Kommissionsmitglieder zur Aufarbeitung der Geschichte des „Neuen Landhauses“ stehen fest

LH Platter: „Wir müssen uns offen und transparent den negativen Teilen unserer Geschichte stellen!“

Kategorien:  LH Platter LR Tratter Wissenschaft & Forschung AutorIn: Maximilian Brandhuber
LH Platter und LR Tratter unterstreichen die Bedeutung der historischen Aufarbeitung.
LH Platter und LR Tratter unterstreichen die Bedeutung der historischen Aufarbeitung.

Die Erforschung der Planungs-, Bau- und Nutzungsgeschichte und die damit verbundene historische Aufarbeitung des „Neuen Landhauses“ im Nationalsozialismus – das sind die Aufgaben einer von der Tiroler Landesregierung eingesetzten ExpertInnenkommission, deren Zusammensetzung diese Woche beschlossen wurde. Sie wird unter der Leitung von Historiker Manfred Grieger, Professor an der Georg-August-Universität in Göttingen, ihre Arbeit aufnehmen.

„Während das Alte Landhaus als eines der prunkvollsten Gebäude der Barockzeit auch zu den touristischen Highlights in Innsbruck zählt, ruft das ‚Neue Landhaus‘ mit seiner geschichtlichen Verankerung in der Zeit des Nationalsozialismus oft negative Assoziationen hervor. Doch auch das ist Teil unserer Geschichte und es ist wichtig, sich dieser Zeit zu stellen“, sind sich LH Günther Platter sowie der für die Liegenschaften des Landes zuständige Landesrat Johannes Tratter sicher. „Mit der Zusammensetzung der Kommission wird ein breites Geschichtswissen mit der damit einhergehenden notwendigen Sensibilität gebündelt, um die Geschichte des Landhauses mit entsprechender Objektivität aufzuarbeiten“, so LR Tratter.

Erforschung und Dokumentation

Ziel der Kommission ist es, neben der Erforschung der Planungs-, Bau und Nutzungsgeschichte sowohl die vorhandenen NS-Relikte als auch die neue Nutzung des Hauses durch das Amt der Tiroler Landesregierung und den Tiroler Landtag nach 1945 zu dokumentieren. Zudem soll ein Maßnahmenkatalog zur Dokumentation, Information und Erinnerung erarbeitet werden. „Die Arbeit der Expertinnen und Experten soll die Geschichte des Neuen Landhauses transparent machen und damit jene des Landhausplatzes ergänzen, dessen Mahn- und Denkmäler im Zuge des Neugestaltungsprozesses im Jahr 2008 eine bedeutende Rolle spielten“, so LH Platter.

Zentraler Anlaufpunkt in der Landeshauptstadt

Das „Neue Landhaus“ in Innsbruck wurde 1938/39 als Repräsentationsbau des Nationalsozialismus und als Verwaltungssitz des Reichsgau Tirol-Vorarlberg errichtet. Als Sitz des Landtages, der Landesregierung und der Landesverwaltung sind die Amtsgebäude am Landhausplatz zwischen der Maria-Theresien-Straße (westlicher Eingang „Altes Landhaus“) und der Wilhelm-Greil-Straße (östlicher Eingang Landhaus 1 „Neues Landhaus“) heute ein zentraler Anlaufpunkt in der Landeshauptstadt.

Zusammensetzung der ExpertInnenkommission

  • Prof. Dr. Manfred Grieger, Georg-August-Universität Göttingen
  • Dr.in Ingrid Böhler, Institut für Zeitgeschichte, Universität Innsbruck
  • Dr. Christoph Haidacher, Landesarchivdirektor, Tiroler Landesarchiv
  • Dipl.-Ing. Walter Hauser, Bundesdenkmalamt, Abteilung Tirol
  • Dr. habil. Christoph Hölz, Archiv für Baukunst, Universität Innsbruck
  • DDr. Lukas Morscher, Stadtarchiv Innsbruck
  • Prof. Dr. Horst Schreiber, Leiter des Netzwerkes „erinnern.at“ in Tirol