Hort im Fokus
Der Hort ist ein Ort, an dem täglich anspruchsvolle Beziehungsarbeit, Bildungsbegleitung und Freizeitpädagogik zusammenkommen. Kinder werden hier nicht nur betreut, sondern in ihrer Entwicklung begleitet, gestärkt und im Alltag unterstützt.
Mit diesem Interview möchten wir den Hort bewusst in den Mittelpunkt rücken und sichtbar machen, wie vielfältig, verantwortungsvoll und bereichernd die pädagogische Arbeit in diesem Bereich ist.
Unser Gesprächspartner Dominik Lieb, Leiter im Hort des Kinderhaus Miteinander in Wörgl, hat seinen Weg in den Hort über den zweiten Bildungsweg gefunden und steht damit beispielhaft für die unterschiedlichen Wege, die in die Pädagogik führen können. Gleichzeitig freuen wir uns über männliche Fachkräfte in pädagogischen Berufen, die nach wie vor unterrepräsentiert sind und das Team mit zusätzlichen Perspektiven bereichern. Sein Werdegang zeigt, dass der Hort ein Berufsfeld mit Sinn, Verantwortung und vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten ist.
Im Interview spricht der Hortleiter über seinen Berufsalltag, über die Balance zwischen schulischen Anforderungen und Freizeitgestaltung sowie über die Zusammenarbeit mit Kindern, Eltern und Schulen – und darüber, was ihm an der Arbeit im Hort besonders wichtig ist.

Sie haben vor Kurzem die Ausbildung zum Hortpädagogen über den zweiten Bildungsweg abgeschlossen. Was hat Sie dazu bewogen, dieses Berufsfeld zu wählen?
Schon während meiner Ausbildung zum Kindergartenpädagogen interessierte mich das Berufsfeld Hort. Da ich aber damals den internationalen Zweig gewählt habe, kam die Ausbildung nicht zustande. Den Gedanken in den Hort zu wechseln, habe ich aber nie verloren und als dann das Angebot aus Wörgl kam, war für mich klar, dass ich nun diesen Weg einschlage.
Wie würden Sie das Berufsfeld Hort beschreiben – was ist das Besondere an dieser pädagogischen Arbeit?
Was unsere Arbeit so besonders macht, ist dass jeder Tag andere Themen und Herausforderungen bringt. Es ist unmöglich den Beruf der Hortpädagog*innen in ein Wort zu fassen, da man viele Rollen in einer Person vereint, egal ob Lehrer oder Begleiter. Die Kinder vertrauen sich uns an und wir sind für sie da.
Im Hort treffen schulische Anforderungen, Freizeitgestaltung und soziale Entwicklung aufeinander.
Wie gelingt es Ihnen und Ihrem Team, diese unterschiedlichen Bereiche zu verbinden und den Kindern einen ausgewogenen Tagesablauf zu bieten?
Bei uns in der Einrichtung gibt es Fixpunkte im Tagesablauf wie die Hausaufgabenzeit, die den Kindern Orientierung im Alltag geben. Dazwischen bieten wir verschiedene Angebote an, etwa Werkarbeiten, Bewegungsangebote oder seit Neustem einen Forscherbereich. So können die Kinder je nach Interessen selbst wählen, welcher Beschäftigung sie nachgehen wollen. Am Freitag findet bei uns immer der Ausflugstag statt an dem wir Spielplätze besuchen, Sportarten ausprobieren oder Firmen besichtigen.
Die Zusammenarbeit mit Eltern und Schulen ist ein zentraler Bestandteil der Hortarbeit.
Wie gestalten Sie diese Bildungs- und Erziehungspartnerschaft im Alltag, und welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Nach meinem ersten Jahr als Hortleitung ist mir aufgefallen, dass der Kontakt zwischen Schule und Hort oft nur dann stattfindet, wenn es sensible oder schwierige Themen zu besprechen gibt. Aktuell verfolgen wir den Ansatz, dass wir versuchen, Rückmeldungen an die Klassenlehrer zu geben, um auch die positiven Lernfortschritte und Entwicklungen besser im Auge zu behalten.
In der Arbeit mit den Eltern habe ich schon Erfahrungen in beide Richtungen erlebt. Sowohl Eltern, welche sehr bemüht sind, die Anregungen und Beobachtungen des Hortes zuhause umzusetzen, um die Kinder bestmöglich zu fördern. Leider habe ich jedoch auch erlebt, dass der Hort aus Sicht der Eltern dazu da war, das Kind abzugeben und sich weniger um die schulischen Themen kümmern zu müssen.
Was möchten Sie anderen Einrichtungen oder Kolleg*innen mitgeben, wenn es um die Arbeit im Hort geht?
Oft entsteht der Eindruck, mit den eigenen Herausforderungen alleine zu sein. Umso wichtiger ist der Austausch mit anderen Einrichtungen, um so verschiedene Perspektiven kennenzulernen und neue Lösungswege zu entwickeln.