Kriseneinrichtung „neMo“ öffnet seine Pforten

Neue Kurzzeit-WG für Kinder und Jugendliche in belasteten Familiensituationen

Kategorien: LRin Baur, Kinder- & Jugendhilfe AutorIn: Iris Reichkendler
LRin Christine Baur (Mitte) bei der Eröffnung der Kurzzeit-WG „neMo" im Sozialpädagogischen Zentrum St. Martin mit (v. li.) dem Schwazer Bürgermeister Hans Lintner, Teamleiterin Marion Jordan, Georg Kiechl (Direktor SPZ St. Martin) und Silvia Rass-Schell, Abteilungsvorständin der Kinder- und Jugendhilfe.
LRin Christine Baur (Mitte) bei der Eröffnung der Kurzzeit-WG „neMo" im Sozialpädagogischen Zentrum St. Martin mit (v. li.) dem Schwazer Bürgermeister Hans Lintner, Teamleiterin Marion Jordan, Georg Kiechl (Direktor SPZ St. Martin) und Silvia Rass-Schell, Abteilungsvorständin der Kinder- und Jugendhilfe.

Ab 1. September ist das Angebot des Landes Tirol für Kinder und Jugendliche in schwierigen Familiensituationen um eine Einrichtung reicher: Im Sozialpädagogischen Zentrum St. Martin in Schwaz wurde eine Kurzzeit-WG eröffnet, in der Kinder und Jugendliche einen sicheren Ort finden, wenn innerhalb der Familie die Lage zu eskalieren droht. Die Gründe, warum schnell gehandelt und ein Kind aus der Familie geholt werden muss, sind vielfältig: Vernachlässigung, Verwahrlosung, Misshandlung, aber auch Missbrauch, Drogenprobleme der Eltern und vieles mehr können dazu führen, dass rasch und kurzfristig eine außerfamiliäre Betreuung und eine Wohnmöglichkeit benötigt werden.

„Die Kurzzeit-WG in St. Martin ist ein Ort, wo Kinder Abstand zu den Problemen innerhalb der Familie bekommen, das Erlebte verarbeiten und sich neu orientieren können“, berichtet LRin Christine Baur, zuständig für die Kinder- und Jugendhilfe. So setzt sich der Name der Einrichtung auch aus dem Motto zusammen: „neMo – noch einen Moment orientieren“. Ein junges, engagiertes siebenköpfiges Team aus Pädagoginnen, PsychologInnen, Sozialarbeiterinnen sowie einer Sozialbetreuerin und einer Haushaltshilfe kümmert sich dort rund um die Uhr um Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 14 Jahren. Zu jeder Tages- und Nachtzeit können Kinder und Jugendliche aufgenommen werden. Insgesamt bietet neMo Platz für acht Kinder, wovon zwei Plätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bis 14 Jahren bereitgestellt werden. „Bis zu zwölf Wochen bleiben die Kinder und Jugendlichen bei uns, bis sich die Situation daheim wieder entspannt bzw. für sie eine dauerhafte Fremdunterbringung in einer Pflegefamilie oder in einer anderen Wohngemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe gefunden wird“, erläutert Georg Kiechl, Direktor des Sozialpädagogischen Zentrums St. Martin.

Stabilisierung, Deeskalation, Abklärung und Perspektiven

Während des Aufenthalts im neMo wird individuell und bedürfnisorientiert an einer Stabilisierung und Deeskalation in der Familie gearbeitet. „Unser erstes Ziel ist es, dass die Kinder – sofern es das Kindeswohl zulässt – wieder in ihre Familien zurückkehren können“, betont Teamleiterin Marion Jordan. Es gehe darum, die Situation in der Familie abzuklären und Perspektiven zu erarbeiten. Das Tiroler Kinder- und Jugendhilfegesetz sieht vor, dass in der Hilfeplanung die Kinder und Jugendlichen sowie deren Eltern miteinbezogen werden. Entscheidungen werden nicht über den Kopf der Minderjährigen und den Eltern getroffen, sondern es wird gemeinsam versucht, eine Vorgangsweise zu vereinbaren, die für alle Beteiligten annehmbar ist. Als Besonderheit in Tirol können auch Bezugspersonen wie Mütter und Väter im neMo mit aufgenommen werden.

Die Tiroler Kriseneinrichtungen

„Die Kinder- und Jugendhilfe ist eine wichtige Anlaufstelle, wenn Kinder und Jugendliche innerhalb weniger Stunden einen sicheren Ort brauchen. Sie ist für die Koordination und Suche nach der passenden Kriseneinrichtung verantwortlich, die für einen befristeten Zeitraum die Pflege und Erziehung des Kindes bzw. des Jugendlichen übernimmt“, informiert Silvia Rass-Schell, Abteilungsvorständin der Kinder- und Jugendhilfe des Landes Tirol. Säuglinge und Kinder bis drei Jahren werden von Bereitschaftsfamilien betreut, Kinder ab zwei Jahren finden in Kurzzeit-WGs, im KIZ-Kriseninterventionszentrum sowie in der Kriseneinrichtung Turntable ein geschütztes Umfeld. Die Kinder und Jugendlichen erhalten dort Schutz und Betreuung, die Kirseneinrichtungen geben Sicherheit, Geborgenheit und Stabilität. Gleichzeitig wird die Situation in der Familie abgeklärt und die Kinder, Jugendlichen und deren Angehörige werden auf dem Weg aus der Krise begleitet.