Ein Like für Demokratie
Landtagspodcast “Adlerohren” | Folge #12
Transkript
Hinweis: Gesprächsbeiträge im Tiroler Dialekt werden inhaltlich in Hochdeutsch übersetzt.
Tatjana Lukas (Moderatorin):
Politik im Landtag. Da stellt man sich auf Anhieb erwachsene Abgeordnete vor, die lautstark diskutieren und Gesetze beschließen. Im alten Landhaus kommen aber auch immer wieder junge Menschen zusammen, um zu verhandeln, Bedürfnisse aufzuzeigen und demokratische Prozesse zu verinnerlichen. Und das schauen wir uns heute genauer an. In dieser Folge geht es um Jugend und Demokratie, um politische Formate wie der Schüler:innenparlament und um die Frage, wie verändert sich die Gesellschaft, wenn junge Menschen politisch mitbestimmen. Ich bin Tatjana Lukas und das ist Adlerohren, ein Podcast über Geschichten aus dem Tiroler Landtag. Folge 12 – Ein Like für Demokratie oder Politik für Jugendliche läuft im Landtag. Stell dir vor, du bist ein junger Mensch und stehst im historischen Sitzungssaal des Tiroler Landtags. Pathosalarm! Wie viele Menschen mögen hier schon gestanden haben und wie viele junge Menschen haben hier bereits für eine Zukunft in ihrem Sinne argumentiert? Die Abgeordnete Zeliha Arslan jedenfalls beobachtet im Hier und Jetzt, dass immer mehr junge Menschen sich dafür entscheiden, ihre Welt aktiv mitgestalten zu wollen.
Zeliha Arslan:
Es aber eine Trendwende gibt, die mich sehr stolz macht, die mir aber auch sehr viel Hoffnung gibt, weil jetzt immer mehr Jugendliche und auch Kinder die Zukunft mitgestalten wollen. Und das sogar lautstark und auf Demonstrationen gehen und Sachen fordern, dass wir als Politikerinnen und Politiker auch Schreiben bekommen von Kindern, von Jugendlichen, die sagen, wir wollen gerne das umgesetzt haben und das umgesetzt haben.
Lukas:
Die junge Generation will also aktiv mitmischen. Wie erklärt sich Zeliha Arslan diese steigende Motivation?
Arslan:
Ich glaube, das hat auch was mit der Änderung, würde ich sagen, von der Erziehung her, von zu Hause. Es werden viel mehr Mitspracheformate geschaffen, auch in den Schulen, dass auch viele Pädagoginnen und Pädagogen tagesaktuelle Themen besprechen müssen, weil die natürlich auch über Kinder und Jugendliche hereinfallen, wenn wir Kriegsmeldungen haben, die Klimakrise usw. Und dann mit den Jugendlichen geredet wird, mit den Kindern geredet wird.
Lukas:
An dieser Stelle nutzen wir die Gelegenheit und befragen Zeliha Arslan, wo sie selbst politische Beteiligung zum ersten Mal so richtig erlebt hat.
Arslan:
Es gab eine Demonstration, dass man die Zugvögel nicht abschießen soll, die über Italien in den Süden fliegen. Fand ich brandwichtig und bin dann nach Hause gegangen. Ich habe kurdische Wurzel und habe das dann versucht, meinem Vater zu erklären, warum das wichtig ist, dass ich auf diese Demonstration gehe. Und mein Vater, glaube ich, nur Demonstrationen verstanden hat und das total gut fand. Das war so meine erste Entscheidung, mich für eine Sache einzusetzen. Acht Jahre war ich da.
Lukas:
In dieser Anekdote, so individuell sie auch sein mag, ist zumindest eine Grundlage gut zu erkennen, die junge Menschen brauchen, um sich entfalten zu können und ihre Meinung einzubringen. Lukas Trentini, der Kinder- und Jugendanwalt für Tirol, erklärt uns die Grundlagen einer Gesellschaft, die für junge Menschen ein gesundes Umfeld schafft.
Lukas Trentini:
Kinder und Jugendliche brauchen mit Sicherheit erwachsene Menschen, die ein Gegenüber sind, so ein authentisches Gegenüber, ein interessiertes, zugewandtes Gegenüber, jemand, der nicht nur hört, sondern zuhört. Und dann brauchen sie natürlich auch den Raum für und unter sich, auch Räume, wo wenig oder keine Betreuung oder Beaufsichtigung da ist, sondern wo einfach der Platz ist, wo sie sich entfalten können, wo sie sich ausprobieren können.
Lukas:
Raum, um sich entfalten zu können, finden junge Menschen auch im Tiroler Landtag. Dort kann man zwischen verschiedenen Initiativen wählen. Ein zentrales Format, in dem jugendliche Politik hautnah erleben und aktiv mitgestalten können, ist das Schüler:innenparlament. Marco Wehinger vertritt als Landesschulsprecher alle berufsbildenden mittleren und höheren Schulen aus ganz Tirol vor der Politik. Auch im Schüler:innenparlament.
Marco Wehinger:
Wir finden uns da zusammen meistens von so neun bis sechzehn Uhr. Man kann Anträge einreichen und die werden dann einfach besprochen. Das heißt, wir diskutieren darüber. Da merkt man einfach, dass nicht jeder immer die gleiche Meinung hat. Und da diskutiert man dann schon so zwei bis drei Stunden an einem Antrag. Das glaubt man fast gar nicht. Und man denkt, eigentlich der Antrag ist ja so klar. Und da geht es nicht einmal um Unstimmigkeiten, sondern jeder hat immer wieder eine neue Idee. Hey, das wäre mal cool, weil man kann auch an den Antrag, an den Hauptantrag kann man an Erweiterungs-, an Abänderungs-, an Streichungsantrag stellen.
Lukas:
Und schon sind wir mittendrin im demokratischen Prozess. Damit man zu einem guten Kompromiss kommt, braucht es Struktur und Organisation. Wobei, auf die Struktur eines klassischen Parteiensystems wird in diesem Forum bewusst verzichtet, erzählt Marco Wehinger.
Wehinger:
Also ich muss ganz ehrlich sagen, zum Glück gibt es nicht so eine wirkliche Struktur wie mit so einem Parteiensystem. Natürlich gibt es auch Schüler:innenorganisationen, aber wir haben ja alle das selbe Ziel. Wir ziehen alle am selben Strang. Wir wollen eine bessere Schule, eine Schule, die uns auf das zukünftige Leben vorbereitet.
Lukas:
Ein Landtag für die Jugend. Das klingt nach modernster Partizipation. Aber was passiertdann mit diesen erarbeiteten Anträgen? Werden sie wirklich von der Politik ernst genommen und in Gesetze verwandelt? Die Abgeordnete Zeliha Arslan klärt auf, welche Rolle die Abgeordneten dabei spielen.
Arslan:
Also meine aktive Rolle ist erstmal das Zuhören. Und dann werden ja auch Anträge im Schüler:innenparlament beschlossen. Die sind natürlich nicht bindend für den Landtag, aber natürlich schaue ich mir alle Anträge an und bringe dann auch teilweise diese Anträge in den Landtag, damit sie halt bindend sind, damit der Landtag sich verpflichtend damit befassen muss. Themen vom Schüler:innenparlament, die dann Einzug in den Landtag finden und dort debattiert werden. Das motiviert die Jugendlichen und zeigt, dass ihre Themen ernst genommen werden.
Lukas:
Welche aktuellen Projekte kommen derzeit im Schüler:innenparlament auf den Tisch, Marco Wehinger?
Wehinger:
Ein gutes Beispiel ist immer rund um die mentale Gesundheit. Da haben wir jetzt eh derzeit eine Kampagne am Laufen in der Landesschüler:innenvertretung. Da haben wir aber im letzten SIP einen Antrag gehabt, der wurde auch sehr positiv aufgenommen. Und da wird sich auch wahrscheinlich in den nächsten Jahren was verändern rund um die psychische Gesundheit. Sei es jetzt der Ausbau von Schulsozialarbeiter:innen oder Schulpsycholog:innen, da wird was definitiv weitergehen. Ich selber durfte einen Antrag stellen. Da ging es eben als KI, als Lerntool oder als Tool wie zum Beispiel so ein Taschenrechner, weil man dann doch merkt, später im Arbeitsleben braucht man dann auch irgendwann die KI, sei es jetzt für E-Mail schreiben oder einfach um den Alltag effizienter zu gestalten. Und da habe ich mir einfach überlegt, da muss was weitergehen in der Schule. Also da war wirklich eine sehr große Zustimmung.
Lukas:
Neben dem Schüler:innenparlament bietet der Tiroler Landtag ein weiteres spannendes Format, um junge Menschen Politik hautnah erleben zu lassen. Die Demokratielandschaft. Zeliha Arslan wirkt auch dabei aktiv mit.
Arslan:
Also bin ich auch ein riesen Fan von in der Demokratielandschaft. Und dann ist das so, dass man auf eine Gruppe von Jugendlichen trifft, die dann ein bestimmtes Thema ausarbeiten sollen. Ich weiß nicht, das Thema könnte sein, wie funktioniert die Verkehrspolitik oder welche Möglichkeiten haben Menschen mit Migrationshintergrund in die Politik zu kommen. Also ganz verschiedene Themen gibt es da und dann arbeiten da Jugendliche zusammen das aus, formulieren Fragen und dann kommen die Politikerinnen und Politiker ins Spiel und dann können sie uns quasi interviewen und stellen uns dann Fragen, wie funktioniert der Landtag, wie wird man Politikerin, wie funktionieren Debatten. Warum sind Ausschusssitzungen so wichtig?
Lukas:
Klingt spannend. Dann nutzen wir gleich mal die Chance und fragen Selin, 17 Jahre jung und Schülerin der HTL Anistrasse, als Teilnehmerin der Demokratielandschaft, was sie in ihrem Workshop so erlebt hat.
Selin:
Unser Workshop, den wir besucht haben, hieß Du und dein Landtag. Wir haben erst mal darüber geredet, was überhaupt die Aufgaben vom Landtag sind und was Abgeordnete sind und einfach so generelle Fragen. Und später durften wir dann selbstständig arbeiten. Da sind auch zwei Abgeordnete gekommen und wir durften Interviews führen mit denen und haben selbstständig Fragen recherchieren dürfen und das ihnen dann auch stellen dürfen. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so offen sind und die Fragen wirklich komplett beantworten. Sonst habe ich noch nie Abgeordnete wirklich getroffen und mit denen geredet, aber sie waren sehr nett auf jeden Fall.
Lukas:
Auch Selins Mitschüler Samuel war beim Workshop dabei. Auf die Frage nach seinen privaten Erfahrungen zu Politdiskussionen unter Gleichaltrigen meint er.
Samuel:
Also es kommt schon ab und zu auch auf, gerade weil ein paar von meinen Freunden sich dann schon sehr engagieren. Und natürlich hat man in einer Freundesgruppe nicht immer die gleiche Meinung. Ich glaube, an sich sind unterschiedliche Richtungen ja eigentlich extrem wichtig, weil sonst würden wir... Naja, es ist ja irgendwie der ganze Sinn hinter Demokratie auch, dass man verschiedene Meinungen hat in meinen Augen. Also mir ist immer das Wichtigste, dass man respektvoll miteinander umgeht, dass man die andere Meinung probiert zu akzeptieren. und sich vielleicht auch ein bisschen mal die Meinung aus der Sicht der Person anschaut und überlegt, ob man das nachvollziehen kann.
Lukas:
Im Workshop der Demokratielandschaft wurden Samuel und seine Mitschüler:innen dazu aufgefordert, eine neutrale, aber neugierige Position einzunehmen. Die von Journalist:innen.
Samuel:
Wir sind dann da hinkommen, haben das Thema bekommen, haben dann gesagt, wir sollen uns quasi in die Rolle von einem Journalisten hineinversetzen, haben dann auch so Presseausweise für den Landtag Tirol bekommen und haben dann online erstmal ein paar Sachen recherchieren sollen zu dem Thema. Haben uns dann Fragen aufschreiben können, die wir den Abgeordneten stellen wollten und dann war diese Abschlussarbeit quasi ein Zeitungsartikel, der über zwei Seiten gehen hat müssen.
Lukas:
Mitgenommen aus dem Workshop hat er vor allem mit neuer Bedeutung aufgeladene Wörter, die zuvor vage und wenig greifbar erschienen sind, reflektiert Samuel.
Samuel:
Also man hört diese Begriffe Landtag, Abgeordnete und so weiter, Gesetzgebung, Landesgesetze immer wieder und vielleicht wissen einfach viele Leute auch gar nicht so genau, was sie sich darunter vorstellen sollen, sondern sie lesen diese Schlagwörter dann halt einfach oft in den Medien. Ich sehe da den Vorteil, dass man sich wirklich aktiv mit den Sachen auseinandersetzt, sich seine eigenen Meinungen bilden kann zu dem Ganzen, sich die Themen anschauen kann, recherchieren kann.
Lukas:
Und in einem Punkt stimmt Samuel seiner Mitschülerin Selin voll zu.
Samuel:
Aber es war dann eigentlich sehr cool, sich mit den Politikern und den Abgeordneten aktiv auseinandersetzen zu können und mal die Meinung von jemandem, der es wirklich tagtäglich erlebt, zu bekommen und da einen Einblick in den Tagesablauf bzw. In ihr Leben und in ihre Blickweise zu bekommen.
Lukas:
Die Demokratielandschaft. Ein Angebot, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch zeigt, dass Politikerinnen und Politiker für unser aller Anliegen ansprechbar sind. Ein ganz ähnliches Workshop-Format gibt es übrigens auch für Lehrlinge und Berufsschüler:innen. Die Links dazu packen wir euch natürlich in die Shownotes. Lukas Trentini, der Kinder- und Jugendanwalt, hat ein anschauliches Beispiel mitgebracht, wie solche Beteiligung im Kleinen Großes bewirken kann.
Trentini:
Wo Kinder und Jugendliche in unterschiedlichen Formen beteiligt werden oder eingebunden werden, da wird es dann einfach auch spürbar und deutlich. Ein Beispiel, das mir da einfällt, da ist es darum gegangen, dass die Gemeinde einen Sportplatz bauen will neben der Schule. Und Kinder und Jugendliche haben die Möglichkeit bekommen, dass die diese Pläne im Detail vorgestellt bekommen. Und es war wunderbar zu sehen, dass die wirklich sehr konstruktive und gute Änderungswünsche und Ideen gehabt haben, die man zum großen Teil auch einfließen hat lassen. Ein kleines Beispiel war, man hat übersehen, dass da, wo jetzt der Brunnen ist und wo er dann später eben nicht mehr sein soll, dass es dann gar kein Wasser in dem Umfeld von diesem Sportplatz gegeben hätte. Und es war natürlich total wichtig, dass man sich da irgendwie die Flasche auffüllen kann, Wasser trinken kann. Und das hat einer der Jugendlichen gesehen und hat gesagt, wo ist dann der Brunnen? Oder haben wir da irgendwo Schatten? Oder wo parken dann die Autos, weil wir kommen mit den Fahrrädern?
Lukas:
Solche Erfahrungen im jungen Alter können im besten Fall das ganze Leben prägen, verleiht Trentini den Möglichkeiten zur Beteiligung über die getroffenen Entscheidungen hinaus Gewicht.
Trentini:
Wenn junge Menschen merken, dass sie wirksam sind mit dem, was sie denken oder was ihre Meinung sie haben, dann macht es mich stärker, es macht mich am Schluss gesünder. Es gibt mir mehr Selbstwert, es gibt mir mehr Selbstsicherheit, es gibt mir eben diese Selbstwirksamkeitserfahrung und auch eine Zugehörigkeitserfahrung und das ist für uns Menschen sowieso ein ganz wichtiges Futter, um einfach ein Stück weit auch gut, glücklich, zufrieden leben zu können.
Lukas:
Kurzum, es ist wichtig, Jugendliche und ihre Anliegen wichtig zu nehmen. Der Tiroler Landtag tut das und gibt damit eine klare Antwort auf die Fragen. Nehmen Politiker und Politikerinnen die Anliegen der Jugendlichen wirklich ernst? Ist Jugendpartizipation mehr als nur eine nette Geste? Marco Wehinger kennt diese Verunsicherung von Seiten der jungen Leute.
Wehinger:
Man denkt, man wird eh nicht gehört von einer älteren Generation. Aber wir haben ein komplett anderes Gefühl. Wir sind sehr oft im Austausch zum Beispiel mit dem Landeshauptmann, mit dem Anton Mattle. Da kriegt man jederzeit einen Termin und er hört uns auch wirklich zu. Und die ganzen Antrittsgespräche mit den ganzen Parteien, da merkt man einfach auch, die finden unsere Ideen sehr gut und die bringen sich auch teilweise ein im Landtag.
Lukas:
Wenn wir über Partizipation sprechen, sprechen wir gleichzeitig auch über Rechte. Lukas Trentini ist der Hüter dieser Rechte in Tirol. Er erklärt uns gleich, welche Rechte junge Menschen haben und wie die Kinder- und Jugendanwaltschaft sie schützt.
Trentini:
In den Kinderrechten haben wir ja grundsätzlich drei so große Bereiche. Das eine sind die Versorgungsrechte, da geht es wirklich Recht auf Gesundheit, Recht auf Bildung, Recht auf Schutz in bewaffneten Konflikten zum Beispiel. Das Zweite sind diese Schutzrechte, da gehört vor allem das Recht auf Schutz vor Gewalt dazu, das in unterschiedlichen Formen konkretisiert wird. Und im dritten Bereich sind die Beteiligungsrechte. Es geht darum, dass die Meinung der Kinder und Jugendlichen Platz hat, dass die gehört wird, dass die abgefragt wird. Das ist der Kindeswille.
Lukas:
Versorgung, Schutz und Beteiligung, das sind die Säulen. Doch wie sieht das im Alltag aus? Wo suchen Jugendliche Hilfe, wenn ihre Rechte verletzt werden oder sie vor Problemen stehen? Eine Möglichkeit ist auf jeden Fall die Kinder- und Jugendanwaltschaft. Lukas Trentini erzählt von den häufigsten Sorgen.
Trentini:
Es melden sich dann doch relativ oft Jugendliche oder auch Schülerinnen, die Opfer von Mobbing werden oder deren Freundinnen Opfer von Mobbing werden. Das sind jetzt nicht nur die Einmalstreits im Klassenzimmer, sondern das sind wirklich über einen längeren Zeitraum Schikanierungen, Beschämungen, Beleidigungen, Ausgrenzungen. Ein anderes Thema ist auf jeden Fall das Kontaktrecht, wenn es um eine Familie geht, wo sich die Eltern getrennt oder geschieden oder scheiden haben lassen. Es geht da oft um Straffälligkeiten, dass Jugendliche Anzeigen nach Hause bekommen. Und familiäre Konflikte sind ohnehin ein relativ breites Thema. Bis wann darf ich eigentlich wirklich ausgehen? Dürfen meine Eltern echt strenger sein wie das Jugendgesetz? Ja, das dürfen sie. Und was passiert eigentlich, wenn ich will eigentlich abhauen, ich will jetzt einfach immer daheim wohnen. Was passiert denn, wenn ich einfach zu meiner Freundin ziehe?
Lukas:
Von großen rechtlichen Fragen bis zu ganz persönlichen Alltagsproblemen. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft ist eine wichtige Anlaufstelle und Lukas Trentini und sein Team kümmern sich um Antworten und Hilfestellung. Den Kontakt packen wir natürlich auch in unsere Shownotes. Aber zurück zur politischen Teilhabe. Welche konkreten Formate gibt es in Tirol, die Jugendlichen und Kindern eine Stimme geben?
Trentini:
Wir haben in Tirol unterschiedliche Bereiche, wo Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben und auch das Recht haben, sich einzubringen. Einmal haben wir das für den Schulbereich, da gibt es die Landesschülerinnenvertretung. Und ein wichtiges Instrument oder ein wichtiges Tool ist auch das Schüler:innenparlament. Und was wir in manchen Gemeinden haben, und das ist jetzt kein per se Recht, aber eine Option, sind Beteiligungsformen wie zum Beispiel ein Jugendgemeinderat. Was wir seit kurzem in einer Gemeinde haben, weil ich das gerade mitbekommen habe, ist im Unterland gibt es eine Gemeinde, die haben oder zwei Gemeinden, die sich zusammengetan haben und einen Kindergemeinderat installiert haben. Und da gibt es eben auch einen Kinderbürgermeister oder eine Kinderbürgermeisterin. Es gibt in Tirol ein Gremium, das nennt sich Jugendbeirat für den Monitoring-Ausschuss. Dort sind Jugendliche mit Beeinträchtigung, mit Behinderung zusammen aus ganz Tirol. Es gibt in der Stadt Innsbruck seit einiger Zeit einen Jugendbeirat und die haben auch ein Budget zur Verfügung.
Lukas:
Wir sehen, es gibt bereits Möglichkeiten, sich als junger Mensch einzubringen. Jetzt interessiert uns, wo liegen eigentlich die Herausforderungen auf Seiten der Erwachsenen? Das erfordert aber schon auch einiges an Anstrengung von uns Erwachsenen, gerade die junge Bevölkerung, Kinder und Jugendliche, immer altersadäquat einzubinden.
Trentini:
Das ist jetzt kein leichtes. Weil wir müssen Methoden anwenden, wir müssen mehr Zeit einplanen, wir brauchen Ressourcen dafür. Eben das Thema Zeit, manche Dinge dauern einfach lang und das wissen wir einfach aus demokratischen Prozessen. Und das ist aber irgendwie auch das Wesen und das Gute aus meiner Sicht an der Demokratie, dass wir dadurch viel Abwägung ermöglichen. Und wenn Kinder und Jugendliche auch sich einbringen können in Aspekte, die für sie wichtig sind, dann fördert das mit Sicherheit auch die Lebensqualität von jungen Menschen und von uns allen.
Lukas:
Zeit und Ressourcen sind wichtige Investitionen in die Zukunft. Doch es gibt auch Hürden im System, die Lukas Trentini klar benennt.
Trentini:
Gleichzeitig kann man natürlich auch die große Herausforderung, dass man viele junge Menschen auch haben, die keine österreichischen Staatsbürgerinnen sind und die dann in Österreich nicht wählen dürfen. Ich finde die demokratiepolitisch sehr problematisch und gleichzeitig ist es wirklich nicht so leicht, hier zu einer neuen und auch guten Lösung zu kommen. Aber wenn wir die Wien-Wahl anschauen und ein Drittel der im Wahlalter befindlichen Menschen nicht zur Wahl gehen können, dann ist das einfach ganz schwierig, weil das sind einfach wirklich sehr viele. Das ist unter Jugendlichen zum Teil schon auch so und das ist mit Sicherheit so, zum Beispiel eine Hürde.
Lukas:
Neben dem allgemeinen Zugang zur Teilhabe spielt auch die Art der Kommunikation eine entscheidende Rolle, weiß Zeliha Arslan aus Erfahrung.
Arslan:
Der Landtag oder die Landesregierung versucht viele Formate anzubieten, ob es über Social Media ist, über die Landeszeitung, die in alle Haushalte kommt, über Presseaussendungen, über Fernsehauftritte, aber auch auf Veranstaltungen, wo Jugendliche sind. Und es ist aber auch wichtig, glaube ich, die Messages oder die Aussendungen so zu formulieren, dass sich auch Jugendliche angesprochen fühlen. Und trotzdem überrascht mich das immer wieder, wie informiert Jugendliche sind. Es hat sich, glaube ich, aber trotzdem die Art der Konsumation verändert, also wie die jugendliche Informationen konsumieren. Und da müssen wir uns einfach dem anpassen.
Lukas:
Anpassen heißt auch neue Wege gehen, insbesondere im digitalen Raum. Marco Wehinger weiß genau, wo die jungen Menschen heutzutage unterwegs sind.
Wehinger:
Ich glaube, man kann am meisten junge Menschen mit Social Media in Kontakt treten. Sei es jetzt eine Insta-Story oder einfach ein Instagram-Post. Wir machen zum Beispiel die Aussendung, dass jetzt zum Beispiel das Schüler:innenparlament stattfindet. Das machen wir immer über unsere Instagram-Kanäle, weil wir da am meisten Reichweite haben.
Lukas:
Selin, selbst im Teenageralter, erweitert Marco Wehingers Mediendiagnose noch um die Social-Media-Plattform TikTok.
Selin:
Die bekannteste Seite oder bekannteste App ist halt natürlich TikTok oder Instagram. Da kriegt man schon sehr viel mit und auch wenn es nur so eine Überschrift ist oder so, man liest immer irgendetwas darüber. Es sind schon mehrere...Was weiß ich, zum Beispiel Zeit im Bild oder so, verschiedene Seiten, wo Leute eben auf TikTok Videos posten, Kurzvideos, wo sie es auch versuchen, kurz und einfach zu erklären.
Lukas:
Ein Schlüssel liegt also unter anderem auch in der direkten, altersgerechten Ansprache und der Nutzung digitaler Kanäle. Die Abgeordnete Arslan hat abschließend noch einen Appell an die junge Generation, für den sie auch einen digitalen Kanal nutzt, nämlich diesen Podcast.
Arslan:
Also einfach nur, was mir einfach nur wichtig ist, ist wirklich, dass sich Jugendliche und auch Kinder immer an die Politik wenden sollen, dass die Politik für sie da ist, auch da ist und auch im Auftrag steht, für sie Politik zu machen. Und das wäre ein Riesenanliegen, das man uns schreibt, nicht nur um zu loben, sondern auch zu kritisieren. Ich würde auch gerne sagen wollen, dass die Politik eben kein geschlossener Raum ist, sondern dass es wirklich die Ebene ist, die dafür da ist, um diese ganzen anderen Menschen, die ihre Anliegen haben, die ihre Probleme haben, da Lösungen zu finden.
Lukas:
Unser Rundgang durch die Welt der Jugend im Tiroler Landtag neigt sich dem Ende zu. Wir haben gehört, wie sich der Tiroler Landtag den modernen Anforderungen anpasst und wie darin junge Stimmen wachsen können und dabei fordern und verhandeln trainieren. Die Stimmen der Jugendlichen werden gehört, ob im Schüler:innenparlament oder der Demokratielandschaft. Ihre Anliegen werden umgesetzt und es ist klar, das Engagement junger Menschen ist entscheidend für eine lebendige, funktionierende Demokratie. Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst mal dabei zu sein, kann uns ganz einfach eine Nachricht unter adlerohren.tirol.gv.at schicken, dann lassen wir euch alle Informationen zukommen. Wenn ihr Anliegen an die Tiroler Politik habt, könnt ihr euch auch direkt bei den Parteien melden. Auf unserer Website findet ihr alle Kontakte bzw. Haben Parteien Social Media und freuen sich immer über Input. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert bitte Adlerohren Tiroler Landtagsgeschichten auf eurer bevorzugten Podcast-Plattform. Lasst uns eine gute Bewertung da und schaut für Videos zur Folge auf unseren Social-Media-Kanälen vorbei. Außerdem packen wir einen Feedback-Bogen in die Shownotes. Es würde uns freuen, wenn ihr den ausfüllen könntet. Wir sind schon sehr gespannt darauf, was euch gefällt, was ihr verbessern möchtet, welche Themenvorschläge ihr für uns habt und generell auf eure Meinungen und Ideen. Euer Feedback ist uns wichtig. In unserer nächsten Folge geht es darum, wie Abgeordnete den sitzungsfreien Sommer verbringen, welche Aufgaben im Landtag auf sie warten, wo sie ihren Urlaub verbringen und warum von den vielen, vielen Vorurteilen gegenüber der Sommerpause ohne Landtagssitzung eigentlich kein einziges wirklich stimmt. Wir freuen uns, wenn ihr auch das nächste Mal wieder mit dabei seid. Servus Pfiat euch und bis zum nächsten Mal.