LH Platter: „Tirol erhält maßgeschneiderte Fachkräfteförderung“

Aktuelles aus der Regierungssitzung

Kategorien:  Regierung Arbeit & Wirtschaft AutorIn: Bettina Sax
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(v.li.): Anton Kern (Geschäftsführer Arbeitsmarktservice Tirol), Christoph Walser (Präsident Wirtschaftskammer Tirol), LRin Patrizia Zoller-Frischauf, LHStvin Ingrid Felipe, LH Günther Platter, LRin Beate Palfrader, Erwin Zangerl (Präsident Arbeiterkammer
(v.li.): Anton Kern (Geschäftsführer Arbeitsmarktservice Tirol), Christoph Walser (Präsident Wirtschaftskammer Tirol), LRin Patrizia Zoller-Frischauf, LHStvin Ingrid Felipe, LH Günther Platter, LRin Beate Palfrader, Erwin Zangerl (Präsident Arbeiterkammer Tirol) und Roland Teißl, Lehrlingskoordinator des Landes Tirol, der bei der Ausarbeitung des Tiroler Konzepts für die Berufsorientierung beteiligt ist.

Die Lehre als attraktiven und chancenreichen Ausbildungsweg positionieren und das Bewusstsein für die Bedeutung von Fachkräften stärken: „Mit diesen Zielen vor Augen haben wir mit der Fachkräfteoffensive und der Gründung der Fachkräfteplattform Tirol bereits seit 2015 erste Schritte gesetzt, um den Defiziten am Tiroler Fachkräftemarkt effektiv entgegen zu treten. Heute haben wir weitere Maßnahmen beschlossen: Wir initiieren eine für Tirol maßgeschneiderte Fachkräfteförderung, die ein eigens entwickeltes Konzept für die Berufsorientierung als auch weitere Initiativen zur Imagestärkung beinhaltet. Wir antworten auf regionale Herausforderungen mit regionalen, zielgerichteten Maßnahmen. Land Tirol und Sozialpartner ziehen hier an einem Strang“, berichtete LH Günther Platter heute, Dienstag, im Anschluss an die Sitzung der Fachkräfteplattform sowie der Tiroler Landesregierung.

Berufsorientierung und Fachkräftecheck im Fokus

„Bei einer Befragung von über 4.700 Schülerinnen und Schülern zeigte sich, dass die Berufsorientierung an Tirols Pflichtschulen für die Berufswahl wesentlich ist – die Lehre wird grundsätzlich positiv bewertet. Damit die jungen Menschen eine gute Basis für die Wahl ihrer weiteren Laufbahn erhalten, bauen wir das Projekt ‚Berufsorientierung – Tiroler Modell‘ aus“, verweist LRin Beate Palfrader darauf, dass die Grundlage für eine qualitätsvolle Berufsorientierung bereits im Rahmen des Schulgütesiegels „Berufsorientierung“ geschaffen wurde.

Ziel des neuen Konzepts ist es, landesweit einheitliche Standards zu etablieren. Dazu zählt ein entsprechender Materialienpool – ausgearbeitet von Tiroler BildungsexpertInnen – ebenso wie die verstärkte Zusammenarbeit mit Sozialpartnern und die Fort- und Weiterbildung des Lehrpersonals. Im Mittelpunkt stehen standardisierte, kostenlose Interessenschecks, um individuelle Fähigkeiten im Rahmen eines Orientierungsgespräches zu erörtern. Ab dem Schuljahr 2019/2020 wird dies verpflichtend für SchülerInnen der siebten Schulstufe, im kommenden Jahr sind dies rund 7.200 SchülerInnen, zum Einsatz kommen

„Gleichzeitig gilt es, die kleinen und mittleren Unternehmen in Tirol, welche zwei Drittel der Erwerbstätigen in Tirol beschäftigen, für Fachkräfte noch attraktiver zu machen. In Zusammenarbeit mit dem WIFI Tirol werden bei ‚Fachkräftechecks‘ die Unternehmenskultur, Anreizsysteme oder interne Kommunikation analysiert und entsprechend einer optimalen Personalförderung adaptiert“, erklärt LRin Patrizia Zoller-Frischauf. Zudem werden gemeinsam mit dem AMS Tirol im Rahmen des „Impuls-Qualifizierungsverbundes Digitalisierung“ Maßnahmen gefördert, um das Personal bestmöglich im Sinne des digitalen Wandels einzusetzen. Dabei schließen sich Unternehmen zusammen und bieten ihren Fachkräften aller Generationen Schulungen und Beratungen an.

Fachkräfte und Migration

Neben der Berufsorientierung und der Unterstützung für Unternehmen brauche es aber auch politische Entscheidungen wie LHStvin Ingrid Felipe ausführt: „Wir haben bei der letztwöchigen Enquete 'Asylwerbende in der Lehre' gemeinsam mit der Wirtschaftskammer, Sozial- und Integrationsvereinen festgestellt, dass dringender Handlungsbedarf bei der Ermöglichung des Aufenthalts besteht. Dies ist nicht nur aus wirtschaftlicher Perspektive notwendig – ist doch die Lehre in Mangelberufen eine der wenigen Beschäftigungsmöglichkeiten für Asylwerbende – sondern auch aufgrund der beruflichen und sozialen Integration.“

Qualität vom Lehreinstieg bis zur Abschlussprüfung

„Schlussendlich geht es auch darum, die Qualitätssicherung während der gesamten Ausbildung – vom Einstieg bis zur Lehrabschlussprüfung – zu stärken“, sagte LRin Palfrader. Dazu gehört unter anderem ein „Kompetenzcheck zur Mitte der Lehrzeit“, welcher im Rahmen eines Pilotprojektes beim Lehrberuf FriseurIn/StylistIn gestartet werden soll, ebenso wie die gezielte Abstimmung der prüfungsrelevanten Themengebiete zwischen der Prüfungskommission und den Lehrpersonen. Auch ein digitaler Ausbildungsnachweis, bei welchem der Ausbildungsverlauf analysiert und reflektiert werden kann, ist in Planung.

„Tag der Lehre“ und bewusstseinsbildende Maßnahmen

„Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass die Zahl der Lehranfängerinnen und Lehranfänger zurückgeht bzw. stagniert. Dabei liegt das Problem nicht an der Absolventenzahl, sondern am Image der Lehre – dort setzen wir den Hebel an. Besonders wichtig ist es, neben den Jugendlichen vor allem die Eltern davon zu überzeugen, dass mit einer Lehre alle Türen offenstehen“, so LH Platter. Dazu zählen Aktionstage wie der „Tag der Lehre“, welcher im kommenden Jahr am 24. Jänner 2019 in der Messe Innsbruck stattfindet. „Es braucht in der Gesellschaft die Überzeugung, dass die ‚Karriere mit Lehre‘ mehr als je zuvor ein chancenreicher und zukunftssicherer Weg ist“, sagte LH Platter. Der „Tag der Lehre“ ist mit über 5.000 BesucherInnen – vorwiegend Jugendliche – und über 30 Berufen, die vorgestellt werden, mittlerweile Österreichs größte Lehrlingsmesse. Insgesamt sollen für die bewusstseinsbildenden Maßnahmen 150.000 Euro investiert werden.

Über die Fachkräfteplattform

Im Jahr 2015 initiierte die Tiroler Landesregierung die Tiroler Fachkräfteoffensive, um negativen Entwicklungen am Fachkräftemarkt entgegen zu treten. Neben der Etablierung eines Lehrlingskoordinators, Roland Teißl, richtete die Landesregierung im Zuge dieser Maßnahme im Jahr 2016 auch eine eigene Fachkräfteplattform ein, welcher die Sozialpartner als maßgebliche Einrichtungen des Tiroler Arbeitsmarktes angehören: Land Tirol, Landesschulrat für Tirol (LSR), Arbeiterkammer Tirol (AK), Wirtschaftskammer Tirol (WK), Industriellenvereinigung (IV) und Arbeitsmarktservice Tirol (AMS). Das gemeinsame Ziel: Lust auf Lehre machen und die Lehrlingsmaßnahmen koordinieren und steuern.


STATEMENTS

Christoph Walser, Präsident Wirtschaftskammer Tirol:

„Wir haben heute einmal mehr über die zukünftige Zusammenarbeit der Sozialpartner hinsichtlich der Themen Lehre und Bildung gesprochen. Im Vordergrund steht nun, dass alle Sozialpartner die Kräfte bündeln, um die Lehre noch weiter voranzubringen. Die Initiativen gehen in die richtige Richtung.“

Erwin Zangerl, Präsident Arbeiterkammer Tirol:

„Entscheidend ist es, dass die Schülerinnen und Schüler für die Lehre begeistert werden. Heute ist ein guter Tag für die Lehre und die Sozialpartnerschaft: Gemeinsam mit dem Land Tirol wird an einer Zukunftsstrategie zur Förderung der Lehre gearbeitet. Gleichzeitig ist es ein guter Tag für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Zusammen werden wir einiges weiterbringen.“

Anton Kern, Geschäftsführer Arbeiterkammer Tirol:

„Die Zusammenarbeit der Fachkräfteplattform ist ganz wesentlich. Dass es für die Berufswahl, die an sich als Prozess zu sehen ist, nun auch zusätzliche Instrumente wie den Interessenscheck oder die Initiativen an den AHS gibt, begrüße ich. Auch die gemeinsame Finanzierung des ‚Impuls-Qualifizierungsverbundes Digitalisierung‘ ist ein Beispiel für die gute Zusammenarbeit innerhalb der Fachkräfteplattform.“

 


FACTBOX: Fachkräfte in Tirol

Kosten und Fortführung Sonderprogramme

Die Gesamtkosten für das Projekt „Berufsorientierung – Modell Tirol“ betragen rund 68.000 Euro, die Fachkräfteanalyse wird mit 39.200 Euro seitens des Landes gefördert.

Zudem beschloss die Tiroler Landesregierung die Sonderprogramme „Fachabschlussbeihilfe“, bei welchem (sofern die Kurskosten vom AMS Tirol finanziert werden) die Lebenserhaltungskosten gefördert werden und das Sonderprogramm „Fachkräfteförderung“, bei welchem das Land einen Beitrag zu Ausbildungskosten (sofern ein Fachkräftestipendium des AMS gewährt wird) fortzuführen. Auch die „Fahrtkostenhilfe“ wird weiterhin gefördert.

Aktuelle Lehrlingszahlen (Stand 31. Dezember 2017)

In Tirol sind insgesamt 10.725 Lehrlinge in Ausbildung. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Zunahme von 0,2 Prozent.

Die Zahl der LehranfängerInnen hat sich im Vergleich zum Vorjahr mit 3.348 Personen um 0,4 Prozent erhöht.

Die beliebtesten Lehrberufe sind Einzelhandel mit 1.429, Metalltechnik mit 1.001 und Elektrotechnik mit 915 Lehrlingen.

Größter Lehrlingsausbilder ist mit 5.293 Lehrlingen das Gewerbe und Handwerk, gefolgt von den Sparten Handel (1.659 Lehrlinge), Industrie (1.295 Lehrlinge) und Tourismus (1.142 Lehrlinge).

Aktuelle Lehrlingsinitiativen

  • Flächendeckende Berufs- und Schullaufbahnorientierung (Interessencheck mit nachfolgendem Orientierungsgespräch) für alle Schülerinnen und Schüler der 7. Schulstufe ab dem Schuljahr 2019/20.
  • Neue Lehrberufe in Tirol: Speditionskaufmann/Speditionskauffrau (seit 2018)
  • Tag der Lehre am 24. Jänner 2019

Umgesetzt wurden unter anderem Projekte wie „Lehre für MaturantInnen“ sowie die Vermittlung von Zusatzqualifikationen an den Tiroler Fachberufsschulen.

Umfrage „Berufsorientierung und Berufswahl“

Bei einer quantitativen Erhebung wurden 4.700 Tiroler FachberufsschülerInnen mittels eines Onlinefragebogens befragt. Ziel der Befragung war es, die Einflussfaktoren für die Wahl eines Lehrberufs zu evaluieren. Einige Ergebnisse der Studie:

  • Nach dem Lehrabschluss wollen 74 Prozent der SchülerInnen im Betrieb bzw. im erlernten Beruf bleiben. 47 Prozent der Lehrlinge geben an, sich beruflich weiterbilden zu wollen und 21 Prozent wissen noch nicht, was sie nach dem Abschluss machen.
  • 45 Prozent der Befragten würden sicherlich wieder eine Lehre beginnen, 29 Prozent eventuell.
  • 92 Prozent der Befragten blicken zuversichtlich in ihre berufliche Zukunft, 83 Prozent sehen sich gut vorbereitet auf die Arbeit und für 76 Prozent hat die Ausbildung das Interesse am Beruf nochmals gestärkt.
  • Die Befragung zeigt, dass für 81 Prozent der SchülerInnen die Lehre als angesehen gilt. Dementsprechend stimmen auch 91 Prozent der Befragten zu, dass ihnen der Lehrabschluss gute Jobchancen eröffnet.
  • Für 80 Prozent der Befragten war die Berufsorientierung an der Polytechnischen Schule hilfreich – am wenigsten hilfreich war diese in der AHS-Unterstufe sowie an weiterführenden Schulen.