Waldzustandsinventur

Ergebnisse der Waldzustandsinventur im Schutzwald

Balkendiagramm: Kronenzustand im Schutzwald

Die seit 1984 bestehenden Probeflächen im Tiroler Schutzwald wiesen im Jahr 2008 den schlechtesten Benadelungs-/Belaubungsgrad aller Beobachtungsjahre auf. 28 % aller Bäume wurden als vollkommen benadelt, 38 % als leicht verlichtet eingestuft. Nach den ECE-Richtlinien waren 34 % aller Bäume als geschädigt zu bezeichnen. Davon wiesen 26 % mittlere und 7 % starke Kronenverlichtungen auf. 1 % aller Bäume auf den Probeflächen waren abgestorben.

Die Zusammenhänge zwischen Standort und Waldzustand wurden im Jahr 2005 eingehend untersucht, diese gelten nach wie vor und stellen sich wie folgt dar:

  • Je älter die Bäume auf Kalk- und Dolomitstandorten sind, desto schlechter ist ihr Kronenzustand. Im Zentralalpenbereich ist dieses Phänomen weniger deutlich zu beobachten.
  • Auf Kalk-Dolomit-Standorten ist der durchschnittliche Verlichtungsgrad der Fichte wesentlich höher als auf silikatischem Untergrund der Zentralalpen.
  • Die Kronenverlichtung ist geringer in Wäldern mit hohen Holzvorräten.
  • Die Kronenverlichtung nimmt mit zunehmender Seehöhe ab.
  • Entsprechend der Verteilung der potenziellen Waldgesellschaften ergibt sich ein schlechterer Kronenzustand im Fichten-Tannen-Buchen-Wald (gemäßigte und trockene Ausprägung) und im arm-trockenen Bereich des montanen Fichtenwaldes.
  • Erwartungsgemäß zeigen Bäume mit besseren Kronenzuständen im Laufe der letzten 20 Jahre höhere Zuwächse.

Viele Einflussfaktoren auf den Wald

Eine Fülle von Faktoren sind maßgebend für die Vitalität des Waldes. Neben

  • extremen Witterungsbedingungen (Hitze, Trockenheit, Sturm, ect.)
  • Schäden durch Krankheitserreger (z.B. Borkenkäfer, Pilze)
  • Auswirkungen intensiver landwirtschaftlicher Nutzungsformen (früher Streugewinnung, Waldweide

spielen direkte und indirekte Wirkungen der Luftschadstoffe eine bedeutende Rolle für den Gesundheitszustand des Waldes.

Schlussfolgerungen aus der Waldzustandsinventur

  1. Luftschadstoffbelastung muss abnehmen
    Die Belastungen des Waldes durch alle vom Menschen beeinflussbaren Stressfaktoren müssen weiter vermindert werden. Dies gilt insbesondere für die Luftbelastung durch Ozon und Stickstoffverbindungen. Für den Wald sind die derzeitigen Stickoxid-Belastungen und Stickstoffeinträge sowie die Ozonbelastung immer noch zu hoch. Die kritischen Belastungswerte für den Wald (sog. "critical loads") werden beim Ozon auf einem Großteil der Waldfläche überschritten. In der Nähe der Ballungsräume wird auch der vegetationsbezogene Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten. Daher gilt es, die Bemühungen zur Luftschadstoffentlastung weiter zu forcieren.
  2. Damit der Schutzwald die Klimaveränderungen ohne Funktionsverluste übersteht, ist eine gezielte Förderung aller Baumarten notwendig. Dabei geht es in erster Linie um jene Baumarten, die von Natur aus auf den jeweiligen Waldstandorten vorkommen. Dies gewährleistet, dass die Böden optimal aufgeschlossen werden, die Gefahr von Windwürfen und Schädlingsvermehrungen verringert wird und die Schutzfunktion nachhaltig erhalten bleibt. Als Grundlage für die standortsgemäße Verjüngung wird derzeit eine Waldtypisierung durchgeführt.
  3. Schutzwaldverjüngung weiterführen
    Der in Tirol eingeschlagene Weg zur konsequenten Unterstützung der Schutzwaldverjüngung erweist sich als richtig. Im Bereich der Kalkalpen sind die diesbezüglichen Anstrengungen mit besonderem Nachdruck fortzuführen, wobei Schäden durch Wild und Weidevieh keine Verjüngungshemmnisse bilden dürfen. Das Land Tirol stellt daher auch in Zukunft die Beratungsaufgaben des Forstdienstes zur Schutzwaldverjüngung in den Mittelpunkt und wendet weiterhin gemeinsam mit dem Bund und der EU beträchtliche Mittel zur Verjüngung des Tiroler Schutzwaldes auf.

Inhaltliche Rückfragen zum Thema Wald richten Sie an:  waldschutz@tirol.gv.at