Söll: Spatenstich Betriebsstätte Schlachthof und Zerlegebetrieb Obermoser

Fleisch aus der Region für die Region – neue Vermarktungsmöglichkeiten durch Schlachthof

Kategorien: LHStv Geisler AutorIn: Christa Entstrasser-Müller
(v.li.): Bezirkskammerobmann Johann Gwiggner, Peter Obermoser jun., BM Andrä Rupprechter, LHStv Josef Geisler, Peter Obermoser sen. und Bgm Alois Horngacher.
(v.li.): Bezirkskammerobmann Johann Gwiggner, Peter Obermoser jun., BM Andrä Rupprechter, LHStv Josef Geisler, Peter Obermoser sen. und Bgm Alois Horngacher.
Spatenstich mit der Familie Obermoser (v.li.): Fini, Peter und Matthäus Obermoser, BM Andrä Rupprechter, LHStv Josef Geisler, Peter und Maria Obermoser.
Spatenstich mit der Familie Obermoser (v.li.): Fini, Peter und Matthäus Obermoser, BM Andrä Rupprechter, LHStv Josef Geisler, Peter und Maria Obermoser.

Im Tiroler Unterland ist die Nachfrage nach Fleischspezialitäten aus der Region stark im Steigen. Doch die regionalen Schlachtkapazitäten sind voll ausgelastet. Heute, Donnerstag, erfolgte in Söll an der Eibergstraße im Beisein von Bundesminister Andrä Rupprechter und LHStv Josef Geisler der Spatenstich für die neue Betriebsstätte des Schlachthofs Obermoser für Rinder, Schweine und Schafe.

In knapp einem Jahr, im Herbst 2018, soll der neue Schlachthof und Zerlegebetrieb fertig sein. Bund, Land, EU und über 400 BäuerInnen aus dem Unterland tragen zur Finanzierung des 3,35 Millionen Euro teuren Projekts bei. „Wir sind voll ausgelastet und können derzeit nicht alles bedienen, was an Nachfrage da ist“, schildert Bauer und Metzger Peter Obermoser die aktuelle Situation. Außerdem sei der derzeitige Standort am Berg wegen der Zufahrt und der beengten Platzverhältnisse nicht ideal.

1989 hat die Familie Obermoser als landwirtschaftlicher Lohnschlachter begonnen und sich damit neben der Landwirtschaft ein zweites Standbein aufgebaut, 1996 wurde das Gewerbe angemeldet. Rund 1.500 Rinder, 800 Schweine und 400 Schafe aus den Bezirken Kufstein, Kitzbühel und dem vorderen Zillertal werden jährlich am derzeitigen Betriebsstandort am Bauernhof der Familie Obermoser am Bromberg in Söll mit sieben MitarbeiterInnen geschlachtet und bei Bedarf zerlegt. Damit sind die Kapazitätsgrenzen erreicht. Das Fleisch wird von den BäuerInnen im Wege der Direktvermarktung oder in der Gastronomie vermarktet. Nun stehen die Zeichen auf Erneuerung und Erweiterung.

Leuchtturmprojekt

Für Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter ist der Schlachthof Obermoser „ein Leuchtturmprojekt, wie es im Buche steht“. „Mit dem Betrieb werden die regionalen Schlachtmöglichkeiten sowie die Kooperationen mit der regionalen Landwirtschaft und dem Tourismus ausgebaut und dem Tierwohl durch kurze Anlieferungswege und modernste Schlachtbedingungen entsprochen.“ Grund genug für das BMLFUW, das Vorhaben aus Mitteln der ländlichen Entwicklung mit 17 Prozent der Investitionssumme zu unterstützen. „Investitionen in die Verarbeitung und Vermarktung von Lebensmitteln stärken die heimische Qualitätsstrategie und erhöhen die Wertschöpfung in den Regionen. Mit diesen zukunftsorientierten Investitionen stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit der kleinstrukturierten österreichischen Land- und Ernährungswirtschaft im harten internationalen Wettbewerb“, freut sich Rupprechter über die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. „Der heutige Spatenstich ist zudem ein weiterer Impuls, damit wir mit qualitativ höchstwertigen Produkten den Wünschen der Konsumentinnen und Konsumenten noch besser nachkommen können.“

Schlachthof wichtiges Glied in der Wertschöpfungskette

„Es tut sich was in der Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte. Mit dem Schlachthof Obermoser kommt nach der gemeinsamen Käseschneide- und Verpackungsanlage von zehn Kleinsennereien im Zillertal nun auch in den Fleischbereich Bewegung. Der Schlachthof Obermoser ist ein wichtiges Glied in der Wertschöpfungskette“, freut sich auch LHStv Josef Geisler. Davon werden sowohl Landwirtschaft als auch die Gastronomie und der Tourismus massiv profitieren. Das Projekt Schlachthof Obermoser passt haargenau in die Regionalitätsoffensive und Markenstrategie der Tiroler Landesregierung und wird deshalb aus Landesmitteln mit weiteren 13 Prozent der Gesamtkosten unterstützt.

Crowdfunding: Bauern beteiligen sich

Trotz maßgeblicher Unterstützung von Bund, Land und EU war die Finanzierung des Vorhabens nicht einfach. Auf Anregung der Bezirkslandwirtschaftskammer hat Peter Obermoser ein Art Crowdfunding-Projekt in Form einer Gutscheinaktion gestartet. 400 BäuerInnen haben dem Unternehmen quasi ein zinsenloses Darlehen in der Höhe von 600.000 Euro gewährt und dafür für die Dauer von zehn Jahren das Recht für die Schlachtung eines Rindes um 50 Euro verbilligt bzw. einen Mehrpreis beim Rinderverkauf von 50 Euro erworben. „Das Interesse am Gutscheinsystem war riesig, die Bauern stehen hinter unserer Firma“, freut sich Peter Obermoser nicht ohne Stolz über den enormen Rückhalt seiner KundInnen.

Aufbau einer Marke „Almrind“

Mit dem auf Kälber spezialisierten Schlachthof Huber in St. Johann, der Biometzgerei Juffinger in Thiersee und dem bestehenden Schlachthof Obermoser sei man im Unterland nicht schlecht aufgestellt, weiß Bezirkskammerobmann Johann Gwiggner. Trotzdem werden derzeit 5.000 Rinder außerhalb der Region geschlachtet. Weil das Tiroler Unterland mit 800 Almen zudem die Almenregion schlechthin sei, denkt man gemeinsam mit den Tourismusverbänden auch an den Aufbau einer Marke „Almrind“. „Die neue Betriebsstätte des Schlachthofs Obermoser ist dafür ein wesentlicher Bestandteil“, unterstreicht Gwiggner.