LH Platter: „Tiroler Wirtshäuser als Teil der Tiroler Identität erhalten“

Aktuelles aus der Regierungssitzung

Kategorien:  RegierungWirtschaft AutorIn: Bettina Sax
(v.li.): Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser, LHStvin Ingrid Felipe, LH Günther Platter und LR Johannes Tratter, die heute die Eckpunkte und Ziele des Tiroler Wirtshaus-Pakets präsentierten.
(v.li.): Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser, LHStvin Ingrid Felipe, LH Günther Platter und LR Johannes Tratter, die heute die Eckpunkte und Ziele des Tiroler Wirtshaus-Pakets präsentierten.
Bei der Pressekonferenz hoben (v.li.) Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser, LHStvin Ingrid Felipe, LH Günther Platter und LR Johannes Tratter die Bedeutung von Wirtshäuser unisono hervor.
Bei der Pressekonferenz hoben (v.li.) Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser, LHStvin Ingrid Felipe, LH Günther Platter und LR Johannes Tratter die Bedeutung von Wirtshäuser unisono hervor.

Während es im Jahr 2012 in Tirol noch 321 aktive Gasthäuser gegeben hat, waren es Ende 2018 nur noch 299. Dass viele traditionsreiche Wirtshäuser ihre Pforten für immer geschlossen haben, hat unter anderem mit der schwierigen Nachfolgefindung, hohen behördlichen Auflagen und fehlendem Eigenkapital für Investitionen zu tun. Um dem „Wirtshaussterben“ in Tirol effektiv entgegenzuwirken, hat LH Günther Platter bereits Ende August den Startschuss zur Erarbeitung eines Wirtshaus-Pakets gegeben. Es folgte ein Stammtisch mit WirtInnen aus ganz Tirol, bei dem sich der Landeshauptmann ein Bild davon machte, wo der größte Handlungsbedarf gegeben ist. Die Hinweise und Anliegen der WirtInnen sind in das Maßnahmen-Paket des Landes eingeflossen, welches die Tiroler Landesregierung heute auf gemeinsamen Antrag von LH Platter, Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf und Hochbaulandesrat Johannes Tratter beschlossen hat.

Neben der Änderung von Förderrichtlinien, wovon vor allem Wirtshaus-JungunternehmerInnen profitieren sollen, werden in Kooperation mit der Wirtschaftskammer erweiterte Beratungsleistungen angeboten, wie Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser bei der Pressekonferenz betonte. Auch die Bezirkshauptmannschaften nehmen künftig bei Bezirksanlagesprechtagen in ganz Tirol verstärkt ihre Unterstützungsfunktion wahr – auch ein einheitlicher Vollzug bei Betriebsanlagengenehmigungen steht im Fokus. Zudem werden vom Land durch Sachverständige und RechtsexpertInnen mögliche Erleichterungen für Gastgewerbebetriebe in baurechtlicher Hinsicht geprüft.

Wirtshaus-Übernahmen fördern, um Tiroler Identität zu erhalten

„Wenn traditionsreiche Gasthäuser im ländlichen und städtischen Raum verloren gehen, dürfen wir nicht tatenlos zusehen. Schließlich sind die Tiroler Wirtshäuser ein fixer Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenlebens und unserer Identität“, sagt LH Platter. Mit dem Maßnahmen-Paket des Landes soll vor allem der (Neu-)Start von Wirtshaus-UnternehmerInnen gefördert werden. Im Fokus stehen Klein- und Kleinstbetriebe. „Wir setzen an verschiedenen Hebeln an, um die Wirtshäuser insgesamt zu stärken. Ziel ist es, Übernahmen und Revitalisierungen zu fördern und bestehende Wirtshäuser vor dem Zusperren zu bewahren“, erklärt LH Platter. LHStvinIngrid Felipe verweist auf die Förderung von Nachhaltigkeit, die mit den Maßnahmen einhergeht: „Es werden jene Wirtshäuser unterstützt, die ein regionales Speise- und Getränkeangebot sowie eine gute Zusammenarbeit mit der örtlichen Produktionskette pflegen. Die Verarbeitung heimischer Lebensmittel von Landwirtinnen und Landwirten aus der Gegend fördert die regionalen Wirtschaftskreisläufe und reduziert gleichzeitig durch die kürzeren Transportwege den Verkehr.“

Günstige Darlehenszinsen und baurechtliche Prüfungen

Beim Förderschwerpunkt „Tiroler Wirtshäuser“ werden künftig höhere Darlehen zu geringeren Zinssätzen vergeben: „Die Nachfolge- und Übernahmefindung ist nicht zuletzt aufgrund der hohen Investitionen schwierig, die oftmals notwendig sind. Der Fokus liegt darauf, Betrieben für ihre Investitionen zinsgünstiges Kapital bereitzustellen – eine attraktive Finanzierungsmöglichkeit sowohl für JungunternehmerInnen und jene, die bereits einen Betrieb führen und wichtige Investitionen aufgeschoben haben“, ist Wirtschaftslandesrätin Zoller-Frischauf überzeugt. Das stärkt auch die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der Gemeinden, sagt LR Tratter: „Wirtshäuser sind für das Miteinander im Ort unerlässlich. Daher fördern wir auch jene Wirtshäuser, die als einzige im Ort übrig geblieben sind. Gleichzeitig habe ich die zuständigen Abteilungen beauftragt, mögliche Erleichterungen aus baurechtlicher Sicht zu prüfen. Eine wesentliche Erleichterung wird es bei älteren Gebäuden sowie Schutzhütten und bei Zubauten von beispielsweise Wintergärten und Gastterrassen geben.“

Unternehmensberatung bei Wirtshausübernahme

Während in allen Bezirken vonseiten der Bezirkshauptmannschaften Betriebsanlagensprechtage speziell für WirtInnen angeboten werden sollen, übernimmt ein Übernehmerservice bei der Standortagentur Tirol die Vernetzung zwischen Wirthaus-Übergebenden und -Übernehmenden. Beraten werden (Jung)UnternehmerInnen in Kooperation mit der WKO: „Das Maßnahmenpaket ist ein starkes Signal an die heimische Wirtschaft. Wir wollen nun entsprechende Kommunikationskanäle etablieren und den Übergabeprozess begleiten. Die Beratung in einer sehr frühen Phase einer möglichen Übernahme ist wichtig, um potenzielle Stolpersteine aus dem Weg zu räumen bzw. den Beteiligten Alternativen und Möglichkeiten aufzuzeigen“, sagt Wirtschaftskammerpräsident Walser. Wirthaus-JungunternehmerInnen können künftig bis zu 120 Stunden innerhalb von drei Jahren geförderte Beratungen in Anspruch nehmen.


Kurzmeldungen aus der Regierungssitzung

Campus Tirol: Das „Research Committee for Scientific and Ethical Questions UMIT und fhg“ (RCSEQ) hat in Tirol eine tragende Rolle zur Beurteilung von Forschung am Menschen, bei welcher sensible und personenbezogene Daten zum Einsatz kommen. Auf Antrag von LR Bernhard Tilg wurde heute deren weitere Förderung beschlossen: Im kommenden Jahr fließen 29.600 Euro in den Erhalt des Komitees. „Publikationen und Forschungsgelder werden vielfach nur nach ethischer Abklärung veröffentlich bzw. ausgeschüttet. Das RCSEQ entlastet damit die Ethikkommission der Medizinischen Universität und erhöht die Qualität der Forschungsarbeiten von UMIT und fhg“, ist LR Tilg überzeugt. Künftig soll außerdem an der verstärkten Qualitätssicherung sowie der regionalen Vernetzung gearbeitet werden.