LH Platter: „Tiroler Bevölkerung kann sich nach Hochwasser auf Unterstützung des Landes verlassen“

Aktuelles aus der Regierungssitzung

Kategorien:  Sicherheit Einsatzorganisationen Lawinen/Muren/Hochwasser Regierung AutorIn: Bettina Sax
Bilanz der vergangenen Tage und Blick auf Hochwasserschutz in Tirol (v,li.): LHStvin Ingrid Felipe, LH Günther Platter, LHStv Josef Geisler und Bernd Noggler, Geschäftsführer der Leitstelle Tirol.
Bilanz der vergangenen Tage und Blick auf Hochwasserschutz in Tirol (v,li.): LHStvin Ingrid Felipe, LH Günther Platter, LHStv Josef Geisler und Bernd Noggler, Geschäftsführer der Leitstelle Tirol.

Schneeschmelze und lokale Gewitter haben in der vergangenen Woche die Pegel von Bächen und Flüssen – vor allem jene entlang des Inns – ansteigen lassen. Im Anschluss an die Regierungssitzung zogen LH Günther Platter, LHStv Josef Geisler, LHStvin Ingrid Felipe und Bernd Noggler, Geschäftsführer der Leitstelle Tirol, vor Ort in der Leitstelle Bilanz. „Tirol ist auf solche Situationen gut vorbereitet, wie das hervorragende Zusammenarbeiten aller Beteiligten, von den Einsatzkräften bis hin zu den Expertinnen und Experten, zeigte. Im Namen der gesamten Tiroler Landesregierung danke ich allen, die ihren Einsatz in den vergangenen Tagen in den Dienst der Gemeinschaft und Sicherheit stellten und unermüdlich geholfen haben“, betonte LH Platter. Nach solchen Naturereignissen zähle vor allem eines: „Die rasche und unbürokratische Hilfe. Die Tirolerinnen und Tiroler können sich darauf verlassen, dass sie bei Schadensfällen infolge solcher Ereignisse vonseiten des Landes unterstützt werden“, heben LH Platter und LHStvin Felipe hervor. Die Schäden infolge des Hochwassers belaufen sich nach derzeitigen Schätzungen auf fünf bis sieben Millionen Euro. „Wir haben beschlossen, dass wir die notwendigen finanziellen Mittel aus dem Landeskatastrophenfonds bereitstellen, um private Elementarschäden sowie Schäden, die im Verantwortungsbereich der Gemeinden liegen, rasch zu beheben“, berichtet LH Platter.

Konkret wird, analog zu früheren Katastrophenereignissen, eine Beihilfe in der Höhe von 50 Prozent des jeweils anerkannten Schadens seitens des Landes gewährt. Davon sind 50 Prozent als Soforthilfe des geschätzten Schadens anzusehen.

Bis zu zwei Millionen Euro Schaden durch Ernteausfall

Vom Innhochwasser überflutet wurden ausschließlich landwirtschaftliche Flächen. „Nach derzeitigen Schätzungen dürften sich die Kosten für den Ertragsausfall der überschwemmten landwirtschaftlichen Flächen – insgesamt rund 500 Hektar – auf 1,6 bis zwei Millionen Euro belaufen“, berichtet LHStv Geisler. Ein Gutteil der betroffenen Flächen insbesondere im Gemüse und im Maisbereich dürfte versichert sein. Sind die landwirtschaftlichen Flächen durch Material oder Schlamm verunreinigt, greift der Katastrophenfonds. Siedlungs- und Gewerbegebiete waren vom Innhochwasser nicht betroffen. Schäden sind hier aufgrund des hohen Grundwasserspiegels, welcher zu Kellerüberflutungen führte, zu verzeichnen.

Hochwasserschutz hat sich bewährt

Die bestehenden Hochwasserschutzmaßnahmen haben sich bei der vergangenen Hochwassersituation jedenfalls bewährt. „Einen positiven Einfluss auf den Wasserrückhalt hatten bei diesem Ereignis die großen Speicherkraftwerke“, hebt LHStv Geisler hervor. „Um Siedlungs- und Gewerbegebiete auch künftig wirksam vor Hochwasserereignissen am Inn zu schützen, braucht es zusätzliche Schutzmaßnahmen – und zwar sowohl im Oberland als auch im Unterland.“ Aktuell sind drei gemeindeübergreifende Hochwasserschutzprojekte entlang des Inn in Schönwies/Mils/Imst und Imsterberg sowie im Unteren und im Mittleren Unterinntal in Bearbeitung. Auch in Zams gibt es ein Schutzprojekt. Insgesamt werde beim Hochwasserschutz auch nachhaltig gedacht, wie LHStvin Felipe am Beispiel „der Inn“ erläutert: „Wir wollen dem Inn wieder mehr Raum geben, die Mündungsbereiche der Zubringerflüsse revitalisieren und dadurch den ökologischen Zustand im Einklang mit dem Hochwasserschutz verbessern. Wichtig sind stets präventive zielgerichtete Maßnahmen, um Folgekosten zu minimieren.“

Zur Umsetzung gemeindeübergreifender Hochwasserschutzprojekte braucht es Wasserverbände. Dieser wurde im Unteren Unterinntal bereits gegründet. Im Mittleren Unterinntal soll die Gründung im Herbst erfolgen.

Leitstelle Tirol verzeichnete 2.900 Einsätze

3.300 Alarmierungen und 2.900 Einsätze zählte die Leitstelle von Mittwoch bis Donnerstag vergangener Woche. „Angesichts der besonderen Situation haben wir die Dienstmannschaft auf 35 Personen am Tag verdoppelt – auch während der Nacht waren mehr Plätze besetzt. Gleichzeitig waren wir unterstützend für die Einsatzleitungen tätig und haben das reguläre Alltagsgeschäft abgewickelt. Durch die gute Zusammenarbeit aller haben wir die Situation insgesamt gut gemeistert“, so Bernd Noggler.

Zusammenfassend betont LH Platter: „Die aus den vergangenen Tagen gewonnen Erfahrungen und Erkenntnisse werden wir mit den Gefahrenzonenplänen abgleichen – für den bestmöglichen Schutz der Tirolerinnen und Tiroler.


Zahlen, Daten, Fakten

Pegelspitzen

Magerbach: 561 cm (Bereich 50-jährliches Hochwasser)

Inn bei Innsbruck: 632 cm (Bereich 50-jährliches Hochwasser)

Inn bei Rotholz: 500 cm (Bereich 30-jährliches Hochwasser)

Inn bei Brixlegg: 534 cm (Bereich 10- bis 20-jährliches Hochwasser)

Gemeinden, in denen der Inn über die Ufer getreten ist:

Prutz (durchnässte Dämme), Oberhofen (durchnässte Dämme), Kolsass, Terfens, Buch, Münster und Reith.

500 Hektar landwirtschaftliche Flächen überflutet, davon 150 Hektar Gemüse, 300 Hektar Grünland und 40 Hektar Mais.

Drei gemeindeübergreifende Hochwasserschutzprojekte:

• Hochwasserschutzprojekt Schönwies, Mils, Imst und Imsterberg mit Retentionsräumen im Gemeindegebiet von Schönwies, Mils bei Imst und Imst.

• Hochwasserschutzprojekt Unteres Unterinntal mit drei optimierten Retentionsräumen in Kramsach/Voldöpp, Radfeld/Kundl und Angath.

• Hochwasserschutzprojekt Mittleres Unterinntal mit einer Variante mit vier optimierten Retentionsräumen in Schwaz/Buch, Stans/Jenbach, Rotholz und Münster

Hochwasserschutz Unterinntal

• Unteres Unterinntal 2.000 Gebäude, 160 Hektar Bauland

• Mittleres Unterinntal 1.500 Gebäude, 100 Hektar Bauland


Kurzmeldungen aus der Regierungssitzung

Landespreis für Wissenschaft: Die Auszeichnung wird der Schlafforscherin Birgit Högl verliehen. „Die Universitätsprofessorin hat das Gebiet der Schlafforschung in Innsbruck maßgeblich aufgebaut und dafür gesorgt, dass Innsbruck auf diesem Forschungsgebiet internationale Anerkennung genießt“, hebt LRin Beate Palfrader hervor, dass innerhalb der Jury Einstimmigkeit herrschte, dass Högl mit ihrer Forschungstätigkeit maßgeblich zur Stärkung des Wissenschaftsstandortes und zur überregionalen Strahlkraft der Medizinischen Universität Innsbruck beiträgt. Birgit Högl ist Autorin von zahlreichen einschlägigen wissenschaftlichen Publikationen und wurde im Jahr 2018 zur Präsidentin der internationalen Gesellschaft für Schlafforschung gewählt. Unter ihrer Leitung wurde zudem das Schlaflabor der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck als erstes europäisches Quality Care Center für das „Restless Legs Syndrom“ ausgezeichnet. Der Landespreis für Wissenschaft wird am 8. Oktober 2019 von Landesrat Bernhard Tilg verliehen.

Sonderförderungsprogramm Pitztal und Naturpark Lechtal-Reutte: Für den Planungsverband „Pitztal“ werden auf Antrag von LH Günther Platter rund 232.000 Euro bereitgestellt. Zudem gibt es im Rahmen des Infrastrukturförderungsprogrammes 32.500 Euro. Weiters werden für die Naturparkregion Lechtal-Reutte über 288.000 Euro bereitgestellt. „Mit den Sonderförderungsprogrammen stärken wir die regionale Wirtschaft als auch den örtlichen Tourismus. Solche Programme sind maßgeblich, um den Standort Tirol ganzheitlich und kontinuierlich zu stärken“, betont LH Platter. Konkret werden die Gelder unter anderem zur Aufrechterhaltung betrieblicher Wettbewerbsfähigkeit verwendet, wovon auch kleine Beherbergungsbetriebe, PrivatvermieterInnen und Gastronomiebetriebe profitieren. Aber auch Klein- und Mittelbetriebe außerhalb des Tourismus erhalten Teile dieser Förderung.

Leistungsbeurteilung im Amt der Tiroler Landesregierung: Seit fünf Jahren können MitarbeiterInnen im Landesdienst, die sich im neuen Besoldungssystem befinden, für außergewöhnlich positive Leistungen belohnt werden. „Nach Rücksprache mit Führungskräften, unserer Personalvertretung und einzelnen MitarbeiterInnen wird das Beurteilungssystem adaptiert und verbessert“, erklärt LH Günther Platter, dass „eine faire, transparente und unbürokratische Leistungsbeurteilung wichtig ist. Wer gute Leistung erbringt, soll dafür auch entsprechend belohnt werden.“ Vor allem das persönliche Gespräch sowie der Blick auf vergangene bzw. erfüllte sowie künftige Erwartungen gelten als Basis für die Beurteilung.