Verbesserung der Situation von Frauen

Landesfrauenrätinnen tagten im Burgenland

Kategorien: LRin Baur, Frauen & Gleichstellung AutorIn: Iris Reichkendler
Tirols Frauenlandesrätin Christine Baur (1. Reihe 2. v. li.) mit ihren Amtskolleginnen sowie Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner (1. Reihe 3. v. li) und den FrauenreferatsleiterInnen der Länder bei der Landesfrauenrätinnenkonferenz im burgenländischen Rust.
Tirols Frauenlandesrätin Christine Baur (1. Reihe 2. v. li.) mit ihren Amtskolleginnen sowie Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner (1. Reihe 3. v. li) und den FrauenreferatsleiterInnen der Länder bei der Landesfrauenrätinnenkonferenz im burgenländischen Rust.

Die Verbesserung der Situation von Frauen – beim Einkommen und in der Pension, in ihrem Lebensumfeld, aber auch in schwierigen persönlichen Situationen – dies thematisierten die Tiroler Anträge bei der Landesfrauenreferentinnenkonferenz im Burgenland.

„Nach wie vor gibt es in Österreich geschlechterspezifische Lohnunterschiede“, betont Tirols Frauenlandesrätin Christine Baur. Dies belegen auch internationale und europäische Vergleichsstudien. Um gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit zu erreichen, bedarf es noch vielfältiger Maßnahmen. Mit der 2011 geschaffenen gesetzlichen Grundlage zur Erstellung von Einkommensberichten wurde ein wichtiger Schritt gesetzt, um bestehenden Lohndiskriminierungen durch Transparenz entgegenzuwirken. „Wichtig war vor allem, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei der Entlohnung nicht länger Tabuthema sind – dazu haben die Einkommensberichte einen wertvollen Beitrag geleistet“, ist LRin Baur überzeugt, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass diese gesetzlich normierten Vorgaben weiter entwickelt werden müssen, um einen nachhaltigen Effekt zur Reduktion geschlechterspezifischer Gehaltsunterschiede zu erzielen. Sie fordert daher eine Novellierung der Einkommensberichte, damit diese unternehmensintern auch verpflichtend analysiert und stichprobenartige Überprüfungen ermöglicht werden.

Lohnungleichheit schafft Pensionsungleichheit

Doch nicht nur beim Einkommen, auch bei der Pension haben Frauen immer noch das Nachsehen: Der aktuelle Einkommensbericht 2016 des österreichischen Rechnungshofes beziffert das durchschnittliche mittlere Bruttojahreseinkommen von Pensionistinnen auf 13.902 Euro, wohingegen Männer 23.802 Euro Pension beziehen. Damit erreichen Frauen nur 58 Prozent der Pensionsbezüge von Männern. Besonders hoch ist der Unterschied bei den Alterspensionen: Hier erreichen Frauen mit durchschnittlich 13.418 Euro nur 53 Prozent der Alterspensionen von Männern mit im Schnitt 25.506 Euro. „Lohnungleichheit schafft Pensionsungleichheit“, fasst LRin Baur zusammen. Die Unterschiede in der Entlohnung und bei den Pensionen von Frauen und Männern seien zwar ein gesamtgesellschaftspolitisches Problem, welches nicht von heute auf morgen gelöst werden kann. Wichtig sei es aber, auf diese Ungleichheiten hinzuweisen: „Die Landesfrauenreferentinnen werden künftig jährlich anhand aktueller Berechnungen des Equal Pension Days – jenem Tag, an dem Männer bereits jene Alterspension bezogen haben, die Frauen erst mit Jahresende erreichen werden – auf die weibliche Altersarmut aufmerksam machen und notwendige Verbesserungen einfordern“, berichtet LRin Baur. Der Tiroler Equal Pension Day fand heuer übrigens am 19. Juli statt.

Frauen auf dem Lande

78 Prozent der österreichischen Bevölkerung leben im ländlichen Raum. Tirol folgt dem europäischen Trend, wonach ein erhöhter Anteil der Abwanderung von Menschen aus peripheren ländlichen Gebieten festzustellen ist. Vor allem sind es die jungen und besser gebildeten Menschen, die diese Regionen verlassen. „Auffallend ist, dass vor allem junge Frauen eine höhere Mobilitätsbereitschaft aufweisen als Männer. Ursachen für die Abwanderung junger Frauen aus ländlichen Regionen sind das höhere Bildungsniveau, die stärkere Mobilitätsbereitschaft für Ausbildungszwecke und eine Präferenz für urbane Lebensweisen“, weiß LRin Baur. Das wenig ausdifferenzierte Lehrplatz- und Arbeitsplatzangebot sowie das Festhalten an starren traditionellen Geschlechterrollen schränken die Entwicklungsperspektiven für Frauen in ländlichen Regionen zusätzlich stark ein. „Diese Problemstellungen wurden sowohl bei der diesjährigen Konferenz der Alpenkonvention als auch beim Treffen der Bundesbäuerinnen diskutiert und die Ergebnisse in Abschlussdokumenten festgehalten“, berichtet LRin Baur und regt eine Berücksichtigung der darin enthaltenen Forderungen im „Masterplan für ländliche Regionen“ an.

Schwangerschaftsabbruch

Ein weiterer Antrag Tirols bei der Frauenlandesrätinnenkonferenz befasste sich mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch: „Die Durchführung eines Schwangerschaftsabbruches ist in den einzelnen Bundesländern durchaus unterschiedlich geregelt“, führt LRin Baur aus. Der Tiroler Frauenlandesrätin ist es wichtig, dass mit diesem Aspekt der Gesundheitspolitik sorgsam und professionell umgegangen wird: „Der Schwangerschaftsabbruch ist Aufgabe der Gesundheitspolitik. Dass es dazu kaum Forschung und Datenmaterial gibt, zeigt, wie tabuisiert dieses Feld in Österreich immer noch ist“, zeigt LRin Baur auf und weist darauf hin, dass Frauen und Mädchen in der Konfliktsituation einer ungewollten Schwangerschaft die besten Rahmenbedingungen brauchen. Gleichzeitig brauche es auch gezielte Maßnahmen zu Aufklärung und Information. Bereits in den Jahren 2013 und 2014 wurden bei den Frauenlandesrätinnenkonferenzen diesbezügliche Beschlüsse gefasst. Neben der Ermöglichung und Sicherstellung des österreichweiten Zugangs zur Durchführung eines Schwangerschaftsabbruches sollen auch österreichweite Kampagnen zur Aufklärung über Verhütung und zur Prävention von Schwangerschaftsabbrüchen gestartet werden.