EGAR

EinzugsGebiete in Alpinen Regionen neues Planungsinstrument für das Naturraum-Management

Waldschneißen dur Lawinen- und Murenabgänge
Stein auf Lawinenschutzzaun
Dorf mit Schutzwälder

Einer Vielzahl von Landnutzungen – Tourismus, Landwirtschaft, Forstwirtschaft [Wald als Schutz], etc. – stehen im alpinen Raum eine Reihe von Naturgefahren – Lawinen, Muren, Hochwässer, Steinschläge – gegenüber. Vielfach wurden vorhandene Gefahren und Nutzungen bisher isoliert und ohne Beachtung ihrer Wechselbeziehungen betrachtet. Durch die intensive Siedlungs- und Wirtschaftstätigkeit in engen Gebirgstälern wird die alpine Raumplanung immer schwieriger. EGAR bietet hier einen neuen Lösungsansatz durch eine enge und länderübergreifende Zusammenarbeit mehrerer Fachbereiche.

Ziel des Projektes: 

Anhand von zwei alpinen Tälern – Zillertal/Tirol, Oberammergau/Bayern – wurden die Landnutzungen und Naturgefahren erfasst und gegenübergestellt. Überschneidungsbereiche, die sich daraus ergaben, zeigten eindrucksvoll aktuelle und potenzielle Konflikte der Raumnutzung auf.

Darauf aufbauend wurden neue Methoden zur regionalen Erfassung und Bewertung des Naturraumes entwickelt.

Projektablauf:

Hang- u. Wildbachprozesse in alpinen Räumen:

Für die Bestimmung des Naturgefahrenpotentials arbeitete das Projektsteam großräumige Naturgefahrenprozesse, wie z.B. Massenselbstbewegungen (Lawinen, Steinschläge, Muren, etc.) heraus. Im Anschluss daran erfolgte eine Unterscheidung der Naturgefahrenprozesse nach Intensitätsstufen, und das Herausfiltern von Kriterien zur Darstellung solcher Prozesse. Als Ergebnis liegt nun eine bewertete Hinweiskarte auf Risikoflächen im Maßstab 1:20.000 vor. Über eine verknüpfte Datenbank sind die Kriterien für die Beurteilung der Naturgefahrenprozesse abrufbar.

Landnutzung, Landbedeckung:

Kühe auf der Waldweide

„Wie beeinflusst die aktuelle Landebedeckung (landcover) den Naturgefahrenprozess und welche Landnutzungen sind davon betroffen?“

Diese Frage ist entscheidend für die Beurteilung der „Verträglichkeit“ einer Raumnutzung. Wenn durch die Raumnutzung, z.B. Schipistenbau, ein Naturgefahrenprozess verstärkt wird, so müssen Steuerungseingriffe erfolgen. Im Talbereich und den Waldbereichen lag eine Reihe von Informationen über die Landnutzung bzw. die -bedeckung vor. Oberhalb der Waldgrenze jedoch gibt es ein ausgeprägtes Defizit an flächendeckenden Unterlagen. Es wurde daher dieses Informationsdefizit durch eine Landbedeckungskartierung auf Basis von Luftbildern durchgeführt.

Bewertung und Konfliktpotential: Die nunmehr exakt abgegrenzten Naturgefahren- und Landbedeckungsarten wurden gegenübergestellt und zeigen bildhaft die Konfliktfelder von Raumnutzung und Naturgefahrenpotential in der regionalen Ebene auf. Durch das gezielte Verschneiden der beiden Inhalte wird sichtbar, welcher Naturgefahrenprozess positiv oder negativ von der aktuellen Landbedeckung beeinflusst wird. Damit sind gezielte Steuerungs- und Lenkungsmaßnahmen in einem sehr frühen Stadium der Raumplanung möglich. EGAR stellt somit ein effizientes Instrument des Riskomanagements dar.

Objektschutzwald

Zusammenarbeit als Schlüssel des Erfolges

Durch den integralen und fachübergreifenden Lösungsansatz ist es erstmals möglich bei der künftigen – nachhaltigen - Entwicklung von alpinen Räumen auf exakte und einheitliche Planungsgrundlagen aufzubauen. Somit stehen wesentliche Änderungen in der Planung und in der Umsetzung von Projekten ins Haus. Weiters sind aus diesem EU-geförderten Projekt direkte Synergien für den Aufbau von Informationsnetzwerken nutzbar. Wesentlich ist auch die Nachvollziehbarkeit von raumrelevanten Entscheidungen. Mit diesem Vorhaben wurde auch der Grundstein für eine weitere intensive Zusammenarbeit der Partner in Österreich, Deutschland und Italien gelegt.

Wie geht´s weiter?

Um das Projekt EGAR auch nach Projektabschluss weiterzubetreiben, wird eine abteilungsübergreifende Arbeitsplattform installiert. EGAR wird dabei in die neu einzurichtende „Schutzwaldplattform“ [Schutzwaldplattform Tirol] des BMNT eingebunden, deren Aufgabe die Sicherung des Lebensraumes ist. Da sich diese Teamarbeit bereits bei der Projektabwicklung sehr positiv bewährt hat, ist eine Fortsetzung sinnvoll und zielführend. Dadurch wird der Grundgedanke des Projektes, nämlich die gemeinsame Entwicklung und Anwendung eines neuen Instrumentes für das Naturgefahrenmanagement in die Praxis umgesetzt

Allgemeine Daten:

Förderung durch die EU (Art. 10 EFRE – Pilotaktionsprogramm für den Alpenraum)
Planungszeitraum: 1998 bis 2001
Planungsmaßstab: 1:20.000 (Tirol), 1:25.000 (Bayern)
Projektsfläche: 1200 km2 (Tirol), 120 km2 (Bayern)

Projektpartner:

  • Bundesministerium für Land- Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft: Sektion IV – Wasser; Sektion V – Forstwesen; Forsttechnischer Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung: Gebietsbauleitung westliches Unterinntal; Geologische Stelle
  • Amt der Tiroler Landesregierung (Gruppe Forst, Agrarwirtschaft, Wasserwirtschaft mit Sachgebiet Hydrographie und Fachbereich Schutzwasserbau, TIRIS, Raumplanung,  Baubezirksamt Innsbruck)
  • Bayerisches Landesamt für Wasserwirtschaft
  • Autonome Provinz Bozen – Südtirol (Sonderbetrieb für Wildbach- und Lawinenverbauung)
  • Schabl Geoinformationswesen, Projektkoordination [www.schabl.at]

Links und Ansprechpartner:

 manfred kreiner@tirol.gv.at

 TIRIS@tirol.gv.at

 hubert.siegel@bmnt.gv.at

 thomas.schauer@lfw.bayern.de

 anton.schabl@schabl.at

 gebhard.walter@die-wildbach.at

Den Kurzbericht zum EGAR-Projekt können sie hier  downloaden
Den ausführlichen Endbericht senden wir Ihnen auf Anfrage gerne zu.