Das Alte Landhaus
Landtagspodcast “Adlerohren” | Folge #4
Transkript
Hinweis: Gesprächsbeiträge im Tiroler Dialekt werden inhaltlich in Hochdeutsch übersetzt.
Tatjana Lukas (Moderatorin):
Warst du schon einmal im alten Landhaus? Innerhalb dieser Mauern, die drei Jahrhunderte an Tiroler Geschichte erlebt haben, in dem über Generationen hinweg politische Entscheidungen getroffen worden sind. Die Luft ist ein bisschen kühler als draußen, deine Schritte hallen auf dem Steinboden, über dir wölben sich hohe Decken mit kunstvollen bunten Fresken. Wie viele Menschen hier wohl eigentlich schon gestanden haben? Vor 100 Jahren, vor 200 Jahren, vor 300 Jahren. Wer hat sich all das ausgedacht? Wer hat's bezahlt? Und was tut man eigentlich, wenn in so einem barocken Prachtbau mal etwas kaputt geht? Wir erforschen heute gemeinsam das Alte Landhaus, eines der bautechnisch wohl bestüberwachten Gebäude in Tirol und holen längst vergessene Geschichten vor den Vorhang. Ich bin Tatjana Lukas und das ist „Adlerohren“, ein Podcast über Geschichten aus dem Tiroler Landtag. Folge 4 Das Alte Landhaus oder Ein Gebäude als Geschichtenspeicher. Das Alte Landhaus in der Maria-Theresien-Straße ist seit Jahrhunderten der Tagungsort des Tiroler Landtags. Vor der Tür rauscht an diesem strahlenden Frühlingstag das Leben. Die Sonne scheint, Taxis brausen, die rote Niederflurstraßenbahn warnt mit ihrem Gebimmel die vorbeischlendernden Passantinnen und Passanten. Und ich stehe mittendrin und suche Tirolerinnen und Tiroler, die mir eine Frage zum alten Landhaus stellen. Tatsächlich ist es in der Landeshauptstadt Innsbruck eine leichte Übung. Die Menschen hier sind durchwegs freundlich. Brigitte, eine adrette Dame in Begleitung ihres vierjährigen schüchternen Enkelkindes, stellt für groß und klein die erste und wichtigste Frage, die mir während meiner Straßenumfragen noch öfter begegnet.
Passantin:
Ich bin die Brigitte, bin 72 und frage mich, was ist das für ein Haus?
Lukas:
Und nicht nur Brigitte weiß bisher nicht, welches geschichtsträchtige Gebäude sie vor sich hat. Auch Susanne würde gern mehr erfahren.
Passantin:
Hallo, ich bin Susanne und bin 30 Jahre alt und wollte wissen, was das für ein Haus ist.
Lukas:
Dann starten wir also ganz am Anfang. Das Alte Landhaus hier in der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße fällt schon allein durch sein Aussehen auf. Ein beinahe 300 Jahre alter Barockbau, der mit seinen reich geschnitzten Eingangstoren aus Nussbaumholz ein bisschen den Eindruck eines Palastes erweckt. Er wurde ab 1725 als Tagungsort des Tiroler Landtags gebaut. Baubeginn also exakt vor 300 Jahren. Und wie damals wird auch heute noch in seinen Räumen debattiert und das Budget verhandelt. Weil wir es immer genau wissen wollen, haben wir uns für die heutige Folge Dr. Christoph Haidacher eingeladen. Der Landesarchivdirektor kennt sich mit Tiroler Geschichte aus. Genau der Richtige also, um uns mitzunehmen in eine Zeit, als die Gesellschaft noch ganz anders funktioniert hat.
Christoph Haidacher:
Landtage haben früher im Freien stattgefunden, weil eben die Räumlichkeiten in dieser Größe nicht verfügbar waren. Man hat dann im 16. Jahrhundert ein Haus gekauft in der Altstadt, wo eine entsprechende Stube vorhanden war, also eine Landtagsstube. Also in so einer Art Stube war sicher nur ein Ausschuss des Landtags anwesend. Anwesend, da spricht man von einer Größenordnung von ein, zwei Dutzend Personen. Wie leicht abzusehen ist, wurde der Platz bald zu knapp. Und man hat begonnen, über einen neuen Ort nachzudenken. Man hat zunächst einmal ein Gebäude gekauft, und zwar das sogenannte Harnischhaus. An der Stelle, wo heute eben das sogenannte Alte Landhaus steht. Dort waren seit Maximilianszeiten Harnische, Rüstungen etc. untergebracht. Zunächst hat man ein landständisches Archiv, also das Archiv des Landtags, eingerichtet. Es hat sich aber gezeigt, dass dieses Gebäude sehr, sehr baufällig war. Und dann hat man eben entschieden, ein neues repräsentatives Gebäude zu errichten. Der engere Ausschuss des Landtags hat mehrheitlich dafür gestimmt. Aber der Prälat von Gries bei Bozen hat Bedenken geäußert, man möge in dieser schwierigen Zeit mit diesem Bau noch zuwarten und lieber sparen. Also durchaus Überlegungen, die es auch heute immer wieder gibt bei solchen Projekten.
Lukas:
Um zu verstehen, warum es Bedenken gab, werfen wir einen Blick auf die damalige politische Lage. Der Zeitpunkt für ein großes Bauprojekt war nicht ganz unproblematisch. Der Spanische Erbfolgekrieg ist beendet und auch die Türken im Osten sind besiegt. Aber die Feldzüge sind ordentlich ins Geld gegangen. Doch gerade in dieser Zeit feierten Herrscher ihre Siege durch den Bau repräsentativer Gebäude als Zeichen ihrer Macht. Ein prachtvolles Landhaus zu errichten, lag also durchaus im Trend. Doch welchem Baumeister ist schließlich die Ehre zugekommen, das Alte Landhaus umzusetzen? Das fragt sich auch Passant Abdullah auf der Innsbrucker Maria-Theresienstrasse.
Passant:
Hallo, ich bin 21 Jahre alt. Mein Name ist Abdullah Haddakis. Dieses Haus ist sehr schön. Wer hat das Haus gebaut?
Haidacher:
Es war ein renommierter Barockbaumeister, Georg Anton Gumpp, der hier die Pläne entwickelt hat, und auch angeboten hat, dass er das Haus oder dieses Gebäude sozusagen zum Selbstkostenpreis errichtet, dass er für sich keinen Gewinn herausschlägt, sondern eben das, was anfällt, an Kosten nur weitergibt. Im konkreten Fall hat es natürlich nicht der Landesfürst bezahlt, sondern die Landstände. Insofern ist die Errichtung dieses prachtvollen Baus ein gewisses Paradoxon, weil der Bau verkörpert Repräsentation und Macht und die reale Macht der Landstände war damals relativ gering. Also der starke Mann war zu jener Zeit der Landesfürst.
Lukas:
Schon ein Jahr nach Baubeginn war die Dachkonstruktion errichtet. Ein wichtiger Meilenstein.
Haidacher:
Man hat eigentlich zunächst sehr, sehr rasch gebaut. Also die Dachgleiche ist nach einem Jahr erreicht worden, so 1725. 1728 ist eigentlich die Außenhülle, der Rohbau, komplett fertig. Die Ausstattung dauert dann allerdings bis 1732. Andererseits, wenn man sich hier umsieht, kann man sich vorstellen, dass diese prunkvolle Ausstattung natürlich auch ihre Zeit erfordert.
Lukas:
Prunkvolle Ausstattung, genau das bringt uns zur nächsten Frage von Passantin Lotte.
Passantin:
Ich bin Lotte und ich bin 23. Gibt es im alten Landhaus irgendwelche lässigen Gemälde, Kunstwerke oder Freske?
Lukas:
Um diese Frage zu beantworten, holen wir uns die Expertise von Magistra Gabriele Neumann. Sie ist seit über 30 Jahren beim Bundesdenkmalamt tätig und kennt das Alte Landhaus in- und auswendig.
Gabriele Neumann:
Georg Anton Gumpp hat 1725 mit dem Bau dieses Landhauses begonnen, nach der Vorlage eines italienischen Barockpalais. Das Alte Landhaus zeigt eine Gliederung wie ein italienisches Barockpalais, barocke Stuckaturen schon an der Außenfassade und zentral sehr große Fenster, die dann auch schon auf dem Raum dahinter im zweiten Obergeschoss, nämlich den Landtagssitzungssaal, verweisen. Darunter, durch einen Balkon gekennzeichnet, befinden sich die Räume des Landeshauptmannes. Zum Innenhof hin gibt es Seitenflügel, wo dann verschiedene Büros auch untergebracht sind. Und diesen Hof beschließt an der vierten Seite die Georgskapelle, also die Landhauskapelle, die ebenfalls wunderschöne Stuckaturen aufweist und auch im Inneren ein Juwel der Barockkunst ist.
Lukas:
Wer genau hinhört, erkennt vielleicht schon am leichten Hall und dem gelegentlichen Klingeln der Straßenbahn, dass wir unsere Gespräche direkt im Landtagssitzungssaal führen. Ein Raum, der nicht nur architektonisch beeindruckt, sondern auch voller Symbolik steckt.
Neumann:
Im Landtagssitzungssaal zeichnet sich wie in der Barockzeit überhaupt ein barockes Theater ab. Es werden Anspielungen gemacht, was wichtig ist für das Land Tirol. Also das ist einerseits einmal die Gliederung des Raumes mit Säulen und Pilastern aus Stuckmarmor, dazwischen Felder, die reich Stuckzierrat tragen. Es gibt dann die Landesfürsten, die in den Nischen stehen, die eben auch eine wichtige Rolle gespielt haben für die Tiroler Geschichte. Leopold, Karl Philipp, Leopold I. und auch Karl von Lothringen. Und dann gibt es eben Fresken, die auf die Talschaften Tirols verweisen.
Lukas:
Auch Dr. Haidacher ist von diesen Fresken fasziniert, die aus Zeiten kommen, als Tirol sich noch bis zum Gardasee erstreckt hat.
Haidacher:
Was mich eben fasziniert, ist die Darstellung der historischen Landschaften Tirols hier im Landtagssitzungssaal, beginnend mit dem Vintschgau als Kornkammer, mit dem Etschtal, mit dem Weinbau, dem Eisacktal, wo durch die Andeutung von Mitra dem Bischofsstab eben der Bischofssitz Brixen thematisiert wird, das Pustertal mit seiner Viehwirtschaft, das Inntal mit Handel und Bergbau und natürlich das Silltal, wo ganz bewusst auf die historische Sage Bezug genommen wird, in der der Riese Haymon den Drachen erschlägt. Was mich natürlich auch freut, man hat damals schon im Deckengemälde Bezug genommen auf den Begründer des Landes Tirols, auf Graf Meinhardt II. Im späten 13. Jahrhundert, der ja das Land Tirol in seiner heutigen Form letztlich geschaffen hat.
Lukas:
Graf Meinhard II. werden symbolisch die Schätze des Landes dargereicht. Die Arbeit seiner Menschen, Friede, Wissenschaft und Glaube. Damit schwebt über den Köpfen des Landtags auf besonders eindringliche Weise die Botschaft. Tirol soll in Frieden und Wohlstand bestehen. Doch wie lautet die bekannte Metapher? Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers. Auch im prachtvollen Landhaus mussten immer wieder Anpassungen vorgenommen werden. Magistra Gabriele Neumann erklärt, wie man dabei mit Fingerspitzengefühl vorgeht.
Neumann:
Wie bei jedem anderen Gebäude spielt es immer eine Rolle, ob ein Eingriff in die Substanz, in das Erscheinungsbild oder die künstlerische Wirkung erfolgt. Und so war das dann auch, als man an die Restaurierung des Landtagsaales gegangen ist. Wir hatten da zuletzt einen Teppichboden herinnen und historisch natürlich war es immer ein Holzboden und das hat man dann ausgetauscht. Was die Gelegenheit geboten hat, viele Leitungen für Elektrik, die man einfach braucht für Beschallung und Videoaufnahmen und sonstige Funktionen im Bodengeschick zu verstecken. Und natürlich braucht es da auch dann im Vorfeld Vorbereitungen wie restauratorische Befundungen und genaue Untersuchungen. Musterarbeiten und auch die Bemusterung der Bestuhlung, der Sitzgelegenheiten, dass sich das einfach alles sehr gut in den Raum einfügt. Und wenn wir dann nach oben schauen, nachher sehen wir einen neuen Beleuchtungskörper. Diese ovalen Leuchten, die waren anfangs eine recht große Diskussion, denn es gab hier einen großen Swarovski-Kristallluster von 1984, der eigentlich auch ganz gut in den Raum gepasst hat, aber man wollte dann doch insgesamt eine bessere Beleuchtung und ein zeitgemäßes Bild. Und so ist dann eigentlich auch über einen längeren Entwicklungsprozess diese Beleuchtung gekommen. Da sind wir eigentlich sehr glücklich, dass sich das gut mit der Bestuhlung zusammenfügt.
Lukas:
Über eine andere Entdeckung während dieser Renovierungsphase war Frau Neumann hingegen weniger erfreut.
Neumann:
Wir sitzen jetzt da ganz entspannt im Zentrum des Raumes. Vor wenigen Jahren wäre ich mit dem Hintergrundwissen vielleicht nicht ganz so entspannt gesessen, denn im Zuge der Vorbereitung der Restaurierungsarbeiten hat man festgestellt, dass die barocke Stuckdecke oder die Bemalung auch so leicht nach unten hängt. Das ist ein relativ typisches Phänomen für barocke Decken, weil sich dann oft durch leichte Schwingungen, auch durch klimatische Veränderungen die Befestigung beginnt zu lösen. Das hat man genau im richtigen Moment zum Glück bemerkt und konnte dann die Decke wieder sehr gut nach oben verankern. Also vor Überraschungen im historischen Bereich ist man eigentlich nie ganz gefeit.
Lukas:
Mit Frau Neumann als Führerin durchs Alte Landhaus verlassen wir nun den Sitzungssaal. Kaum sind wir durch die schwere Holztür getreten, stehen wir vor einer monumentalen Treppenanlage, die von der Halle im Erdgeschoss bis in das zweite Stockwerk führt.
Neumann:
Wir befinden uns im barocken Prunkstiegenhaus, das auch ganz reich mit Stuck ausgestattet ist. Zentral haben wir den Tiroler Adler, der an der Decke angebracht ist.
Lukas:
Dieser mächtige Tiroler Adler, geschaffen von Ingenuin Lechleitner, breitet seine Schwingen über unseren Köpfen aus und hält dabei die Landkarte Tirols in seinen Fängen, von Kuefstein bis zum Gartsee, also dem heutigen Gardasee. Doch Gabriele Neumann sieht mehr als nur die prachtvolle Kunst.
Neumann:
Als Denkmalpflegerin fallen mir natürlich auch immer andere Geschichten zu einem Stiegenhaus ein, denn es gehört mit zu den schwierigsten Aufgaben, dass die Stiegenhäuser auch als Fluchtwege funktionieren und man auch sicher in den Gebäuden ist. Also wenn man jetzt da schaut, sieht man immer zu den Gängen hin Brandschutztüren, die einfach notwendig sind, damit im Fall des Falles dann auch die Türen geschlossen werden können und man sicher aus dem Stiegenhaus ins Freie kommt.
Lukas:
An diesem Punkt kommt die Liegenschaftsverwaltung des Landes ins Spiel. Sie kümmert sich um Reparaturen, Renovierungen, die Vergabe von Räumen, technische Infrastruktur und auch um die Sicherheit und Reinigung. Edmund Stubenböck vom Fachbereich Technik der Abteilung Liegenschaftsverwaltung arbeitet regelmäßig mit dem Denkmalamt zusammen. Und er hat zur Prunkstiege eine besondere Geschichte beizusteuern.
Edmund Stubenböck:
Wir sind eine recht große Abteilung mit über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und haben eine spannende Aufgabe, und zwar, dass wir mit unter den alten Trakt des Landhauses instand halten und pflegen. Da ist morgendlich die Kontrolle von der Reinigung und eine Dame unserer Reinigung hat entdeckt, dass da ein Teil von dieser Skulptur, heruntergebrochen war und hat das im Vorzimmer gemeldet, wie es bei uns bei üblich ist und es ist dann weitergeleitet worden und wir haben dann den Restaurator beauftragt wieder in Abstimmung mit dem Denkmalamt dass man das wieder, so restauriert, dass man es nicht sieht, dass das heruntergebrochen war. Wir wissen bis heute noch nicht, wie es passiert ist, aber es ist halt viel Bewegung, viel Frequenz.
Lukas:
Wenn im alten Landhaus also etwas passiert, wird es sofort gemeldet. Die zentrale Sammelstelle für alle Vorkommnisse ist das Portierbuch. Edmund Stubenböck gibt Einblick in dieses bewährte System.
Stubenböck:
Wir haben die alte Kontrolle noch, dass der Portier eintragt und Auffälligkeiten dokumentiert. So ist es ganz einfach am Montag wieder nach dem Wochenende für uns ersichtlich, was ist passiert? Ist was Besonderes passiert? Gibt es was? Das können wir noch aufarbeiten und starten nachher so in die Woche. Mit hoffentlich wenig Einträgen ins Portierbuch.
Lukas:
Wir treffen Edmund Stubenböck später wieder, um mit ihm dann den Rokoko-Saal und den Dachboden zu erkunden. Doch zuerst besuchen wir mit Frau Neumann die Säulenhalle. Den Raum, in dem die Originalfiguren der Annasäule untergebracht sind und von dem aus man einen perfekten Blick auf die pittoreske Georgskapelle hat.
Neumann:
Wir befinden uns hier jetzt in der Säulenhalle, die sich vor dem Büro des Landeshauptmanns im ersten Obergeschoss befindet. Dieser Raum sollte auch zunehmend für Repräsentationszwecke, für kleine Ansprachen verwendet werden. Und was man jetzt kaum merkt, es gab riesige akustische Probleme. Wir haben einen Steinboden, wir haben alles glatte Wände und da hallt es dann unheimlich, sodass eigentlich keine Rede in diesem Bereich zu halten gewesen wäre. Und vor einigen Jahren hat man dann, nachdem verschiedene Akustikervorschläge auf dem Tisch waren, eine Lösung erarbeitet. Wir haben hier in den nicht gestalteten Deckenfeldern Akustikdecken abgehängt, die eigentlich kaum jemandem auffallen, der den Raum durchquert. Wir haben an der Stirnseite noch einmal bildartige Akustikpaneele und auch an der Fensterseite seitlich Akustikflächen und natürlich einen Teppich, sodass es dann durchaus möglich ist, an diesem recht zentralen Ort vor dem Büro des Landeshauptmannes auch einen kleinen Empfang zu geben oder eine Rede zu halten. So gehört das zur Alltagsarbeit des Denkmalpflegers, der Denkmalpflegerin, dass man auf die Probleme, die sich in der Nutzung eines Objektes ergeben, die bestmögliche Lösung findet und dann eigentlich auch die Nutzung der einzelnen Bereiche von so einem Gebäude wirklich bestmöglich ist. Und die Entscheidungen, was genau dann wie und wo verwendet wird, da reden wir schon sehr stark mit. Aber meistens ist es so, dass so ein Projekt ja in Zusammenarbeit mit Architekten, Architektinnen oder sonstigen Gestaltern entwickelt werden. Also auf der Basis von einem Vorschlag wird einfach auch diskutiert, was ist da die beste Lösung. Für uns ist es immer so, alt und neu, das kann ja auch eine gute Verbindung eingehen. Es ist uns nur wichtig, dass die Elemente nicht störend im Raum wirken oder dann auch Eingriffe in die Substanz notwendig werden, denn auch für Akustikpaneele wird man nicht schöne Stuckelemente anbohren wollen. Zu den Standards der Baudenkmalpflege gehört als Startpunkt eine genaue Erforschung des Objektes. Aber im Grunde ist es da eigentlich immer schon ein Team, wo Bauforscher, Restauratoren, Architekten, die von der zuständigen Abteilung der Landesverwaltung, also Hochbau- oder Liegenschaftsabteilung. Da kommt dann sein Team fast wöchentlich an der Baustelle zusammen, um dann wirklich im Bauablauf die einzelnen Entscheidungen zu treffen. Also wird da einfach immer nicht die erstbeste, sondern die beste Lösung gesucht.
Lukas:
Doch zurück zu unserem Rundgang. Wir stehen immer noch in der Säulenhalle, durch die während unseres Gesprächs konzentrierte Menschen auf dem Weg zum Büro des Landeshauptmannes eilen.
Neumann:
Hier von diesem Vorraum vor dem Büro des Landeshauptmannes hat man dann auch einen sehr guten Blick in den Innenhof. Und da sehen wir die Georgskapelle vor uns. Und da sehen wir einerseits, dass auch moderne Kunst im Landhaus Einzug halten kann. Die Nischen, die an der Fassade der Georgskapelle sind, sind von Lois Anvidalfarei gestaltet worden.
Lukas:
Die imposanten, dunklen Skulpturen des Künstlers Lois Anvidalfarei sind von der Legende des heiligen Georgs inspiriert und thematisieren den Kampf zwischen Gut und Böse, sowohl im Einzelnen als auch in der Gesellschaft. Die Idee, dieses zeitgenössische Werk in die barocke Architektur zu integrieren, stammt vom damaligen Landeshauptmann Herwig van Staa.
Neumann:
Auffallend oder eben auch nicht auffallend ist hier im Innenhof, ist, dass wir, wenn wir ganz genau schauen, rechterhand von der Georgskapellenfassade im Durchgang, sehen wir eine Reflexion, einen Spiegel. Dahinter verbirgt sich ein Lift. Also die barrierefreie Erschließung von weiten Teilen des Landhauses wird von diesem Lift hier wahrgenommen. Ein sehr geschickter Kunstgriff des Architekten Hanno Schlögl. Bei jedem öffentlichen Gebäude ist es unser großes Anliegen, dass man im Zuge von Generalsanierungen, Umbaumaßnahmen auch die Barrierefreiheit schafft.
Lukas:
Nun fehlt nur noch ein letzter Raum, der vielgenutzte Rokoko-Saal. Ein Beratungszimmer im nördlichen Flügel des zweiten Stocks, das für Ausschusssitzungen, Tagungen, aber auch für Konzertveranstaltungen und Lesungen genutzt wird. Unser Guide für diesen Raum ist Edmund Stubenböck, der die Renovierung dieses Saals geleitet hat.
Stubenböck:
Jetzt sind wir im Rokoko-Saal. Der befindet sich auf der Nordseite von dem Trakt. Da haben wir einen Auftrag gekriegt, dass wir den wieder ein bisschen erhellen und erneuern. Aber nicht so, dass wir alles rausreißen, sondern wir haben den Boden abgeschliffen, haben die EDV ertüchtigt. Das heißt, wir haben Bodendosen neu gemacht, weil ganz viele Konferenzen da stattfinden. Wir haben ein ganz modernes Videokonferenzsystem. Wir haben malen lassen, auch die ganzen Stuckdecken wieder hergerichtet, haben die Vorhänge gewaschen mit unserer Reinigung, auch alles mit dem Denkmalamt abgestimmt, sonst wäre es nicht so.
Lukas:
Die letzte Station unserer Tour bekommen nur wenige Menschen zu sehen oder zu hören. Es geht jetzt hinauf auf den Dachboden. Ein Ort, der genauso aussieht, wie man sich einen alten Dachboden vorstellt. Ein ruhiger, fast vergessener Raum. Das Holz knarzt leise bei jedem Schritt. Durch kleine Spalten fällt gedämpftes Licht, das Staubpartikel schweben lässt. Kühle Luft zieht durch die Dachbalken. Hier lagern technische Anlagen, Lüftungssysteme und gelegentlich auch ein paar Möbel.
Stubenböck:
Jetzt sind wir im Dachboden. Es sind nur begrenzte Möbel da, die unter dem Jahr ausgetauscht werden und Servergeräte, man hört es im Hintergrund, und Kühlungen bzw. Lüftungsgeräte und Verkabelungen, die da auch von uns überprüft werden und gewartet werden. Und was wir im Dachboden eher machen, ist, was zu Gebäudekontrollen gehört. Das heißt, wir schauen, wenn es Wetterereignisse gibt, wie Sturm oder Schlagregen, dass wir bei der Ziegeldeckung schauen, dass es dicht ist. Das gehört auch zu unserem Aufgabengebiet, weil es oft in Innsbruck natürlich föhnig ist und windig. Das wissen wir, mittlerweile ist auch Sturm ein Thema. Und ja, das gehört auch zu unserer Aufgabe, dass wir da die Kontrollen durchführen und schauen, dass alles so beieinander ist, wie es gehört. Man muss natürlich bei den Gebäuden immer aufpassen. Das ist unsere Aufgabe auch, wir können das dokumentieren. Man kann nicht alles ausschließen, aber viel, sagen wir so.
Lukas:
Auch wenn es auf den ersten Blick nicht zu wirken mag, erfüllt der Dachboden eine offizielle Aufgabe.
Stubenböck:
Wie schon angesprochen, gibt es in dem Bereich eine Beflaggung. Also wenn der Landtag tagt, sagen wir so, wie lange auch immer wird da die Flagge gehisst.
Lukas:
Die Tiroler Landesflagge ist dann an ihrem Fahnenmast am Dach des alten Landhauses weithin zu sehen. Damit sind wir heute mit unserem Rundgang fertig. Im Rückblick freut es mich besonders, dass sich über 300 Jahre lang Menschen mit großer Hingabe um das Alte Landhaus gekümmert haben. Gabriele Neumann ist sich sicher, dass das auch in Zukunft so bleiben wird.
Neumann:
Die Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft als weiterhin funktionierender Sitz des Landtages, die wird das Gebäude ganz automatisch schlagen, wenn es weiterhin so gut gepflegt wird, wie es derzeit gepflegt wird.
Lukas:
Dieses Versprechen halten stellvertretend Menschen wie Edmund Stubenböck.
Stubenböck:
Also ich persönlich bin stolz, dass ich da arbeiten darf und dass ich da einen Dienst verrichten kann. Man geht ein bisschen mit einem anderen Gefühl ein. Das Gefühl ist, wenn ich es kurz ausdrücke, ist immer ein bisschen Respekt und Stolz. Das trifft es.
Lukas:
Vielen Dank fürs Zuhören. Wir hoffen, dass ihr den Rundgang durch das Alte Landhaus spannend gefunden habt. Für alle, die jetzt selbst einen Blick in die altehrwürdigen Räume werfen wollen, denen können wir die virtuelle 360-Grad-Tour empfehlen. Den Link dazu packen wir euch in die Shownotes. Und wenn euch diese Folge gefallen hat, dann abonniert bitte Adlerohren Tiroler Landtagsgeschichten auf eurer bevorzugten Podcast-Plattform. Lasst uns eine sehr gute Bewertung da und teilt uns eure Gedanken dazu mit unter adlerohren.tirol.gv.at oder auf unseren Social-Media-Kanälen. Euer Feedback ist uns wichtig! In der nächsten Folge von Adlerohren geht es darum, welche Rituale den Rahmen für den Tiroler Landtag bilden. Warum sind solche Rituale nicht nur Formsache, sondern essentiell für politische Arbeit? Was sind eigentlich Usancen und wie beeinflussen sie das Miteinander im Tiroler Landtag? Und haben sich manche Rituale über die Jahre auch verändert? Wir freuen uns, wenn ihr auch das nächste Mal wieder mit dabei seid. Servus, Pfiat euch und bis zum nächsten Mal!