Über den Bergen brennt ein Versprechen
Landtagspodcast “Adlerohren” | Folge #11
Transkript
Hinweis: Gesprächsbeiträge im Tiroler Dialekt werden inhaltlich in Hochdeutsch übersetzt.
Tatjana Lukas (Moderatorin):
Jedes Jahr zur Sommersonnenwende leuchten die Bergfeuer auf den Tiroler Bergen. Freiwillige stellen an den Berghängen tausende Fackeln auf. Ein mystischer Moment, wenn sie in der Dämmerung entzündet werden. Vielerorts wird im Zuge dessen auch die Tradition der Herz-Jesu-Feuer gepflegt. Eine Erinnerung an das Herz-Jesu-Gelöbnis. Im 18. Jahrhundert angesichts drohender Kriegsgefahr von den Tiroler Landständen geschworen, steht es für Verantwortung, Zusammenhalt und Herzlichkeit. In dieser Folge schauen wir genauer auf dieses in der Tiroler Geschichte so bedeutsame Versprechen, wo es herkommt, welche Bedeutung es in unserer heutigen, vielfältigen Gesellschaft hat und wie Neuinterpretationen gelebter Herzlichkeit in Tirol ausschauen. Ich bin Tatjana Lukas und das ist Adlerohren, ein Podcast über Geschichten aus dem Tiroler Landtag. Folge 11. Über den Bergen brennt ein Versprechen. Oder das Herz-Jesu-Gelöbnis im Wandel. Der Juni steht in Tirol ganz im Zeichen des Herzens. Es lodert in Feuergestalt von den Bergen, es wird in katholischen Messen in den Kirchen besungen und es verbindet Menschen im ganzen Land bei Veranstaltungen über Generationen hinweg. Jedes Jahr, am dritten Wochenende nach Pfingsten, wird das Herz-Jesu-Gedenken gefeiert. ORF-Journalist und Mitbegründer der Initiative Offene Herzen, Peter Jungmann, war mehr als einmal beim Entzünden der Herz-Jesu-Feuer hoch oben am Berg dabei.
Peter Jungmann:
Da macht sich so eine Gruppe auf den Weg, die bereiten alles schon vor, die haben das Brennmaterial mit, die haben teilweise Texte mit, dass sie dann auch was beten oder singen gemeinsam und es muss ganz genau vorbereitet werden und dann ist immer so ein bisschen das Zittern, wie wird denn das Wetter? Aber wenn man sich dann in aller Herrgutsfrühe aufmacht und gemeinsam unterwegs ist, gemeinsam jausnet, dann die Leuchtpunkte aussucht, irgendwann dann diese Feuer zum Brennen bringt und es wird dann dunkel und die leuchten wunderbar und man sitzt dann so im Kreis oder steht im Kreis, interessanterweise wird man da still, automatisch, irgendwie andächtig, fromm, keine Ahnung warum, das hat was.
Lukas:
Auch Anno Schulte-Herbrücken, heute landschaftlicher Pfarrer von Innsbruck Maria Hilf, hat die besondere Stimmung bei Herz-Jesu-Feuern nachhaltig beeindruckt, als er zum Studieren 1984 nach Innsbruck gekommen ist.
Anno Schulte-Herbrüggen:
Es hat was mit Brauchtum und mit Identität zu tun. Da rührt das was tief an mit generationenübergreifendem Gemeinschaftserlebnis. Vom Jungschützen bis zu denen, die es gerade noch da gehen, bevor sie irgendwann sagen, na, jetzt kann ich leider nicht mehr mitmarschieren, weil es geht nicht mehr. Aber es hat wirklich etwas, was tief verbindet.
Lukas:
Damit die Feuer zu Tal erstrahlen, braucht es einiges an Vorbereitungsarbeit. Wind- und Trockenheitsbedingungen werden genau beobachtet. Wasserbehälter, Feuerlöscher und Sand müssen bereitstehen. Die Feuerstellen werden so angelegt, dass sie von Weitem gut sichtbar sind und das Flammenbild besonders eindrucksvoll wirkt. Viele Motive sind christlich. Herze, Kreuze, Kelche, betende Hände oder das Zeichen Christi. Inzwischen leuchten aber auch durchaus weltliche Motive ins Tal, hat Ethnologin Silke Meyer von der Universität Innsbruck mit wissenschaftlichem Interesse am Wandel von Traditionen festgestellt.
Silke Meyer:
Das ist ganz interessant, dass neben diesem religiösen Brauch eben auch patriotisch-politische Botschaft tritt, nämlich die Erinnerung an die Einheit Tirols, zum Beispiel in Sprüchen, Oder auch Symbole wie der Tiroler Adler. In der neueren Zeit werden auch alpine Symbole genommen, der Steinbock oder Enzian. Ein ganz interessantes Beispiel gab es vor zwei Jahren, da ist in Südtirol im Ahrntal, glaube ich, ein heulender Wolf abgebildet gewesen und neben ihm ein Gewehr im Anschlag. Bei aller Offenheit zum Wandel.
Lukas:
Ein Motiv hat in der Bevölkerung dann doch einmal für Aufsehen gesorgt, erzählt die Professorin.
Meyer:
Irgendwo brannte mal ein Donald Duck von den Bergen herunter. Das war ein starker Kritikpunkt. Also so weit waren die Tiroler glaube ich noch nicht, dass sie ihr Herz-Jesu-Fest sozusagen da in so einem humorvollen Kontext geben wollten.
Lukas:
Der Ursprung der Herz-Jesu-Feuer ist das Herz-Jesu-Gelöbnis. Um dieses Ereignis in seiner Bedeutung für Tirol zu verstehen, machen wir jetzt eine Zeitreise. Los geht's! Wir befinden uns im Jahr 1796. Die Truppen Napoleons rücken in die Alpenregion vor und das Land Tirol steht vor der Gefahr einer Invasion. Die Aussichten sind trüb, denn die Tiroler Truppen waren nicht besonders gut vorbereitet und ausgerüstet, weiß Silke Meyer zu berichten.
Meyer:
Da kam dann dem Pfarrer von Wildermieming eine Idee, die er dann mit dem Abt vom Stift Stams besprochen hat, nämlich, dass man das Schicksal des Landes Tirol dem heiligsten Herz Jesu anvertrauen soll, um eben diesen göttlichen Beistand zu erhalten. Und dieser heilige Schwur sollte das ganze Land umfassen und auch Einheit schaffen.
Lukas:
Das Herz-Jesu-Gelöbnis wurde von den Tiroler Landständen, die sich aus Vertretern der Hohen Geistlichkeit, dem Adel, Bürgern und der ländlichen Bevölkerung zusammengesetzt haben, abgelegt. Gewissermaßen die Vorgänger unserer Landtagsabgeordneten heute. Es war ein Versprechen an das heiligste Herz Jesu, auf das sie sich auf dessen Schutz und Fürsorge verlassen und in schwierigen Zeiten zusammenhalten würden.
Meyer:
Und der Glaube der Tiroler, der war groß und damit hat eben der Landsturm einen unerwarteten Zulauf an Freiwilligen bekommen. Und das bedeutete, dass Napoleon zwar die österreichischen Truppen besiegt hatte in einem sehr kurzen Kampf, er konnte aber gegen das Tiroler Aufgebot nichts ausrichten und musste dann unverrichteter Dinge wieder abziehen. Also die Botschaft ist die Überzeugung und der Glaube der Tiroler hat gesiegt.
Lukas:
Soweit zur überlieferten Geschichte. Dabei stellt sich für uns die Frage, in welchem Zusammenhang das Herz-Jesu-Gelöbnis eigentlich mit dem Tiroler Landtag steht. Nun, 2025 findet das feierliche Hochamt des Landes Tirol in der Jesuitenkirche in Innsbruck statt und Sonja Ledl-Rossmann, in ihrer Funktion als Landtagspräsidentin, übernimmt in dieser Zeremonie die Aufgabe, das Gelöbnis ihrer Vorgänger, der Landstände, Jahr für Jahr zu erneuern.
Sonja Ledl-Rossmann:
Besonders ist der Satz schon immer auch für mich, wenn ich auch im Vorbetten dann sage, unsere Vorfahren haben sich deiner Vatergüte und der Liebe deines Sohnes anvertraut und du hast sie aus schwerer Not errettet. Also das ist für mich auch immer so ein Schlüsselsatz, dass man sich bewusst macht, was für eine schwierige Zeit es damals war und mit was für einem Gottvertrauen unsere Vorfahren das auch gelebt haben.
Lukas:
Der Landesgelöbnisgottesdienst am Freitag ist das geistliche Herzstück des Herz-Jesu- Wochenendes in Tirol. Jahr für Jahr versammeln sich politische Vertreterinnen und Vertreter, Schützenkompanien, geistliche und Gläubige zum feierlichen Gottesdienst.
Ledl-Rossmann:
Ganz besonders werden auch immer jedes Jahr wieder Menschen eingeladen, die ganz viel Herz zeigen, das ganze Jahr hindurch, die anderen Menschen helfen, die vielleicht auch in gemeinnützigen Organisationen tätig sind, also um dem noch einmal so eine besondere Bedeutung zu geben. Aber natürlich kann jeder zu diesem Gottesdienst kommen und ich denke, alle, die das schon einmal miterlebt haben, werden dann feststellen, dass es schon ein ganz besonderer Gelöbnis-Gottesdienst ist.
Lukas:
Wer schon einmal einer Messe beigewohnt hat, weiß, der musikalische Höhepunkt darf nicht fehlen.
Ledl-Rossmann:
Ich denke, das geht wahrscheinlich allen so, die da drinnen sind und viele, wenn sie dann schon die ersten Takte davon hören, wissen, von was für einem Lied ich rede. Das ist eins, was unzertrennbar damit verbunden ist, und zwar das Stück Auf zum Schwur, Tiroler Land. Ich glaube, das kennen ganz, ganz viele. Und wenn dann diese Kirche vollgefüllt ist mit so vielen Menschen, mit allen Abordnungen, mit Schützen, mit Musikanten, macht es schon ganz einen besonderen Moment, wenn zum Abschluss dieses Lied ertönt. Das Lied spielt auch beim Herz- Jesu-Gelöbnis-Gottesdienst in der Pfarre Maria Hilf eine große Rolle, erzählt Pfarrer Anno Schulte-Herbrüggen.
Schulte-Herbrüggen:
Also Herz-Jesu-Feiern ohne das Gelöbnislied geht ja irgendwie nicht, auch wenn vielleicht so das musikalische Genre dieses Liedes jetzt nicht mehr genau unser heutiger Stil ist, aber mir ist aufgefallen, da drinnen ist etwas, das Seele berührt. Man sieht, wie ein Mensch Resonanzrahmen wird, also wie das wirklich in einem ganzen Menschen klingt und ihn bewegt.
Lukas:
Seit 2023 leitet Schulte-Herbrüggen die Pfarre Maria Hilf in Innsbruck. Dort zelebriert er auch den Herz-Jesu-Gottesdienst. Sich an eine höhere Macht zu wenden und sich hier anzuvertrauen, ist eine zutiefst menschliche Reaktion im Angesicht ausweglos erscheinender Situationen. Auch heute noch erleben Menschen Momente, in denen sich alles verändert und sie Halt suchen. Christine Pichlers bewegende Geschichte. Wir treffen die Landesbedienstete Christine Pichler. Sie arbeitet in der Abteilung Elementarbildung und Allgemeines Bildungswesen im Amt der Tiroler Landesregierung und trifft mich im Landtagssitzungssaal zum Interview. Aufgrund einer plötzlichen Erkrankung am Herzen wurde sie aus dem Nichts heraus an ihre Grenzen gebracht.
Christine Pichler:
Also ich war in einer aussichtslosen Situation. Ich war dem Stern nahe, bettlägerig, habe nicht mehr gehen können. Für mich war hoffnungslos, aussichtslos, trifft es eigentlich relativ gut, wie ich mich damals gefühlt habe. Ja, man vertraut sich da an was da oben an, sei es Gott oder wie auch immer man das nennen mag. Ich glaube, das ist total menschlich, dass man dann sagt, ja, bitte hilf mir, egal an was man da glaubt.
Lukas:
Nach der Matura mit 19 Jahren wollte Christine Pichler, eine Sportlerin mit Leib und Seele, durchstarten. Fortgehen, ihr Leben genießen, als Kindergartenpädagogin arbeiten. Doch plötzlich fühlt sie sich grippig und angeschlagen. Die anschließende Diagnose im Krankenhaus stellt ihr Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf.
Pichler:
Ich habe dann eine Herzmuskelentzündung gehabt und nur mehr 21% Herzleistung, was für mich damals mit dem Alter brutaler Schock war und so ziemlich den Boden unter den Füßen weggerissen hat, weil meine Lebensplanung halt gänzlich anders ausgeschaut hat, als in der Klinik zu liegen mit einem Herzproblem. Einem relativ großen Problem auf einmal.
Lukas:
Das menschliche Herz schlägt im Durchschnitt etwa 100.000 Mal pro Tag. Das sind 35 Millionen Schläge im Jahr. Es pumpt etwa 5 bis 6 Liter pro Minute durch den Körper und hält uns damit am Leben. Solange es kann. Also das fühlt sich nicht wie ein normaler Herzschlag an. Das war ganz so ein plumper Sack. In der Klinik lernt man das oft so. Das ist wie ein Beutel, den du mit Wasser füllst und den du so zusammendrückst. So ein schwammiges Gefühl, weil mein Herz einfach schon so groß war. Das war 2009. Nach Monaten der Therapie, einem implantierten Defibrillator und der richtigen Medikation geht es langsam wieder aufwärts. Doch 2016 passiert das Unfassbare. Christine bricht im Freien plötzlich zusammen. Herzstillstand.
Pichler:
Ich habe ganz großes Glück gehabt, dass damals ein junger Mann vorbeigegangen ist, der was mich 15 Minuten lang reanimiert hat am Innufer. Sonst könnte ich jetzt nicht mehr da sitzen und die Geschichte erzählen. Ich bin dann extern defibrilliert worden, bin in die Notaufnahme gekommen, bin in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt worden, weil man nicht gewusst hat, ob ich Gehirnschaden davon getragen habe, weil eben so lange ohne Sauerstoff.
Lukas:
Christine braucht eine Herztransplantation. Dass das Herz eines anderen Menschen in ihrer Brust schlagen würde, das war für sie zunächst schwer vorstellbar.
Pichler:
Da gehen einem ganz, ganz viele Gedanken durch den Kopf. Sei es aus dem seelischen Aspekt dahinter, verändere ich mich als Person, wie danach überlebe ich die Operation generell und wie ist der Weg danach, weil sich da wieder dorthin zu kämpfen, dass man ein normales Leben hat, ist natürlich schon eine Challenge, es ist schon eine Herausforderung. Ich habe damals eine Psychotherapeutin gehabt, mit der ich sehr viel über das Ganze reden konnte, Gott sei Dank, weil ich das gebraucht habe, dass ich darüber reden kann, über das Ganze. Und für mich schlussendlich ist dann auch so, das passt für mich so und ja, das ist halt das, was ich jetzt brauche.
Lukas:
Die Transplantation erfolgt einen Monat vor ihrem 27. Geburtstag. Christine denkt regelmäßig an jenen Menschen, der ihr das Weiterleben ermöglicht hat.
Pichler:
Es finde ich die größte Herzlichkeit, was man geben kann, die größte Tat der Nächstenliebe, dass ich sage, wenn es soweit ist, dass ich Störpassungen am Grund gebe, meine Organe weiter und rette damit mindestens sieben Menschen das Leben. Ja, deswegen werde ich ewig dankbar sein, dass sich eine Person bereit erklärt hat, die Organe zu spenden, dass ich da sitzen kann. Aus all diesen Erfahrungen heraus interessiert mich jetzt Ihre Antwort auf die Frage. Was verbindet das Herz im Körper mit dem Herz, das fühlt? Das physische Herz haltet uns am Leben und die emotionale Herzlichkeit hält uns miteinander verbunden. Das steht alles für Lebendigkeit, Nähe und Verbindung. Und dem Ganzen kann ich so viel abgewinnen. Das stimmt, also ich brauche den Faktor Herz als Muskel, dass ich leben kann. Aber ich glaube, wir sind uns alle einig, dass ohne die emotionale Herzlichkeit, die wir uns untereinander schenken, sei es in meinem Fall mit der großen Tat der Organspende oder auch der Zivilcourage, dass jemand mir reanimiert hat, oder sei es durch die kleinen Gesten, wie wir miteinander leben, Das brauchen wir, um leben zu können, dass es unserer Seele gut tut.
Lukas:
Genau für dieses Miteinander, diese Mitmenschlichkeit, gibt es in Tirol seit fast zehn Jahren einen eigenen Aktionstag. Den Tag der Herzlichkeit. Initiator Peter Jungmann erklärt.
Jungmann:
Wir haben denen ins Leben gerufen, um daran zu erinnern, wie wichtig es ist, offen, respektvoll, wertschätzend aufeinander zuzugehen, einander herzlich zu begegnen, hilfsbereit zu sein, solidarisch zu sein, vor allem mit denen, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind. Wir brauchen diese Solidarität und Bischof Reinhold Stecher hat einmal gesagt, und dieser Satz gilt bis heute, wir können die Prüfungen unserer Gesellschaft in der Zukunft nur bestehen mit einem großen Ja zur Solidarität mit denen am Rand.
Lukas:
Jungmann wollte das Engagement des 2013 verstorbenen Innsbrucker Bischofs bewahren. Das tut er als Obmann des Bischof-Reinold-Stecher-Gedächtnisvereins. Der Tag der Herzlichkeit wird am Herz-Jesu-Freitag begangen.
Jungmann:
Es ist ein wunderbarer Tag, Danke zu sagen. Zum Beispiel an die vielen, die in Tirol das ganze Jahr Herz zeigen und sich ehrenamtlich engagieren. Wir brauchen diese Menschen. Das ist der Kitt der Gesellschaft. Ja, und so gelingt es jetzt doch. Es sind jedes Jahr, würde ich sagen, 30, 40, 50 verschiedene Veranstaltungen, die stattfinden. Und das würde dann den Kreis ein bisschen schließen, denn die Landstände haben versprochen, auf Jesus zu schauen, der ein offenes Herz hat, ein Herz für die Menschen, für Menschen in Not ganz besonders. Ja, und da muss man sich irgendwann doch die Frage stellen, und wie weiter hat dieses Herz-Jesu-Fest für die Menschen heute noch eine Bedeutung? Ganz einfach, die Geschichte ist nicht so kompliziert, wie sie klingt. Es geht immer ums Herz zeigen.
Lukas:
Jungmann erzählt von einer Schulklasse, die Friedenstauben gebastelt hat. Und von einem Zeichenwettbewerb zum Thema, was liegt mir am Herzen. Besonders berührt hat ihn ein Ereignis, das schon ein paar Jahre zurückliegt. Damals, in der Corona-Zeit, galt es kreativ zu sein, um einander nahe sein zu können. Einsamkeit war gerade in Senioren- und Pflegewohnheimen ein großes Problem.
Jungmann:
Der Volksmusikverein hat sich da etwas Besonderes einfallen lassen. Und das war die Idee. Wir spielen Kurzkonzerte, berührend. Die haben im Innenhof gespielt und oben am Balkon waren die Bewohnerinnen und Bewohner mit Tränen in den Augen. Da kommt jemand und spielt für uns. Die haben uns nicht vergessen.
Lukas:
Der Bischof-Stecher-Gedächtnisverein hat rund 600 Mitglieder. Bisher wurden bereits über 350.000 Euro an Spenden gesammelt für Projekte im Sinne des Bischofs.
Jungmann:
Zum Beispiel für ein Herzensanliegen von Bischof Reinhard Stecher, das war die Behinderteneinrichtung Arche in Steinach in Tirol. Die hat der Zeitlebens unterstützt, die war ihm ganz wichtig, weil er betont hat, alle Menschen sind gleich wert. Behindert, nicht behindert, da darf es keinen Unterschied geben.
Lukas:
Außerdem unterstützt der Verein unter anderem die Vinzenz-Gemeinschaft in Tirol, die Bischof Reinhold Stecher mit aufgebaut hat. und auch Bewässerungsprojekte in Westafrika, für die er sich als Caritas-Bischof engagiert hat. Jungmann war mit dem beliebten Bischof über Jahrzehnte persönlich befreundet. Er erzählt, dass Stecher ein begeisterter Maler und Bergsteiger war, wie wichtig ihm zwischenmenschliche Begegnungen waren, aber auch, dass er, wie wir alle, ein Mensch mit Ecken und Kanten war.
Jungmann:
Er hat zornig sein können, er hat grantig sein können, ungeduldig, aber auch dann sehr klar und sehr entschieden, vor allem in sozialen Fragen, wenn es darum gegangen ist, für Menschenrechte einzustehen, für die Menschenwürde einzustehen. Wenn es auch zum Beispiel um Flüchtlinge, um Asylrecht und solche Fragen gegangen ist, da war er so klar in seiner Botschaft. Nächstenliebe und moderne Botschaften
Lukas:
Beim Tag der Herzlichkeit geht es also in erster Linie um Nächstenliebe und erst in zweiter Instanz um die Religion. Die Ethnologin Silke Meyer glaubt, dass das Herz Jesu Brauchtum auch in Zukunft Bestand haben kann. wenn sich moderne Botschaften mit der christlichen Tradition verbinden.
Meyer:
Die Rolle der Religion hat sich verändert, auch in Tirol. Und Tirol ist natürlich überwiegend immer noch katholisch, christlich-katholisch. Inwieweit jetzt alle Menschen, wenn sie an das Herz-Jesu-Feuer sehen oder sich daran freuen, auch tatsächlich das als religiöse Empfindung haben, kann ich nicht sagen. Ich glaube, oftmals wird es auch einfach kulturell gedeutet. Und das lodernde Feuer auf dunklen Bergen und Gemeinschaft eine Faszination ausüben, ich glaube, das muss man gar nicht weiter erklären.
Lukas:
Was lösen die Bergfeuer beim Initiator des Tags der Herzlichkeit aus?
Jungmann:
Wenn die jetzt oben brennen, diese Herzfeuer, dann müsste uns herunten einfallen: Wofür brenne ich? Welches Anliegen will ich unterstützen, verfolgen, damit wir alle miteinander ein bisschen heilere, bessere, gerechtere Welt vorfinden oder erleben?
Lukas:
Auch Christine Pichler ist es wichtig, über ihr Herzensthema zu sprechen. Und sie gibt uns eine Botschaft mit.
Pichler:
Ich setze mich ein für Organspende, weil es halt einfach wichtig ist. Und die Wahrscheinlichkeit, dass man selber ein Organ braucht, ist drei oder sieben Mal höher, dass man ein Organ braucht, als dass man selber spendet. Deswegen betrifft uns das Thema eigentlich alle, nur haben wir es halt nicht auf dem Bildschirm. Mein Appell ist einfach, dass man auch über solche Situationen, auch wenn es schwierig ist, weil man über den Tod redet im Endeffekt und viele das gar nicht gern hören und nicht gern wollen, dass man trotzdem einfach mal in der Familie über das Thema redet und einfach sagt ja oder nein, dann erleichtert man den Angehörigen auch in einer schwierigen Situation die Entscheidung.
Lukas:
Das Herz-Jesu-Gelöbnis steht für Herzlichkeit und Verantwortung. Ein lebendiges Zeichen für Miteinander und Fürsorge. Und diese Werte stehen auch im Mittelpunkt des Tags der Herzlichkeit. Das Ziel, füreinander einzustehen und die Gesellschaft nicht auseinanderdriften zu lassen. Dabei trägt jede und jeder von uns Verantwortung. Nicht zuletzt auch die Politik, erklärt Peter Jungmann.
Jungmann:
Die Politik ist auch gefordert, jeder, der in der Tiroler Landesregierung sitzt, hat es ja auch versprochen, mit Antritt seines Mandats für das Gemeinwohl sich einzusetzen, irgendwie dieses Herz-Jesu-Gelöbnis im Alltag zu leben, Herz zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen, damit es in Tirol auch möglichst vielen Menschen gut geht. Dass Tirol bleibt, was es ist, ein liebenswertes, lebenswertes und Gott sei Dank recht friedliches Land.
Lukas:
Vielen Dank fürs Zuhören. Wir hoffen, dass ihr unsere Episode spannend gefunden habt und danken euch ganz nach dem heutigen Motto von ganzem Herzen fürs Dabeisein und euer Interesse. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert bitte Adlerohren Tiroler Landtagsgeschichten auf eurer bevorzugten Podcast-Plattform. Lasst uns eine gute Bewertung da und teilt uns eure Gedanken dazu mit unter adlerohren.tirol.gv.at oder auf unseren Social- Media-Kanälen. Außerdem packen wir einen Feedback-Bogen in die Shownotes. Es würde uns freuen, wenn ihr den ausfüllen könntet. Wir sind schon sehr gespannt darauf, was euch gefällt, was ihr verbessern möchtet, welche Themenvorschläge ihr für uns habt und generell auf eure Meinungen und Ideen. Euer Feedback ist uns wichtig. In der nächsten Folge geht es darum, wie junge Menschen politische Prozesse erleben. Denn Demokratie lebt vom Mitmachen. Wir sprechen mit jungen Menschen, Politiker:innen und Expert:innen über die Bedeutung politischer Bildung und wie Jugendteilhabe gestärkt werden kann. Mit Einblicken ins Schüler:innenparlament. Wir freuen uns, wenn ihr auch das nächste Mal wieder mit dabei seid. Servus, pfiat euch und bis zum nächsten Mal.