Gemeinsames Fastenbrechen im Landhaus

Tirols Integrationslandesrätin lud ReligionsvertreterInnen zum Iftar-Essen.

Kategorien: LRin Fischer, Veranstaltungen, Soziales AutorIn: Iris Reichkendler
Hülya Ekinci von der Islamischen Religionsgemeinde und Zekirija Sejdini, Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Innsbruck mit Tirols Integrationslandesrätin Gabriele Fischer beim Fastenbrechen im Landhaus.
Hülya Ekinci von der Islamischen Religionsgemeinde und Zekirija Sejdini, Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Innsbruck mit Tirols Integrationslandesrätin Gabriele Fischer beim Fastenbrechen im Landhaus.

Jeden Tag ganz bewusst die Türen zu öffnen, Familie und Freunde einzuladen, andere Menschen teilhaben zu lassen an dem, was einem geschenkt ist. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil des Iftar-Essens während des muslimischen Fastenmonats Ramadan. Dieser begann heuer am 16. Mai und auch die ca. 40.000 Muslime in Tirol verzichten in dieser Zeit aus religiösen Gründen zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang auf Nahrung. Am Abend darf wieder gegessen werden, was traditionell mit dem Fastenbrechen, dem Iftar-Essen, zelebriert wird.

„Die Fastenzeit im Monat Ramadan ist eine der fünf Säulen des religiösen Lebens aller Menschen muslimischen Glaubens. Auch das Christentum kennt die Fastenzeit. Sie hat andere Vorschriften, doch das Grundlegende ist gemeinsam: Fasten wird als Zeit der inneren Einkehr verstanden“, betont Tirols Soziallandesrätin Gabriele Fischer, die gemeinsam mit der Stadt Innsbruck Tiroler Muslimas und Muslime, aber auch Vertreterinnen und Vertreter aller anderen Religionsgemeinschaften zu einem gemeinsamen Fastenbrechen ins Landhaus lud.

„Die christliche Fastenzeit wie auch der muslimische Ramadan lassen uns sehr unmittelbar erfahren, dass Verzicht ein Gewinn sein kann: Der Verzicht bzw. ‚das Weniger‘, macht oftmals erst die Konzentration auf das Wesentliche möglich, öffnet den Blick für vieles, was sich sonst der Wahrnehmung entzieht“, ist LRin Fischer überzeugt.

„Fasten macht uns unsere eigene Existenz bewusst, man erkennt die eigene Schwäche“, betont auch Hülya Ekinci von der Islamischen Religionsgemeinde. „Es ist ein ständiger Kampf mit sich und dem eigenen Ego, das nur auf die Befriedigung des Selbst aus ist und damit die Entfaltung des Menschen verhindert. Doch Fasten um des Fastens willen ist kein richtiges Fasten – es ist nur dann richtig, wenn es uns gütiger macht“.

Auch Zekirija Sejdini, Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Innsbruck, sieht im Fasten mehr als den bloßen Nahrungsentzug: „Wir nähern uns Gott nicht nur durch das Fasten, sondern auch durch die Selbstreflexion. Dadurch bewirken wir eine spirituelle Sättigung, die nicht nur auf den Ramadan begrenzt ist, die nicht nur auf muslimische Menschen zutrifft, sondern auf alle Menschen, ob gläubig oder nicht. Nur so kann die Kultivierung des Friedens und ein respektvolles Miteinander erreicht werden“.

Gleichzeitig lässt das tägliche Fastenbrechen durch das Innehalten im Gebet und die gemeinschaftlich eingenommene Mahlzeit ein schönes Gefühl des Gemeinsamen entstehen. „Es ist für das gute Miteinander in einer Gesellschaft nicht wichtig, ob sich jemand einer Glaubensgemeinschaft zugehörig fühlt beziehungsweise welcher Religionsgemeinschaft er oder sie angehört. Wichtig ist, wie wir miteinander umgehen und dass wir es immer wieder aufs Neue schaffen, uns in unserer Verschiedenheit und Einzigartigkeit zu akzeptieren“, so LRin Fischer abschließend.