Verkehrstreffen in Bozen nach der Brennersperre vom Samstag

Vergangenes Wochenende hat gezeigt: Grenze der Belastbarkeit ist überschritten

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Verkehrstreffen im Landhaus in Bozen: TeilnehmerInnen waren auch der Trentiner LH Maurizio Fugatti, LHStv Josef Geisler, LHStvin Ingrid Felipe (von links).
Verkehrstreffen im Landhaus in Bozen: TeilnehmerInnen waren auch der Trentiner LH Maurizio Fugatti, LHStv Josef Geisler, LHStvin Ingrid Felipe (von links).

Regierungsmitglieder aus Innsbruck, Bozen und Trient, Vertreter der österreichischen und italienischen Polizei sowie der beiden Autobahnbetreiber A22 und ASFINAG kamen heute, Freitag, zu einem Treffen ins Landhaus nach Bozen. Die Analyse und Aufarbeitung des Verkehrsstillstandes vom letzten Samstag waren Thema, weil nach massiven Schneefällen die Autobahn in Südtirol gesperrt werden musste.

LHStvin Ingrid Felipe und LHStv Josef Geisler machten als Teilnehmer dieses Treffens die Position von Tirol klar: „Der Verkehrskollaps vom letzten Samstag hat als Spitze des Eisbergs deutlich gemacht, wie sehr das zumutbare Maß an Schwerverkehr bereits überschritten ist. Die notwendige Verbesserung der Informationsströme und Abstimmung der Verkehrslage zwischen Tirol und Südtirol waren wichtiger Inhalt der heutigen Gespräche. Wir sollten aber diese außergewöhnliche Situation am letzten Samstag vom grundsätzlichen Problem des starken Verkehrsaufkommens sehr genau trennen. Das Transitproblem müssen wir in Tirol, Südtirol und Trentino gemeinsam angehen.“

Nicht nur Symptombekämpfung

Sicherheitslandesrat Josef Geisler rief bei der Sitzung in Bozen die Tiroler Transitposition in Erinnerung: „Wir haben mit 2,42 Millionen Fahrten im letzten Jahr und über 20 Prozent Transitzunahme allein in den vergangenen zweieinhalb Jahren. Die Grenzen der Belastbarkeit sind nicht nur für Mensch und Umwelt erreicht, auch für die Straßeninfrastruktur selbst. Ein kleiner Störfall genügt, um die europäische Verkehrsachse über den Brenner vollständig lahmzulegen. Um nicht vollends überrollt zu werden, wird sich das Land Tirol nicht von der Verschärfung verkehrslenkender Maßnahmen abbringen lassen.“

„Wir haben eine gemeinsame Verantwortung für alle Menschen auf der Brennerroute. Präventive Dosierungen des LKW-Verkehrs sind keine Bösartigkeit gegenüber der Wirtschaft, sondern ein notwendiger Selbstschutz der TirolerInnen“, sagte Mobilitätslandesrätin LHStvin Ingrid Felipe und schilderte in Bozen detailliert das Verkehrsgeschehen vom letzten Samstag: „Während der starken Schneefälle rund um den Brenner sind die Fahrstreifen der A13 immer schneefrei geblieben. Auf Südtiroler Seite sind aber LKW zwischen Klausen und Brixen sowie bei Sterzing auf der Schneefahrbahn hängengeblieben. Vorausschauend wurde in Tirol das sektorale LKW-Fahrverbot bereits ab Freitag kurz vor 21 Uhr aufgehoben und zusätzlich nach Rücksprache mit LH Arno Kompatscher am Samstag kurz nach 9 Uhr das Wochenendfahrverbot außer Kraft gesetzt, um den in Südtirol angestauten LKW die Weiterfahrt durch Tirol zu ermöglichen.“

Die Südtiroler Seite wurde über diese Maßnahmen immer auf dem Laufenden gehalten. Oberst Markus Widmann, Leiter der Landesverkehrsabteilung der Polizei bestätigt: „Alle Informationen zur Aufhebung der verschiedenen LKW-Fahrverbote wurden von mir persönlich laufend und immer aktuell an die Quästur in Bozen kommuniziert.“

Wirksame Maßnahmen umsetzen

Es wurde gemeinsam festgestellt, dass kein Weg an einer Verlagerung der Güterströme auf die Schiene vorbeiführt. Dafür braucht es eine funktionierende Logistikkette auf dem bestehenden Bahnsystem genauso wie verkehrslenkende Maßnahmen, vor allem Kostenwahrheit auf der Straße, zur Attraktivierung des Bahntransportes. Konkret wurde heute auch die Einrichtung eines Dosiersystems südlich des Brenners bei einer absehbaren Überlastung der Autobahn ins Auge gefasst.

„Wir haben in Tirol sowohl auf den Bundesstraßen als auch auf der Autobahn gute Erfahrungen gemacht. Dieses Know-How sollten wir gemeinsam nutzen, um die Sicherheit, Leichtigkeit und Flüssigkeit des Verkehrs auf dem gesamten Brennerkorridor von Kufstein bis nach Verona sicherzustellen“, betont LHStvin Felipe. Als kurzfristige Lösungsansätze wurden auch verstärkte Kontrollen der Wintertauglichkeit und Ausrüstung der LKW durch die Exekutive sowie rechtzeitige Auffahrverbote auf die Autobahn bei einer absehbaren Verkehrsüberlastung vorgeschlagen.