Umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen für wohnungslose Menschen

Hilfsstrukturen rund um die Uhr sowie ein Angebot speziell für Frauen und ihre Kinder

AutorIn: Iris Reichkendler
LRin Fischer mit Bgm Georg Willi (rechts) und TSD-Geschäftsführer Johann Aigner präsentieren das Kältetelefon.
LRin Fischer mit Bgm Georg Willi (rechts) und TSD-Geschäftsführer Johann Aigner präsentieren das Kältetelefon.
LRin Gabriele Fischer erläutert gemeinsam mit TSD-Geschäftsführer Johann Aigner die Neuerungen im Angebot für wohnungslose Menschen.
LRin Gabriele Fischer erläutert gemeinsam mit TSD-Geschäftsführer Johann Aigner die Neuerungen im Angebot für wohnungslose Menschen.

Land Tirol, Stadt Innsbruck und die Tiroler Soziale Dienste GmbH (TSD) haben ein umfangreiches Unterstützungspaket für wohnungslose Menschen geschnürt. „Dieses Angebot umfasst Notschlafstellen, eine niederschwellige Kontakt- und Anlaufstelle für alkoholkranke Menschen, eine ‚Kälte-Hotline‘ und eine Einrichtung für obdachlose Frauen“, fasst Soziallandesrätin Gabriele Fischer zusammen. In enger Koordination wurden damit Strukturen geschaffen, damit betroffene Menschen sowohl zu Tages- als auch Nachtzeiten einen geschützten Raum vorfinden. „Das Problem von Wohnungslosigkeit ist ein tirolweites, wobei dies in Städten und Ballungsräumen besonders sichtbar ist. Zudem tendieren wohnungslose Menschen in die Stadt, wo es viele gut ausgebaute niederschwellige Angebote und Einrichtungen gibt. Die enge Zusammenarbeit zwischen der Stadt Innsbruck und dem Land Tirol bei Hilfsleistungen für die betroffenen Personen war mir daher besonders wichtig und hat Früchte getragen“, betont LRin Fischer und bedankt sich ausdrücklich bei Vizebürgermeister Franz X. Gruber. Regionale Angebote wie die Notschlafstellen in Lienz, Kufstein und im Oberland entlasten zusätzlich des breite Angebot der Landeshauptstadt, ergänzt LRin Fischer.

Winternotschlafstellen und ganzjährige Notschlafstelle

Die TSD-Winternotschlafstellen am Innsbrucker Schusterbergweg sowie in Lienz, Kufstein und im Oberland öffnen mit 1. November ihre Pforten und sind bis April geöffnet. „Ein Teil der Notschlafstelle Schusterbergweg wird mit geringerer Kapazität ganzjährig geführt“, berichtet TSD-Geschäftsführer Johann Aigner. Hinzu kommt noch eine Winternotschlafstelle im Tiroler Oberland, dort wird ein Alternativstandort für Imst gesucht. Eine Evaluation des vergangenen Winters hat ergeben, dass der Standort dort auch aufgrund der fehlenden ÖPNV-Anbindung nicht optimal war. „Im letzten Winter haben an einigen Nächten über 100 Personen in den Tiroler Winternotschlafstellen übernachtet“, so Aigner. Die Zahlen belegen, dass der Ausbau und die Regionalisierung der Winternotschlafstellen richtig und wichtig gewesen seien. „Auch die Zusammenarbeit mit unseren Systempartnern und mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen hat sich im vergangenen Jahr bestens bewährt“, berichtet Aigner.

Kälte-Hotline wird wieder freigeschaltet

Auf der TSD-Kälte-Hotline, die im letzten Winter sieben Tage in der Woche rund um die Uhr erreichbar war, gingen in der vergangenen kalten Jahreszeit 587 Anrufe ein. „Dank vieler aufmerksamer Bürgerinnen und Bürger konnte zahlreichen Personen schnell geholfen werden. Die TSD-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gingen allen Hinweisen nach, gaben telefonische Anleitungen, wie man konkret reagieren kann oder wo sich beispielsweise die nächsten Wärmestuben befinden“, erläutert Aigner. Außerdem versorgten die TSD-SozialarbeiterInnen wohnungslose Menschen vor Ort mit winterfesten Schlafsäcken, heißen Getränken sowie warmer Kleidung und brachten sie auf Wunsch in die nächstgelegene Notschlafstelle. Auch betroffene Menschen selbst, Sozialeinrichtungen und Krankenhäuser meldeten sich über die Kälte-Hotline, um sich über das Angebot an Notschlafstellen zu informieren. „Auch heuer wird die TSD-Kälte-Hotline ab 1. November unter der Nummer 0512-21447 erreichbar sein“, informiert Aigner.

Niederschwellige Kontakt- und Anlaufstelle

Neu im Angebot und soeben erst eröffnet ist das NIKADO – die niederschwellige Kontakt- und Anlaufstelle für alkoholkranke Personen. „Mit einem szenenahen und suchtbegleitenden Konsumraum sollen alkoholkranke Menschen in äußerst prekären Lebenssituationen, die ihren Lebensmittelpunkt ‚auf der Straße haben‘ einen menschwürdigen und tolerierten Aufenthaltsbereich vorfinden“, erklärt LRin Fischer. Gleichzeitig bietet dieser Treffpunkt, Begegnungs- und Aufenthaltsraum einen niederschwelligen Einstieg in Hilfssysteme und verbessert die sozialen Kontakte der Zielgruppe. Insgesamt können bis zu 30 Personen an sieben Tagen in der Woche zwischen 12.30 Uhr und 19.30 Uhr das Angebot in Anspruch nehmen. SozialarbeiterInnen stehen während der Öffnungszeiten für freiwillige persönliche Beratungsgespräche zur Verfügung und unterstützen betroffene Menschen bei der Veränderung und Verbesserung der Lebenssituation. Ein großer Dank gilt der Landeshauptstadt Innsbruck, die die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.

Notschlafstelle und Übergangswohnen für Frauen

Eine Zielgruppe mit spezifischen Bedürfnissen und Problemstellungen sind wohnungslose Frauen. „Bei drohender Obdachlosigkeit wählen Frauen oft einen anderen Ausweg als Männer. Männer nehmen niederschwellige institutionelle Hilfsangebote eher in Anspruch, während Frauen – vor allem, wenn Kinder involviert sind – vermehrt prekäre Wohnverhältnisse und damit verbunden oft gewalttätige Zweckbeziehungen in Kauf nehmen“, erläutert Frauenlandesrätin Fischer. Die Praxis zeigt, dass Frauen gemischtgeschlechtliche Einrichtungen für wohnungslose Menschen eher meiden. Aus diesem Grund bietet die TSD mit „NORA“ ab Anfang 2020 eine Notschlafstelle und Übergangswohnen für insgesamt 22 Frauen ab dem 18. Lebensjahr sowie Kinder in Begleitung von weiblichen Erziehungsberechtigten an. „Für Frauen, die unmittelbar von Obdachlosigkeit betroffen sind, ist NORA ein Schutzraum. Die Betreuungspersonen sind ausschließlich erfahrene Sozialarbeiterinnen. Sie kümmern sich ganz individuell um die Bedürfnisse der einzelnen Bewohnerinnen“, berichtet Aigner.