Klimawandelanpassung in Tirols Gemeinden

Jetzt geht’s an die Maßnahmenentwicklung

Kategorien:  LHStvin Felipe Klimaschutz AutorIn: Clemens Rosner
LHStvin Ingrid Felipe begrüßt es, dass sich zahlreiche Gemeinden in Tirol an "Klimanpassungsmaßnahmen" beteiligen.
LHStvin Ingrid Felipe begrüßt es, dass sich zahlreiche Gemeinden in Tirol an "Klimanpassungsmaßnahmen" beteiligen.

Derzeit suchen beim UNO Weltklimagipfel in Kattowice, Polen, ExpertInnen und PolitikerInnen aus fast 200 Staaten nach Lösungen zum mittlerweile größten globalen Problem der Erde: dem Klimawandel. „Die jüngsten Extremwetterereignisse verdeutlichen mehr denn je: der Klimawandel findet statt“, betont LHStvin Ingrid Felipe und verweist darauf, dass in einem vom Land Tirol geförderten Projekt zur Verbesserung der Anpassung der Tiroler Gemeinden an den Klimawandel zehn Tiroler Gemeinden Beratung für den Start von Klimawandel-Anpassungs-Maßnahmen erhalten. „Mittlerweile haben die Expertinnen und Experten von Energie Tirol und dem Klimabündnis Tirol in allen teilnehmenden Gemeinden Erstgespräche durchgeführt und die drängendsten Punkte identifiziert“, berichtet die für Klimaschutz zuständige LHStvin Felipe. Nun sollen gemeinsam mit alpS konkrete Maßnahmen entwickelt werden.

Zehn Gemeinden passen sich dem Klima an

In den zehn teilnehmenden Gemeinden, Arzl im Pitztal, Brixlegg, Galtür, Gnadenwald, Innsbruck, Karrösten, Pfunds, der Sonnenregion Hohe Tauern (mit Matrei, Prägraten und Virgen), Stams und Wörgl wurden BürgermeisterInnen, GemeinderätInnen, e5-Teammitglieder und weitere in der Gemeinde aktive Personen über den aktuellen Wissensstand im Bereich Klimawandel und die Anpassung daran informiert. Klimaschutzlandesrätin LHStvin Felipe zeigt sich erfreut über die ersten Ergebnisse aus dem Projekt: „Die zunehmende Anzahl an Hitzetagen, vermehrte Starkniederschläge, die Verlängerung der Vegetationsperiode und die Verschiebung von Heiz- zu Kühlgradtagen haben uns dazu bewogen, über dieses Projekt auf Ebene der Gemeinden ein Nachdenken und Handeln zu erwirken. In diesem Prozess wird auf die unterschiedlichen Fragestellungen aufgrund der unterschiedlichen Gegebenheiten in den Gemeinden eingegangen und diese vielfältigen Themen und Handlungsnotwendigkeiten individuell bearbeitet. Es freut mich, dass das Angebot in den Gemeinden so gut angenommen wird und neue Wege so offen diskutiert werden können.“ In ausführlichen Erstgesprächen wurde erhoben, in welchen Sektoren bei den Gemeinden bereits jetzt der Schuh drückt, oder wo der Klimawandel eventuell auch Vorteile mit sich bringen kann.

Von der Planung in die Umsetzung

Einige Gemeinden sind auch schon in die aktive Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen gegangen. In Pfunds werden beispielsweise Trinkwasserbrunnen erhalten oder gar neu angelegt. In Innsbruck begleitet jeden neu angelegten oder renovierten Straßenstreifen eine Baumzeile zur Verbesserung des Mikroklimas und Prägraten unterstützt als Bodenbündnisgemeinde den Schutz der wertvollen und nicht erneuerbaren Ressource Boden. Im Laufe der nächsten Wochen finden in allen Gemeinden Workshops statt in denen konkrete Umsetzungsmaßnahmen für die bereits identifizierten Sektoren entwickelt werden.

Details zu den teilnehmenden Gemeinden

Das Seniorenheim in Arzl im Pitztal wurde heuer bereits teilweise mit einem Kühlsystem aufgerüstet, sodass auch an heißen Sommertagen der Betrieb bestmöglich sichergestellt werden kann. Zusätzlich zeigen sich in der Almwirtschaft auf 1.000 Meter Seehöhe bis dahin noch nicht beobachtete Schädlinge und Insekten.

In Brixlegg ist unter anderem die Energieinfrastruktur vom Klimawandel betroffen, aber auch steigende Temperaturen und vermehrte Hitzetage zeigen sich verstärkt. Im Gebäudebereich sind daher entsprechende Maßnahmen gegen Überhitzung gefordert. Bei Seniorenheim und Neuer Mittelschule konnte durch gute Dämmung, Komfortlüftung und genügend mechanische und konstruktive Verschattung dem Überhitzungsproblem bislang gut ausgewichen werden. Bei der anstehenden Sanierung der Volksschule werden diese Aspekte ebenso berücksichtigt.

Galtür kann im Naturgefahrenmanagement auf viel Erfahrung zurückgreifen. Wildwasser- und Lawinenverbauung sind bereits weit fortgeschritten. Der seit Kurzem vorliegende Hochwasser-Gefahrenzonenplan soll auf Plausibilität geprüft und allenfalls notwendige Schutzmaßnahmen sollen umgesetzt werden. Aus Sicht der Forst- und Landwirtschaft werden mit Zunahme der Vegetationsperiode und Anstieg der Waldgrenze neue Chancen gesehen.

In Gnadenwald will man an der Verbesserung des Wildbach- und Lawinenschutzes arbeiten. Auch die im Ortsnamen enthaltenen Wälder müssen erst noch weiter klimafit umgebaut werden. Die Gemeinde muss sich weiters über eine zukunftstaugliche Trinkwasserversorgung Gedanken machen.

In Innsbruck sind Maßnahmen zur mittelfristigen Absicherung der Trinkwasserversorgung durch die IKB bereits in Planung. Sorgen bereitet der Landeshauptstadt der Hitzeinseleffekt: Innerstädtisch ist es an heißen Sommertagen stets zwei bis drei Grad wärmer als im Umland. Passivhäuser können hier Abhilfe schaffen, die vorbildliche Passivhausstrategie in Sanierung und Neubau öffentlicher Gebäude und im Wohnbau wird von der Stadt daher fortgesetzt.

Karrösten: Durch energieeffiziente Gemeindegebäude – Volksschule und Gemeindeamt sind bereits Niedrigstenergiegebäude – ist man im Gebäudebereich nicht nur vor kalten Wintern, sondern auch vor heißen Sommern gewappnet. Auch bei der anstehenden Entwicklung von Siedlungsgebieten spielt neben dem Heizen, auch die Sommertauglichkeit eine wichtige Rolle.

Pfunds kann auf ein bereits bestehendes Bewässerungssystem im Tal bauen und konnte den Ertrag im Grünland trotz Trockenheit im Sommer 2018 hochhalten. Um zukünftig auch in den höheren Lagen (z.B. in Pfunds/Greit und der Pfundser Tschey) die Erträge zu sichern, könnten die dort zugeschütteten Waale reaktiviert werden.

In den drei Gemeinden der Sonnenregion Hohe Tauern ist vor allem im Sektor Tourismus die Erhaltung des weitläufigen Wanderwegenetzes ein großes Problem, da Steinschlag und auftauender Permafrost diesem mehr und mehr zusetzen. Auch die Wasserverfügbarkeit auf Hütten und Almen gilt es langfristig sicherzustellen, sodass das steigende Potenzial des Sommertourismus (Sommerfrische) auch genutzt werden kann.

In Stams läuft seit fünf Jahren ein wissenschaftliches Projekt zur Untersuchung der Entwicklung und Vitalität bestimmter Baumarten, abhängig von klimatischen Bedingungen und deren Veränderungen im Gebirge. Die Resultate daraus können als Entscheidungsgrundlage für die Auswahl geeigneter Baumarten für die Zukunft dienen. Um die Trinkwasserversorgung in Zukunft noch besser abzusichern, möchte sich die Gemeinde intensiv mit den Veränderungen des möglichen Wasserdargebotes (auch hinsichtlich Grund- und Regenwassernutzung) auseinandersetzen.

Als erfolgreiche e5-Gemeinde setzt Wörgl schon lange auf Klimaschutz. Probleme könnten beim Mikroklima auftauchen. Die Verantwortlichen wollen Retentionsflächen zukünftig deshalb sinnvoll für die Kühlung der Stadt nutzen.