Projekt DIMF
Deadwood in Mountain Forests: ecosystem functions and services, their assessment, valuation and communication
Wälder haben vielfältige Funktionen und bieten der Gesellschaft zahlreiche Waldökosystemleistungen (FES). Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels lenken die Aufmerksamkeit der Politik und der Öffentlichkeit auf Wälder und ihre Fähigkeit Kohlenstoff zu binden. Hinsichtlich der Bewirtschaftung von Wäldern und der Intensität der Holzernte gibt es allerdings unterschiedliche Ansichten. Ein Thema, das in diesem Zusammenhang viel diskutiert wird, ist der Umgang mit Totholz. Totholz erfüllt viele Funktionen in Waldökosystemen: Es ist wichtig für die Verjüngung des Waldes, die Speicherung von Kohlenstoff,Nährstoffen und Wasser, den Schutz vor Naturgefahren und bietet Lebensraum für viele Arten. Außerdem verbessert Totholz die Waldstruktur und erhöht die Resilienz. Für die Waldbewirtschafter stehen all diese Funktionen oft in Konflikt mit ökonomischen Interessen. Auf gesellschaftlicher Ebene stehen die Stärkung von FES durch Totholz in Konflikt mit der Erzeugung grüner Energie sowie der Herstellung von Holzprodukten.
Der Umgang mit Totholz und Wäldern, welche von Störungsereignissen betroffen sind, ist auch in der Region Wilder Kaiser in Tirol (Österreich) ein sehr aktuelles Thema. Ein massiver Hagelsturm mit golfballgroßen Hagelkörnern beschädigte im Juni 2024 ca. 1.500 ha Wald. Laut der Bezirksforstverwaltung Kufstein wird die erhöhte Baummortalität in den nächsten Jahren zu einer Zunahme an Totholz in den Wäldern führen. Die Aufarbeitung der Störungsflächen und das Totholz in den Wäldern wird die Landschaft erheblich verändern und sowohl die Anwohner als auch die Tourismusbranche betreffen. Wie andere Regionen in den Alpen ist auch die Region Wilder Kaiser mit den Folgen von großflächigen Störungen und den damit verbundenen Herausforderungen konfrontiert. Dies bietet die Möglichkeit, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie die Gesellschaft mit künftigen Störungen wirksamer umgehen kann. Ein umsichtiger Umgang mit der aktuellen Situation kann die Stabilität und Resilienz künftiger Wälder fördern und dadurch die Resilienzt der gesamten Region stärken. Darüber hinaus bietet die derzeitige Situation die Gelegenheit, die Multifunktionalität von Totholz in Waldökosystemen differenzierter zu untersuchen. Dadurch sollen Kenntnisse gewonnen werden, welche einerseits die Bewältigung künftiger Störungen und andererseits die Bewirtschaftung von Wäldern im Allgemeinen verbessert.
Projektziele
- Um die Auswirkungen von Totholz auf Waldböden und den Einfluss auf die Kohlenstoffspeicherung zu untersuchen, werden in-situ-Proben des gelösten organischen Kohlenstoffs (DOC) und Bodenproben geworben sowie Laboranalysen durchgeführt.
- Um die Einflüsse von Dürren auf die hydrologischen Eigenschaften von Totholz und deren Auswirkungen auf die Verjüngung zu untersuchen, werden Regensimulationen durchgeführt. Dabei werden Starkregenereignisse vor und nach einer künstlich verursachten Dürre simuliert. Außerdem werden Feuchtesensoren installiert, um Veränderungen im Boden und Totholz festzustellen.
- Um die Interessen und Eigenschaften von Stakeholdern, ihre Nachfrage und ihre Werte in Bezug auf totholzbezogene Waldökosystemleistungen (FES) sowie die damit verbundenen Institutionen und Governancearrangernents zu bewerten, werden empirische Daten mittels Literatur- und Dokumentenanalyse, leitfadengestützte Interviews, einer quantitativen Befragung und Workshops gesammelt.
- Zur Bewusstseinsbildung und Wissensvermittlung von totholzbezogenen Themen an verschiedene gesellschaftliche Gruppen in der Region Wilder Kaiser sind inter- und transdisziplinäre Aktivitäten geplant. Die Aktivitäten werden in Zusammenarbeit mit verschiedenen lokalen Partnern organisiert und durchgeführt.
Das Projekt basiert auf der intensiven Zusammenarbeit von Wissenschaftler*innen und anderen Expert*innen aus verschiedenen Disziplinen, vor allem Bodenkunde, Hydrologie, Waldökologie, Ökologische und Institutionenökonomie und Umweltpolitik. Lokale Schlüsselakteure, darunter Vertreter der Gemeinden Schwoich, Söll, Scheffau und Ellmau, der Bezirksforstverwaltung Kufstein, der KLAR!-Managerin der Region und Vertreter*innen des Tourismussektors wurden bereits in den Entwicklungsprozess dieses Projektvorschlags einbezogen und haben sich bereiterklärt als Praxispartner am Projekt mitzuarbeiten.
Die Ergebnisse der Forschung, Kooperation und Kommunikation haben das Potenzial, die Bewirtschaftung von Wäldern unter den Bedingungen des Klimawandels nachhaltiger zu verändern und diese Erfahrungen auf andere Gebiete zu übertragen.
