Earth Overshoot Day: 2019 schon am 29. Juli

Ab dem 29. Juli 2019 verbraucht die Menschheit mehr, als die Erde verkraften kann

Der "Earth Overshoot Day" (kurz: EOD, zu Deutsch: Erdüberlastungstag, Welterschöpfungstag oder Tag der ökologischen Verschuldung) markiert jenes Datum im Jahr, ab dem die jährlich natürlicherweise nachwachsenden Rohstoffe und Naturleistungen der Erde vollständig konsumiert sind. Der Welterschöpfungstag verschiebt sich Jahr für Jahr nach vorne. Der 29. Juli ist der bislang früheste Zeitpunkt seit Beginn der Berechnung.

Ab dem Earth Overshoot Day sind Nachfrage und Bereitstellung natürlicher Ressourcen nicht mehr im Gleichgewicht, sondern lebt die Menschheit über ihre Verhältnisse, sozusagen auf Öko-Pump. Weltweit wird mehr verbraucht, als die Erde reproduzieren kann kann. Ist die Beanspruchung größer als der Nachschub, spricht man von einem Overshoot. In einfachen Worten: Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse.

Wir leben momentan so, als hätten wir jährlich 1,75 Erden zur Verfügung. Wir haben aber nur eine einzige Erde und können uns nicht einfach eine zweite aus dem Kofferraum holen. Der World Wide Fund For Nature (WWF) prognostiziert, dass wir 2020 zwei Planeten verbrauchen werden und 2050 sogar unvorstellbare drei. Eine Trendumkehr der letzten 30 Jahre ist bislang nicht in Sicht.

Auf nationaler Ebene sieht es nicht besser aus

Österreich ist leider keine Ausnahme. Der österreichische Earth Overshoot Day wurde nämlich deutlich früher berechnet: Bereits am 9. April 2019 war Österreichs Anteil an den globalen Ressourcen verbraucht. Seither leben die Österreicherinnen und Österreicher auf Kosten der Natur und künftiger Generationen.

Und auch zu Lasten der benachteiligten drei Viertel der Weltbevölkerung. Dass die globalen Ressourcen im Schnitt überhaupt bis zum 29. Juli reichen, ist nämlich den ökonomisch Schwachen geschuldet. Die Mehrheit aller Erdenbürger verbraucht recht wenig, was sich zwar rechnerisch positiv auswirkt, aber faktisch ein eklatantes Ungleichgewicht darstellt.

Nur rund ein Viertel der Menschheit - im wesentlichen die reichen Industrie- und Schwellenländer - verantwortet aufgrund ihres konsumorientierten Lebensstils den Großteil der planetaren Übernutzung. Würden alle ErdenbürgerInnen so leben wie der österreichische Durchschnitt, wären über drei Erden nötig. Wohingegen Indien mit nur 0,7 Planeten auskommt.

Der Earth Overshoot Day kommt immer früher

1987 fiel er noch auf den 19. Dezember, 2000 auf den 1. November, 2005 auf den 20. Oktober, 2010 auf den 21. August, 2015 auf den 13. und 2018 auf den 1. August. Errechnet wird der Ressourcenhunger der Welt (und auch einzelner Nationen) vom Global Footprint Network

Für jedes weitere Jahr ohne Richtungskorrektur steigen die Versäumniskosten an: Verschärfung bestehender Ungerechtigkeiten, Ressourcenkonflikte, Kriege, Hunger oder Naturkatastrophen.

Während wir uns zunehmend bei der Erde verschulden, kann sie sich immer weniger erholen. Anders ausgedrückt: Ein bisschen über unsere Verhältnisse zu leben ginge vorübergehend vielleicht sogar. Doch auf Dauer schwindet die Fähigkeit der Erde zur Regeneration.

Die Folgen der Übernutzung zeigen sich schon deutlich: im Schwinden der Wälder und ihrer Artenvielfalt, ausgelaugten Böden, leer gefischten Meeren und vor allem dem CO2-Anstieg in der Atmosphäre, der für den Klimawandel verantwortlich ist.

Was kann ich dagegen tun?

Es ist längst überfällig, Wirtschaft und Konsum so zu gestalten, dass sie enkeltauglich funktionieren. Produktionsweisen und Konsumgewohnheiten der Weltgemeinschaft müssen sich ändern. Wer nicht will, dass der Earth Overshoot Day immer früher statt findet, sollte generell weniger konsumieren. Und zum Beispiel recyceln und reparieren, zu Ökostrom wechseln, Leitungswasser trinken oder saisonale, regionale und fair erzeugte Lebensmittel kaufen. Um seinen persönlichen Fußabdruck zu verringern, muss man gemäß der Plattform Footprint Österreich lediglich die 5-F-Regeln befolgen.


Dokumente der Plattform Footprint zum österreichischen Earth Overshoot Day 2019:

Tool zum raschen Abschätzen des persönlichen Erderschöpfungstages