Wildbachbetreuung

behördenübergreifende Zusammenarbeit zum Schutz vor Wildbachgefahren

Schaden durch Murereignis

Seit 2008 wird die Wildbachbetreuung nach einem neuen Konzept durchgeführt, das gemeinsam vom Land Tirol, den Tiroler Gemeinden und der Wildbach- und Lawinenverbauung ausgearbeitet wurde. Ziel ist es, durch intensive Betreuung der Wildbäche die Häufigkeit und die Auswirkungen von Vermurungen und Überschwemmungen in Zukunft zu verringern.

Eckpunkte des Wildbachbetreuungskonzeptes

Wildbachbetreuung vermindert Naturgefahrenrisiko

Der Bach als Wasserweg ist vergleichbar mit einem Verkehrsweg und bedarf der dauernden Wartung. Umgefallene Bäume und andere Hindernisse im Bachlauf können Verklausungen bewirken und den Hochwasserabfluss behindern. Die laufende Gewässerpflege ist daher eine vorbeugende und kostengünstige Schutzmaßnahme vor Wildbachgefahren.

Auch die technischen Verbauungen müssen regelmäßig kontrolliert werden. Schäden im Mauerwerk, Risse im Beton oder andere Einflüsse können die Standsicherheit im Ereignisfall (Hochwasser, Murstoss usw.) gefährden. Bei Geschiebeablagerungsplätzen ist zu kontrollieren, ob sie noch aufnahmefähig sind, oder ausgeräumt werden müssen.

Drei-Stufenkonzept zur Katastrophenvorsorge

  • Stufe 1: Jährliche Begehungen durch die Gemeindewaldaufseher, die an die Wasserrechtsbehörde und an den Forsttechnischen Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung Bericht erstatten.
  • Stufe 2:Alle fünf Jahre wird vom Waldaufseher gemeinsam mit dem Fachpersonal der WLV eine Beurteilung des Gewässerzustandes und der Ufer bzw. der Qualität der Einbauten durchgeführt.
  • Stufe 3: Externe Qualitätskontrolle von Technischen Einbauten in Wildbächen im Abstand von ca. 20 Jahren.

Klassifizierung durch Fachleute der WLV spart Aufwand

Fachleute der Wildbachverbauung haben jeden einzelnen Bach nach seinem Gefährdungspotenzial eingestuft und die gefährlichsten Bachabschnitte herausgefiltert. Diese Bachabschnitte, die jeder Waldaufseher in einem eigenen GIS-Modul der EDV-Anwendung sieht, stellen die Basis für die Begehungen dar. Dadurch kann der Aufwand für Begehung und Dokumentation deutlich reduziert werden.

Waldaufseher als Wildbachbetreuer

Ein eigenes Schulungsprogramm hat die Waldaufseher auf diese neue Aufgabe vorbereitet. Durch die regelmäßigen Begehungsen kennen die Waldaufseher die Wildbäche ihrer Gemeinde und können so auf gefährliche Veränderungen rasch reagieren. Durch die ortsansässigen Waldaufseher wird auch der Kontakt zu den betroffen Eigentümern der Ufergrundstücke hergestellt, die über die notwendigen Betreuungsmaßnahmen informiert werden und sich unter bestimmten Umständen auch an den Räumungsmaßnahmen beteiligen müssen.

Elektronischer Akt vereinfacht die Dokumentation

Die Waldaufseher dokumentieren alle Beobachtungen der Bachbegehungen in einem eigens geschaffenen EDV-System via Internet. Damit können auch die zur Beseitigung von Gefahrenquellen Verpflichteten leicht ermittelt und benachrichtigt werden. Die Dienststellen der WLV, der Bezirkshauptmannschaft, die Gemeinde und das öffentliche Wassergut haben Zugriff auf alle Beobachtungen und sind damit sofort über Gefahrenherde informiert und können in ihrem Zuständigkeitsbereich Schritte zur Gefahrenabwehr setzen.

Naturnahe Ufervegetation fördern

Im Zuge der Gewässerbetreuung sollen große Fichten, die ein besonderes Risiko darstellen, soweit es geht, zurückgedrängt und durch artenreiche Begleitvegetation ersetzt werden.

Typische Abflusshindernisse einige Beispiele:

Holzablagerung im Hochwasserabflussbereich

Holzablagerung im Wildbach

Kann zu Verklausungen und Murstössen bei Unwettern führen bzw. Verwerfungen des Bachlaufes auslösen, die neue Erosionsherde bilden können.

Holzbewuchs im Hochwasserabflussbereich

Holzbewuchs im Wildbach

Kann vor allem im Siedlungsbereich zum Problem werden, wenn sich Bäume im Hochwasserfall in Engstellen wie Brücken verkeilen und Bachausbrüche nach sich ziehen. Die Fichten im Vordergrund können bei Hochwasser unterspült werden, der Bretterstoss im Hintergrund stellt ebenfalls einen Gefahrenherd dar.

Mängel an Schutzbauten einige Beispiele:

Schadhaftes Querwerk

Schadhaftes Querwerk

Mauerwerk stark beschädigt - Erneuerung notwendig

Schadhafter Beton eines Querwerkes

Schadhafter Beton im Querwerk

Standsicherheit im Ereignisfall (Hochwasser) muss durch genauere Untersuchungen geprüft werden.

Geschiebeablagerungsplatz geräumt

Geräumter Geschiebe-Ablagerungsplatz

Ablagerungsplatz für Geschiebe geräumt und aufnahmefähig für Geschiebe, das im Zuge von Unwettern vom Wildbach mittransportiert wird. Auch derartige erwünschte Zustände werden dokumentiert um Veränderunegn sichtbar zu machen.