Inventurverfahren - TESIS

Wie funktioniert das Verfahren?

Bestandeskartierung und Stichprobenaufnahme werden in zwei getrennten Arbeitsschritten durchgeführt.

Für die Kartierung stehen flächendeckend (Falsch)-Farbenbilder und daraus gerechnete Farborthofotos und Laserscanningdaten (ALS) des Landes Tirol zur Verfügung, die bei der Kartierung deutliche Verbesserungen und Zeitersparnis ermöglichen.

Die Kartierung ist Grundlage für die Erstellung eines Stichprobendesigns, bei dem die Stichprobenanzahl nach den örtlichen Gegebenheiten ertragskundlich und kostenmäßig optimiert wird.

Für die Erhebungen stehen Arbeitsanleitungen und Pflichtenhefte der Abt. Forstplanung auf Anfrage zur Verfügung .

Auch die Stichprobe wird nach einem neuen Verfahren, dem  "Ein-Mann-Stichprobenverfahren" erhoben:

  • Bei der Winkelzählprobe mit dem Relaskop wird lediglich die Grundfläche je Baumart erhoben. Es werden dabei keine Durchmesser mehr gemessen.
  • Anschließend werden die Zentralstämme [Z - Stamm] je Baumart  und -bei mehr als 4 Bäumen je Baumart- zusätzlich der zweitstärkste Stamm (Oberhöhenstamm) angeschätzt.
  • Von den Zentralstämmen und den Oberhöhenstämmen werden die BHD´s sowie bei den Zentralstämmen die Höhen, Alter und Zuwachs gemessen.

Vergleich mit herkömmlichen Verfahren

Die ertragskundliche Überprüfung dieses Verfahrens erfolgte anlässlich eines Pilotprojektes in Brandenberg., wo die Bestandesaufnahme in einer Betriebsklasse parallel zu dem neuen Verfahren auch mit der herkömmlichen Methode durchgeführt wurde.

Die Ergebnisse waren überzeugend (Vergleich durchgeführt von Prof. Eckmüllner, BOKU Wien):

  • Über die verglichenen Stichproben weicht der V/ha um 4 vfm/ha (1,0%) und die Bonität um 0,4 DGZ100 (7,1%) ab. Die Abweichung der Bonität rührt vor allem von der Baumart Buche her. Beim herkömmlichen Verfahren wurde diese Baumart in den unteren Ertragsklassen extrapoliert, beim neuen Verfahren werden die Bonitäten 1 und 2 aus dem Funktionsschema errechnet.
  • Das durchschnittliche Alter unterscheidet sich um 4 Jahre, der Unterschied beim lfZ/ha liegt bei 0,5 vfm.
  • Die Standardabweichung der Vorratsdifferenzen beträgt rund +/- 50 vfm/ha, also durchschnittlich +/- 1 Baum je WZP. Dies ist in Verbindung mit der Grenzstammbehandlung zu betrachten.
  • Die Standardabweichung der Bonitätsdifferenzen ist +/- 1, was einer Oberhöhendifferenz von rund +/- 1-2 Meter entspricht !!
  • Keine der Abweichungen ist signifikant von Null verschieden, weder Bestockungsgrad noch V/ha, noch Bonität und auch nicht der lfZ. (Für Nicht- Statistiker: Die Unterschiede sind zufällig und nicht systematisch.)

Der Arbeitseinsatz im Pilotprojekt betrug für die Stichprobeninventur auf ca. 300 ha Ertragswald 20 Mann-Tage, was einer deutlichen Reduktion gegenüber der herkömmlichen Aufnahmedauer bedeutet.

Auf Grund der Komplexität des Verfahrens ist für die Bestandesaufnahmen forstlich geschultes Personal dringend zu empfehlen.