einhalt gebieten und Arbeitsplätze sowie soziale Infrastruktur in allen Regionen ermöglichen“, erklärte Frauenlandesrätin Christine Baur. So sollen neben dem Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen oder Freizeit- und Kulturangeboten, Frauen und junge Menschen in die Regionalentwicklung eingebunden werden. Zur Stärkung der Internet- oder Politikkompetenz werden etwa in Osttirol Projekte für Frauen wie „DONNE/Frauen entscheiden“ oder „Nüsse knacken, Früchte ernten“ angeboten.

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