Dreiländereck „Terra Raetica“: Vier Länder für eine bessere Mobilität

Tirol, Südtirol, Graubünden und Lombardei wollen grenzüberschreitende Mobilität schrittweise verbessern

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Von links LHStvin Ingrid Felipe, LH Günther Platter, Südtirols Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider, Südtirols LH Arno Komatscher, Attilio Fontana, Präsident der Region Lombardei,  Claudia Maria Terzi, lombardische Verkehrsassessorin, und Mario Cavigelli, Regierungsvizepräsident von Graubünden, bei der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur „Verbesserung der grenzüberschreitenden Mobilität in der Terra Raetica, insbesondere im Bereich des öffentlichen Schienenverkehrs“ in Graun am Reschensee.
Von links LHStvin Ingrid Felipe, LH Günther Platter, Südtirols Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider, Südtirols LH Arno Komatscher, Attilio Fontana, Präsident der Region Lombardei, Claudia Maria Terzi, lombardische Verkehrsassessorin, und Mario Cavigelli, Regierungsvizepräsident von Graubünden, bei der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur „Verbesserung der grenzüberschreitenden Mobilität in der Terra Raetica, insbesondere im Bereich des öffentlichen Schienenverkehrs“ in Graun am Reschensee.
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Schon ab dem kommenden November wollen Tirol, Südtirol, Graubünden und die Lombardei erste Schritte zur Verbesserung der grenzüberschreitenden Mobilität und für eine Bahnverbindung in der sogenannten „Terra Raetica“ – dem Dreiländereck zwischen Italien, Österreich und der Schweiz – setzen. Darauf haben sich die Landeshauptleute, Präsidenten und Regierungsvizepräsidenten sowie die MobilitätsreferentInnen der vier Alpenregionen am heutigen Freitag bei einem Gipfeltreffen in Graun am Reschensee in Südtirol verständigt.

Jeder der vier Regierungschefs unterzeichnete eine Absichtserklärung zur „Verbesserung der grenzüberschreitenden Mobilität in der Terra Raetica, insbesondere im Bereich des öffentlichen Schienenverkehrs“. Als erster Schritt sollen die Projektdimension – samt Zielnetz und Transportprogramm – sowie mögliche Ausbauten oder neu zu schaffende Verkehrsverbindungen definiert werden. Die vier Länder wollen laut Absichtserklärung ihre Maßnahmen für ein integriertes Mobilitätssystem aufeinander abstimmen. Angestrebt wird die Schaffung eines attraktiven Alpenbahnkreuzes und dessen Anbindung an das internationale Schienennetz. Diese zielt auf die Verringerung des alpenquerenden Verkehrs und damit auf die Umweltbelastung ab, was wiederum eine touristische Aufwertung mit sich bringt.

„Heute legen wir den Grundstein für eine intensive Zusammenarbeit und Zukunftsvision, ein Schienen-Alpenkreuz zwischen Österreich, Italien und der Schweiz. Die Mobilität der Zukunft braucht einen mutigen Ansatz und dieser darf nicht an den Ländergrenzen Halt machen“, sagt LH Günther Platter. Mit der Idee eines neuen Schienen-Alpenkreuzes verfolge man auch das Ziel, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren und damit einen Beitrag für eine bessere Zukunft zu schaffen - sowohl für die Menschen vor Ort als auch für die wirtschaftliche Weiterentwicklung in der Region. „Wir wollen auch ein Vorbild im Alpenraum werden und durch diese Initiative gemeinsam an einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Entwicklung arbeiten“, so LH Platter.

„Wir möchten das Zusammenwachsen des Dreiländerecks zwischen Österreich, der Schweiz und Italien und damit die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung dieses alpinen Grenzraumes vorantreiben“, betont Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher. Dabei spiele die grenzüberschreitende Mobilität eine wichtige Rolle. Diese solle nach ökologischen und nachhaltigen Kriterien insbesondere im Bereich des öffentlichen Schienenverkehrs verbessert und gestärkt werden.

„Grenzenlos mobil – und das autofrei: Dafür arbeiten wir in der Terra Raetica seit Jahren. Nach verbesserten Busverbindungen peilen wir mit dem Alpenkreuz einen Meilenstein der nachhaltigsten Mobilitätsform, nämlich jener auf der Schiene, zur Entlastung von Mensch, Natur und Infrastruktur in den vier Regionen an“, LHStvinIngrid Felipe.

Südtirols Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider zeigt sich erfreut über die Übereinkunft für eine bessere öffentliche Mobilität im rätischen Dreieck. „Mobilität hat auch den Zweck, Menschen zu verbinden. Der Konkretisierung der Zusammenarbeit mit den Nachbarregionen im Oberen Vinschgau ist ein wichtiger Schritt hin, um der Vision einer Eisenbahnverbindung wiederum näher zu kommen.“

Der Präsident der Region Lombardei Attilio Fontana hebt hervor, dass die Absichtserklärung Teil und Beweis der guten Zusammenarbeit und der gefestigten Beziehungen zwischen den vier Alpenregionen sei: „Diese Beziehungen zielen auf die Verbesserung der grenzüberschreitenden Mobilität und der Aufwertung der betroffenen Gebiete, auch im touristischen Sinne ab.“

Die Verwirklichung von Infrastruktur im Hinblick auf eine nachhaltige Mobilität ist laut der lombardischen Verkehrsassessorin Claudia Maria Terzi ein zentrales Thema auf der Agenda ihrer Region: „Es geht darum, neue Wege zu finden, um die Alpenregionen zu verbinden und damit die lokale Wirtschaft und den Tourismus zu fördern."

Gemäß dem Graubündner Regierungsvizepräsidenten Mario Cavigelli wird mit der Umsetzung der Absicht eine wertvolle Plattform geschaffen, um sich über die Bedürfnisse und Entwicklungen im öffentlichen Verkehr grenzüberschreitend auszutauschen. Das Ziel sei es, die Transportketten und Umsteigebeziehungen zwischen den verschiedenen Öffentlichen Verkehrssystemen der vier Anrainerregionen im Interesse von Bevölkerung und Wirtschaft bestmöglich abzustimmen. Das betreffe die Planung von neuen großen Verkehrsprojekten ebenso wie die Optimierung von kurzfristig umsetzbaren Verkehrsangeboten.

Arbeitsprogramm für Bahnverbindung Terra Raetica

Eine Fachleutegruppe wird mit November 2020 mit der Umsetzung des Projekts starten und dabei von einem Lenkungsausschuss aus Regierungsvertretenden der vier Länder begleitet. Sie wird sich dabei an einem Arbeitsprogramm für eine Bahnverbindung Terra Raetica orientieren, auf das sich die vier Länder ebenfalls heute geeinigt haben. So gilt es Korridore und Orte festzulegen, die angebunden werden müssen. Technische Anforderungen sind zu definieren und flankierende Maßnahmen zu planen. Der Vorsitz im Lenkungsausschuss wechselt jährlich von Land zu Land.