Erbhöfe

Voraussetzungen

Erbhofschild

Wie kommt man zu einem Erbhoftitel?

Bisher stellten jährlich dutzende Bauern Anträge auf Erbhofverleihung, obwohl die Überlieferung der 200-jährigen Besitztradition eher vage war. Groß war daher die Enttäuschung, wenn sich unter den Vorbesitzern Onkeln, Tanten oder entfernt Verwandte"eingeschlichen" hatten. Folglich häuften sich die negativen Bescheide durch die Landesregierung, da das Tiroler Erbhofgesetz nur Eltern, Großeltern usw. oder Geschwister als erbhofwürdig anerkennt.

Um den Antragstellern unnötige Mühen und Kosten zu ersparen, hat das Tiroler Landesarchiv ein neues Antragsformular aufgelegt, welches viele lrrtümer von Anfang an ausschließt. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass sich für den Bauern der Weg in das Grundbuch auf jeden Fall lohnt, bevor bei der Bezirkslandwirtschaftskammer ein Erbhofantrag gestellt wird.

Jeder Hof hat im alten Grundbuch eine eigene Einlagezahl (z.B. 16/I bzw. 90.016) innerhalb der jeweiligen Katastralgemeinde. Auf dem so genannten B-Blatt des alten Hauptbuches finden sich namentlich sämtliche Vorbesitzer seit der Grundbuchanlegung. Es lässt sich auf einen Blick feststellen, wie viele Generationen in unserem Jahrhundert am Hof saßen und wann der Vater, Großvater, Urgroßvater den Hof erbte, übernahm oder kaufte. Für das Tiroler Landesarchiv ist es wichtig, wann und wie die Vorbesitzer den Hof erwarben (Besitztitel). Ebenso wichtig ist aber, in welchem Verwandtschaftsverhältnis die Vorbesitzer zueinander standen. Bisher war es für den Bearbeiter äußerst umständlich, die Verwandtschaft festzustellen, da erst sämtliche Besitzverträge im alten Grundbuch überprüft werden mussten. Hingegen bedeutet es für den Bauern keine große Schwierigkeit, das Verwandtschaftsverhältnis seiner Vorbesitzer aus dem Gedächtnis zu bestimmen.

Daher wurde mit der Kammer vereinbart, dass gleichzeitig mit dem Erbhofantrag eine Kopie des B-Blattes beigelegt wird. Da in jedem Grundbuch ein Kopierer steht, kann man sich die Mühe des Abschreibens ersparen. Der Antragsteller stellt vorerst fest, ob tatsächlich alle Vorbesitzer durch drei oder vier Generationen alle seine direkten Vorfahren sind. Nur unter dieser Voraussetzung ist die Beantragung des "ERBHOFES" sinnvoll.

Da die Verwandtschaft aus dem B-Blatt des alten Grundbuches nicht eindeutig hervorgeht, ist es notwendig, dass der Bauer diese selbst in der Kopie des B-Blattes händisch einfügt, ob es sich beim Vorbesitzer um den Vater, die Mutter, eine Schwester, Onkel oder Gatten (Gattin) handelt. Diese Angaben werden vom Landesarchiv mit Hilfe der Matrikenbücher (Mikrofilme) überprüft. Wenn sich herausstellt, dass immer in direkter Linie oder Seitenlinie bis zum 2. Grad (Geschwister) geerbt (übergeben) wurde, werden die Vorbesitzer vor Anlegung des Grundbuches bis zum Jahre 1812 (also durch 200 Jahre) vom Landesarchiv ergänzt.

Durch diese Vorgangsweise erübrigen sich für die Behörden die aufwändigen Dienstfahrten zu den Bezirksgerichten, denn allfällige Unklarheiten können anhand des B-Blattes telefonisch beim Bauern oder beim Grundbuchführer hinterfragt werden. Da schon jetzt über EDV der gesamte Besitzstand jedes Tiroler Hofes in Innsbruck und bei jedem Bezirksgericht abgerufen werden kann, muss die Kammer nur noch bestätigen, ob der Hof tatsächlich vom Bauern bewohnt und bewirtschaftet wird. Gleichzeitig kann in der Bezirkslandwirtschaftskammer gemeinsam mit dem Antragsteller anhand des B-Blattes im alten Grundbuch überprüft werden, ob alle verwandtschaftlichen Voraussetzungen für einen "Erbhof" gegeben sind. Es empfiehlt sich auf jeden Fall ein Beratungsgespräch in der Bezirkskammer unter gleichzeitiger Vorlage des B-Blattes (Kopie aus dem alten Grundbuch). Nur wenn der Sachbearbeiter überzeugt ist, dass nicht durch Onkeln, Tanten oder entfernt Verwandte die Besitzfolge der direkten Linie unterbrochen wurde, empfiehlt sich die Weiterleitung des Erbhofantrages an das Landesarchiv. Auch der zwischenzeitliche grundbücherliche Besitz einer Bank gilt als Besitzunterbrechung. Nach Prüfung der Unterlagen des Antragstellers (B-Blatt mit Eintragung der Verwandtschaft), Gutachten der Kammer und des Landesarchivs, wird von der Abteilung Repräsentationswesen des Amtes der Tiroler Landesregierung der Erbhof-Bescheid ausgestellt und gleichzeitig erfolgt eine Gebührenvorschreibung von EUR 14,30 für den Antrag und EUR 4,20 Verwaltungsabgabe.

Dann steht einer feierlichen Verleihung des Bronze-Erbhofschildes samt Urkunde durch den Landeshauptmann am Hohen Frauentag nichts mehr im Wege.