Coronavirus: Après-Ski-Lokale in Ischgl werden geschlossen, Vorbereitungen für Grenzkontrollen laufen

Weitere Maßnahmen, um mögliche Virusverbreitung in Tirol bestmöglich zu unterbinden

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Mit aktuellem Stand gibt es in Tirol derzeit 30 bestätigte Coronavirus-Erkrankungen. Zwei erkrankte Personen sind bereits wieder vollständig genesen. Nach den heute, Dienstag, vonseiten der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen werden in Tirol entsprechende Vorbereitungen getroffen – LH Günther Platter, LHStvin Ingrid Felipe, Sicherheitsreferent LHStv Josef Geisler und Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg berichteten am späten Nachmittag über die aktuellen Entwicklungen.

„Nachdem sich im Laufe des Nachmittages fünf weitere positive Coronavirus-Fälle bestätigten, wovon vier nach derzeitigem Informationsstand in Zusammenhang mit Ischgl stehen, zeigt sich, dass die nun beschlossene Maßnahme wesentlich ist: Die BH Landeck und die Gesundheitsbehörden verständigten sich darauf, dass alle Après-Ski-Lokale in Ischgl umgehend geschlossen werden“, so LH Platter. Der reguläre Skibetrieb wird währenddessen bis auf weiteres aufrechterhalten.

Keine Verdachtsfälle bei Gesundheitschecks

Vor allem den vonseiten der Bundesregierung angekündigten Grenzkontrollen gilt derzeit größte Aufmerksamkeit: „Die durchgehenden Grenzkontrollen lösen ab ihrer voraussichtlich morgigen Umsetzung die Tiroler Gesundheitschecks ab. Aus gesundheitsbehördlicher Sicht dürfen nur Menschen mit ärztlichem Attest, das nicht älter als vier Tage ist, einreisen. Eine Durchreise ist möglich, jedoch nur ohne Halt in Österreich. Personen, die beispielsweise als am Coronavirus erkrankt gelten, werden abgewiesen“, berichtet LH Platter, dass HeimkehrerInnen sich hingegen für zwei Wochen häuslich isolieren müssen. Die Polizei prüft im Rahmen ihrer Grenzkontrollen auch, ob sich Personen legal über die Grenze bewegen und sich entsprechend ausweisen können – ist dies nicht der Fall, können sie zurückgewiesen werden.

Zudem gibt es ab sofort keine Züge und Flüge mehr aus Italien. Für Gesundheitskontrollen beim aus Italien einfahrenden Güterverkehr warte man derzeit auf die entsprechende Verordnung des Bundes, die noch heute erfolgen soll – ab morgen verkehrt die Rollende Landstraße ausschließlich auf der Strecke Wörgl-Brenner. „Das Mobilitätsbedürfnis der Tirolerinnen und Tiroler ist derzeit gesunken, die Bewegung am Brenner ist bereits um circa 40 Prozent zurückgegangen. Dennoch werden es einige Personen sein, die von den Einschränkungen im öffentlichen Verkehr betroffen sind. Wir sind dazu in enger Abstimmung mit den ÖBB sowie weiteren Systempartnern, um Pendlerinnen und Pendlern – beispielsweise des Wipptals – bestmögliche Alternativen anzubieten. So werden derzeit Schienenersatzverbindungen eingerichtet“, betont LHStvin Felipe, dass der Regional- sowie der innerösterreichische Verkehr von den bundesweiten Einschränkungen nicht betroffen sind.

Bei den Gesundheitschecks wurden heute ab 9 Uhr am Brenner allein bis 13 Uhr über 250 PKW kontrolliert. Dabei hat sich kein Verdachtsfall ergeben – dasselbe gilt für den kontrollierten Eurocity-Zug, wo es 120 Personen waren.

Zahlreiche Veranstaltungsabsagen auch in Tirol

Von den bundesweiten Vorgaben hinsichtlich der Veranstaltungen ist auch Tirol betroffen. Ab morgen, Mittwoch, sind alle Freiluft-Veranstaltungen mit über 500 TeilnehmerInnen sowie alle Veranstaltungen im Innenbereich mit über 100 Personen bis Anfang April abzusagen. Sportveranstaltungen können ohne ZuschauerInnen stattfinden. „Die Informationen hinsichtlich des Verwaltungsmanagements werden an die Gemeinden weitergeleitet – man ist bemüht, auf alle Fragen bestmöglich einzugehen. Es wird professionell zusammengearbeitet und die Bevölkerung kann sich sicher sein, dass die Fäden unter Einsatzleiter LH Platter hier in guten Händen sind“, so LHStv Geisler, der auch auf die Frage der Lebensmittelversorgung in Tirol einging: „Tirol zeichnet dich durch eine starke regionale Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft aus.“

Maßnahmen in Gesundheitseinrichtungen

LR Tilg wies zudem darauf hin, dass es auch bei Besuchen von erkrankten Angehörigen bzw. Personen in Krankenhäusern zu Vorsichtsmaßnahmen kommt: „In engster Abstimmung zwischen der Landeseinsatzleitung, der Landessanitätsdirektion sowie den Tirol Kliniken gilt es, die Besuche auf ein Minimum zu beschränken. Wir ersuchen die Tiroler Bevölkerung, dies zu berücksichtigen – schließlich geht es um den Schutz von betagten und kranken Personen, für die das Coronavirus schwerwiegende Folgen haben kann. Unser Ziel muss es sein, die Spitäler virusfrei zu halten.“ Derzeit werden die entsprechenden operativen Schritte vonseiten der Tirol Kliniken vorbereitet und voraussichtlich morgen im Laufe des Tages umgesetzt.

 


Coronavirus: Fünf weitere positive Fälle in Tirol

Gesundheitsberatung 1450 kontaktieren, sofern Falldefinition erfüllt und Symptome vorhanden sind

 Heute, Dienstagnachmittag, bestätigten sich fünf weitere positive Coronavirus-Erkrankungen in Tirol. Das zeigen die Testergebnisse infolge der Abstrichproben des Virologischen Instituts in Innsbruck. Konkret handelt es sich um zwei Männer in Ischgl: Eine Person hielt sich in der mittlerweile behördlich gesperrten Bar – dem „Kitzloch – auf, die andere Person gilt als enge Kontaktperson zu einer am Coronavirus erkrankten Person. Ebenfalls im „Kitzloch“ aufgehalten hat sich ein 21-Jähriger aus Pfunds, der positiv getestet wurde. Darüber hinaus ist auch eine 44-jährige Frau aus See erkrankt, die sich ebenso in Ischgl aufgehalten hat und Kontakt zu einem Gast des "Kitzloches" hatte. Die positiv Getesteten weisen milde Symptome auf.

Darüber hinaus wurde ein weiterer Fall in Folge der Erasmus-StudentInnen-Feier am 2. März in Innsbruck bekannt: Eine 30-Jährige Frau aus Innsbruck besuchte die Veranstaltung und ist nun am Virus erkrankt.

„Die behördlichen Abklärungen in allen fünf Fällen laufen auf Hochtouren. Wir sind nun wieder dabei, ein umfassendes Kontaktpersonenmuster zu erstellen, um Personen aus dem Umfeld gegebenenfalls schnellstmöglich über die Erkrankungen zu informieren. Abhängig von der Intensität des Kontaktes werden enge Kontaktpersonen anschließend 14 Tage isoliert – nicht enge Kontaktpersonen werden angehalten, ihren Gesundheitszustand für die kommenden zwei Wochen genau zu beobachten und sich gegebenenfalls umgehend telefonisch bei den entsprechenden Stellen zu melden“, sagt Landessanitätsdirektor Katzgraber.

Ausschließlich bei Symptomen und Falldefinition 1450 wählen

Zudem appelliert der Landessanitätsdirektor an die Bevölkerung: „Wir begrüßen es, dass sich die Bevölkerung informieren will und für das Coronavirus sensibilisiert ist. Dennoch ist es wichtig, dass die Ressourcen für jene zur Verfügung stehen, die sie benötigen – die Leitstelle zählt mittlerweile rund 600 Anrufe innerhalb von 24 Stunden. Das ist eine Herausforderung. Deswegen gilt: Es sollen sich ausschließlich Personen an die 1450 wenden, die grippeähnliche Symptome aufweisen und und in den letzten 14 Tagen in einer betroffenen Krisenregion aufhältig waren oder zu einer am Coronavirus erkrankten Person Kontakt hatte“, betont Katzgraber. „Wer laut dieser Definition nicht als Verdachtsfall gilt, kann auf regulärem Weg eine Ärztin bzw. einen Arzt aufsuchen bzw. sich an die HausärztInnen wenden. Ich bitte die Bevölkerung mit der nötigen Umsicht, Ruhe und Verantwortung zu handeln“, sagt Katzgraber. Zudem ergaben indes die Erhebungen, dass es sich bei dem am Samstag positiv getesteten 36-Jährigen Barkeeper aus Ischgl um einen deutschen Staatsbürger mit norwegischem Namen handelt.