Wintertourismus: Pisten, Powder, …Perspektiven?
Landtagspodcast “Adlerohren” | Folge #28
Transkript
Hinweis: Gesprächsbeiträge im Tiroler Dialekt werden inhaltlich in Hochdeutsch übersetzt.
Einleitung
Off-Stimme:
Er prägt Tirol wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig, schafft tausende Arbeitsplätze, aber auch Stauchaos in den Tälern: Wintertourismus, Tirols Aushängeschild. In dieser Podcastfolge geht’s um Nachhaltigkeit, Arbeitsbedingungen, Wertschöpfung - und mögliche Zukunftsszenarien, Stichwort: Klimawandel. Willkommen bei Adlerohren, dem Podcast des Tiroler Landtags, Episode #28 „Wintertourismus: Pisten, Powder, …Perspektiven?“
Das sind unsere Gäste: Jakob Wolf. Der Klubobmann der Tiroler Volkspartei sitzt seit 2003 im Landtag und lebt in Umhausen. Mit ihm diskutiert Gebi Mair, Klubobmann der Grünen, seit 2008 Abgeordneter und wohnhaft in Innsbruck.
Tatjana Lukas (Moderatorin):
Hallo und herzlich willkommen. Mein Name ist Tatjana Lukas. Das ist Adlerohren, der Podcast aus dem Tiroler Landtag und auch herzlich willkommen an meine Gäste. Ich darf begrüßen Gebi Mair, Klubobmann der Grünen und Landtagsabgeordneter.
Gebi Mair:
Danke für die Einladung.
Lukas:
Gerne, danke fürs Kommen. Und rechts von mir Jakob Wolf, ebenfalls Landtagsabgeordneter, Klubobmann der Tiroler Volkspartei und Sie sind auch Bürgermeister der Gemeinde Umhausen.
Jakob Wolf:
Danke für die Einladung.
Lukas:
Dankeschön. Wir haben ja im Vorgespräch schon besprochen, dass jeder von Ihnen eine Anekdote zu unserem heutigen Thema Wintertourismus mitbringen wird und ich würde mit Gebi Mair starten. Haben Sie irgendeine Erinnerung an den Wintertourismus, den Sie vielleicht mit uns und dem Publikum teilen möchten?
Mair:
Ja, sehr viele. Ich komme aus dem Stubai ursprünglich, ich bin aus Fulpmes im Stubai und ich habe meine ersten Euro eigentlich immer im Wintertourismus verdient. Ich habe so in meiner Schulzeit als Skilehrer, Kinderskilehrer gearbeitet, wie man das halt so im Stubai macht. Es hat mir sehr viel Freude gemacht und ich glaube, dass ich der einzige Grüne bei uns im Land bin, der schon eine Seilbahn eröffnet hat. Die Kreuzjoch-Seilbahn ist nämlich gebaut worden 1995. Da war ich in Fulpmes bei der Musik und wir sind mit der Musik ausgerückt, um die neue Gondel einzuweihen. Großes Tamtam, großes Trara. Also ich kann für mich sagen, ich war bei der Eröffnung von einer Seilbahn dabei. Das ist glaube ich für Grüne jetzt auch nicht so ganz häufig, dass Grüne Seilbahnen in dem Land eröffnen.
Lukas:
Ja, danke für die nette Anekdote zum Wintertourismus von Gebi Mair. Herr Wolf, was fällt Ihnen ein?
Wolf:
Ja, ich komme natürlich auch aus einem Tal in Tirol, aus dem Ötztal. Gebi Mair aus dem Stubaital, wo sehr viel Tourismus abgeht. Ja, ich habe sehr viele Erinnerungen, auch persönliche. Ähnlich wie der Gebi Mair war in meiner Studienzeit auch Skilehrer in Gries und in Obergurgl. Und da ist mir gerade einmal passiert, dass ein Kind vom Sessellift runtergehupft ist. Da ist mir das Herz stecken geblieben, aber Gott sei Dank war es Tiefschnee und es ist nichts passiert. Also den Tourismus kenne ich vom Kind auf, auch weil meine Eltern selber eine Fremdenpension hatten. Ja, das ist vielen Tirolerinnen und Tirolern vertraut.
Lukas:
Bevor wir jetzt in unsere Diskussion zum heutigen Thema einsteigen, wären Sie noch so nett, beide Ihre politischen Positionen zum Thema innerhalb von zwei Minuten darzulegen, damit unsere Zuschauerinnen und Zuschauer wissen, mit was sie es da zu tun haben, wo die Ausgangslage ist?
Wolf:
Ja, die Tiroler Volkspartei steht natürlich für den Tourismus in diesem Lande. Er ist ein Wohlfahrtsfaktor, ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor, der auch durch schwere Zeiten, wie die Wirtschaftskrise geholfen hat. Wir wollen aber einen Tourismus, der familiengeprägt ist, also von Familien geführt, der nachhaltig ist und vor allem wollen wir einen Tourismus, der ganzjährig in Tirol läuft, damit wir auch ganzjährige Arbeitsplätze in diesem Wirtschaftsbereich haben.
Lukas:
Danke! Unter zwei Minuten auf jeden Fall. Challenge accepted, Gebi Mair?
Mair:
Das schaffen wir. Also wir Grüne sind auch Tourismusfans, weil der Tourismus bringt uns sehr, sehr vieles. Er bringt den Austausch mit der großen, weiten Welt. Wo wäre Tirol, was wäre das für ein Land ohne den Tourismus? Also es hat sich viel entwickelt, auch gesellschaftlich. Wir haben ja viel gelernt auch von anderen und die haben hoffentlich auch ein bisschen was von uns gelernt. Wir sind Tourismusfans. Er ist wichtig für unsere Infrastruktur, wenn ich an den öffentlichen Verkehr denke, in Tirol, der könnte nie so sensationell sein, wie er derzeit ist, wenn es nicht die Beiträge aus dem Tourismus gäbe. Und auf der anderen Seite gibt es natürlich Auswüchse und Auswirkungen, wo wir als Grüne sagen müssen, irgendwo muss auch Stopp sein, bei der Erschließung von Gletschern. Neue Gletscher brauchen wir sicher nicht erschließen. Skigebiete müssen auch einmal Endausbaugrenzen irgendwo haben. Und was mir ein großes Anliegen ist, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Tourismus, das ist eine schwierige Arbeit. Und ich verstehe das oft, dass viele Einheimische da nicht arbeiten möchten, weil die Arbeitsbedingungen so schwierig sind. Vielleicht können wir auch noch darüber reden, jetzt aktuelle Vorfälle bei Lehrlingen in großen Hotels. Da ist ganz viel für die Mitarbeiterinnen, da wäre richtig was zu tun, damit es attraktiver wird, im Tourismus auch zu arbeiten.
Lukas:
Vielen Dank. Dann würde ich sagen, wir starten mal beim Positiven, dem Wirtschaftsfaktor. Vielleicht Herr Wolf, Tirol ist ja eines der bedeutendsten Wintertourismusgebiete Europas. Über 70 Skigebiete, Milliardenumsätze, tausende Arbeitsplätze. Könnten Sie uns vielleicht mal ganz kurz umreißen, was das für das Land eigentlich an Volumina bedeutet?
Wolf:
Ja, das bedeutet natürlich tausende von Arbeitsplätzen, die uns der Tourismus bringt. Es bedeutet also auch Wirtschaftskraft, weil diese Gäste bei uns ja auch wohnen. Also alle Versorgungsbetriebe und Lebensmittelbetriebe. Das bedeutet auch Investitionen, weil die Häuser und die Liftanlagen ja ständig erneuert werden müssen. Das bedeutet einfach ein stabiler Wirtschaftssektor für unser Land, der uns sehr viel bringt.
Lukas:
Weiß man eigentlich, wie viel Prozent der Tiroler Wirtschaftsleistung macht der Tourismus aus?
Mair:
Ungefähr ein Drittel, kann man so im Groben sagen. Man muss dazu sagen, beim Tourismus schaut es immer viel mehr noch aus, weil der Tourismus ist natürlich eine sehr auffällige Wirtschaftsstruktur oder große Landschaftsveränderungen, Seilbahnanlagen, Hotelbetriebe, Dinge, die man sieht. Die Industrie ist oft viel unauffälliger, hat aber mehr Arbeitsplätze auf kleiner Fläche. Es wird oft sogar die Bedeutung vom Tourismus in Tirol noch überschätzt, aber so ungefähr ein Drittel, hätte ich gesagt. Ungefähr ein Drittel der Wirtschaftsleistung dürfte direkt oder indirekt vom Tourismus indiziert sein.
Lukas:
Jetzt gibt es oft das Schlagwort „Qualität vor Quantität“ weil man in Tirol schon ein Ausmaß erreicht hat, wo man darüber nachdenken muss, wie weit kann man das noch ausweiten? Geht man da mehr, dass alles hochklassiger wird oder geht man mehr in die Massen? Was ist da die Position?
Wolf:
Also wir wollen vor allem Wertschöpfung, dass wir die Wertschöpfung steigern aus dem Tourismus. Also nicht die Masse, sondern die Wertschöpfung muss passen. Und das ist das Ziel. Und die Nachhaltigkeit und die Ganzjährigkeit sollte gegeben sein im Tourismus. Es gibt ja auch ein Tourismusleitbild für Tirol, der „Tiroler Weg“. Und da ist es ganz genau auch von der Regierung skizziert, wohin das gehen soll. Wir wollen einen Tourismus der Wertschöpfung bringt, einen nachhaltigen und einen ganzjährigen Tourismus.
Lukas:
Und wenn man da ein bisschen mehr ins Detail geht, vielleicht kennen nicht alle Tirolerinnen und Tiroler den „Tiroler Weg“ im Detail. Was wird da genau gefordert, wenn man ein bisschen konkreter wird?
Wolf:
Ja, wir wollen einen Tourismus, der sowohl im Winter und im Sommer ist, wenn es möglich ist. Wir wollen Ganzjahres-Arbeitsplätze, dass die Menschen dort auch ganzjährig beschäftigt sind. Und wir wollen natürlich auch, dass der Tourismus sozusagen nachhaltig ausgerichtet ist. Das fängt vom Betrieb vor Ort an. Das geht über die An- und Abreise. Das bedeutet halt sozusagen ein nachhaltiger Tourismus. Und wenn ich sehe, was die Touristiker auch investieren und investiert haben in den letzten Jahren, dann geht es in die richtige Richtung. Bis hin zu Personalunterkünften, die ja auch gebaut worden sind, sehr viele in den letzten Jahren. Damit man eben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch adäquat und zeitgemäß unterbringen kann.
Lukas:
Herr Mair, Sie sind ja in der Opposition. Wie schätzen Sie den „Tiroler Weg“ ein? Ist der zukunftsweisend? Was könnte man da vielleicht noch verbessern?
Mair:
Also Opposition oder Koalition, ich sage eigentlich immer das Gleiche inhaltlich, hoffe ich, das ist bestimmt. Das hängt jetzt nicht davon ab, wo wir gerade politisch tätig sind. Mit Masse und Klasse, das ist ja immer so eine Sache. Wenn 50 Gäste in einem Bus kommen, sind die vielleicht nicht so eine Belastung am Eingang vom Zillertal, wie wenn 50 mit ihrem Mercedes kommen, einzeln. Und deswegen ist die Wertschöpfungsdiskussion natürlich wichtig. Klar, die Menschen sollen was verdienen am Tourismus. Wir machen das ja nicht nur zur Gaudi wenn wir unsere Heimat teilen mit anderen. Aber es ist natürlich schon auch immer eine Frage, wie die Belastung möglichst klein gehalten werden kann. Und wenn ich denke an Stauwochenenden im Zillertal, am Aachenpass, am Fernpass, da sind natürlich auch viele Menschen, die sagen: Moment, ich habe eigentlich ganz wenig vom Tourismus. Ich habe hauptsächlich den Verkehr, ich habe den Stau. Wie komme ich eigentlich dazu? Und mein Gefühl ist, dass der „Tiroler Weg“ sozusagen nicht alle Menschen in Tirol eigentlich mitnimmt. Der ist für Tourismus, Intensiv-Tourismus-Regionen, für die ist er oft gedacht. Auch dort wird noch viel fehlen. Nachhaltigkeit ist schon angesprochen worden. Und Nachhaltigkeit hat ja immer viele Dimensionen. Da geht es um Nachhaltigkeit in der Umwelt. Da geht es um soziale Nachhaltigkeit. Da geht es um Nachhaltigkeit bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Da geht es um wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Also Nachhaltigkeit ist ja immer ganz, ganz umfassend. Da ist viel zu tun und zu denken eigentlich noch, wo ich immer sagen muss, es ist immer oft ein bisschen ambivalent. Andererseits ist es natürlich gut, dass Personalunterkünfte gebaut werden, der Jakob hat es erwähnt, andererseits muss man sich fragen, warum müssen denn so viele Personalunterkünfte gebaut werden? Naja, weil es so wenig Einheimische gibt, die dort arbeiten wollen. Weil halt viele Menschen als prekäre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herkommen, eine Saison, zwei Saisonen. Und die brauchen natürlich eine Personalunterkunft. Aber noch viel besser wäre es ja, wenn die Arbeitsplätze so attraktiv sein könnten, dass die Leute gar keine Personalunterkunft brauchen, sondern von daheim in die Arbeit gehen können. Das wäre das eigentliche Ziel, dass die Nachhaltigkeit auch die Einheimischen als Arbeitskräfte umfasst.
Lukas:
Hat es da einen großen Shift gegeben von Einheimischen als Arbeitskräfte im Tourismus hin zu jetzt, 2026, wo wir stehen?
Wolf:
Ja, das glaube ich schon. Aber man muss, glaube ich, die ganze Wirtschaft sehen. Weil wenn wir zurückdenken an die 60er Jahre, dann hat die Industrie ja auch Arbeitskräfte aus der Türkei geholt. Also verschiedene Wirtschaftszweige. Und früher war es natürlich in den Tälern so, dass es kaum einen anderen Arbeitsplatz gegeben hat, wie den Tourismus. Und jetzt gibt es natürlich eine Reihe von Möglichkeiten, einer Arbeit nachzugehen. Und da wechselt der eine oder der andere auch. Ganz klar, aber es gibt doch noch sehr viele Einheimische, die im Tourismus arbeiten.
Mair:
Es tut sich auch in der Struktur viel, darf man ja nicht übersehen, wo es früher noch gegeben hat, Privatzimmervermietung, Ferienwohnungen. Wo man gesagt hat, gut, oben habe ich noch zwei Zimmer im Haus, die könnte ich vielleicht noch als Gästezimmer vermieten.
Lukas:
Eine Badewanne…
Mair:
Das hat sich natürlich oft geändert. Das gibt es auch noch. Privatzimmervermietung ist ein ganz wichtiger Zweig. Aber da hat sich viel geändert, natürlich auch hin zu größerer Hotellerie, zu professioneller Vermietung. Es gibt auch den Gegentrend wieder mit Airbnb und Kurzzeitvermietung in der Stadt, wo die Leute zu Recht sagen: Moment, aber da haben vorher Menschen gewohnt und jetzt ist es für die Gäste da. Also es gibt auch den Gegentrend wieder. Und man muss sich eben immer im Tourismus fragen, muss es natürlich eine Balance sein. Andererseits ist es wirklich toll, dass es den Austausch gibt, dass wir was verdienen. Andererseits geht es immer darum… die Hilde Zach war eine Bürgermeisterin von Innsbruck. Und die Hilde Zach hat einen sehr klugen Satz gesagt, den habe ich mir zu Herzen genommen. Die Hilde Zach hat gesagt: Ja, wenn es den Einheimischen gefällt, dann wird es den Gästen auch gefallen. Und an dem ist so viel Wahres dran. Wir müssen nicht Disneyland produzieren für irgendwelche anderen Leute, sondern wenn das so ist, dass die Einheimischen sagen: Boah, lässig, ich gehe gerne in die Stadt, ich gehe gerne Skifahren. Wenn das für die passt, wenn das für die leistbar ist, nutzbar, dann werden die Gäste sagen: Ja, das ist für mich auch was.
Vom Winter- zum Ganzjahrestourismus?
Lukas:
Mich interessiert diese Frage noch, wie man den ganzjährigen Tourismus schaffen kann? Weil jetzt ist natürlich schon auf Skitourismus im Winter ein großer Fokus. Und im Sommer wandern, da ist ja die Coolcation, die aufgrund des Wetterwandels in Tirol einzahlt, dass viele Leute nicht mehr so viel in den Süden fahren wollen, sondern eben eher kühlere Regionen aussuchen. Wie kann man das schaffen, dass der Tourismus das ganze Jahr über floriert?
Wolf:
Ja mit entsprechenden Angeboten, da haben wir ja nachgezogen und investiert, wenn ich daran denke, an Radwege. Den Radtourismus haben wir massiv ausgebaut, aber auch im Ötztal, Aquadome zum Beispiel, Wellness-Tourismus oder bei mir in Umhausen die Vivea-Gruppe Gesundheitstourismus oder die Area 47, Erlebnistourismus für junge Menschen. Da ist ja eine ganze Reihe von Investitionen gesetzt worden, um hier ganzjährig auch attraktiv zu sein.
Mair:
Das ist richtig erwähnt. Das ist ein Problem vom Wintertourismus. Der produziert eigentlich für relativ wenig Tage im Jahr mit sehr viel Aufwand für die Spitze eigentlich. Also der Skibetrieb in den Skigebieten ist vielleicht 100 Tage oder ein bisschen weniger eigentlich. Die Leute wollen, ich verstehe das, auch im Oktober und November Skifahren, wo es noch keinen Schnee hat. Der Schnee kommt, die Klimaveränderung, der Schnee kommt halt auch immer später. Wir sehen es im heurigen Jahr, im Dezember hat es sehr wenig, jetzt Ende Februar kommt er. Das ist natürlich irre aufwendig auch, oder? Die Schneeproduktion, technische Beschneiung, der Kubikmeter kostet 5 Euro. Das muss alles jemand zahlen. Das ist ja ein Riesenaufwand, der dort betrieben wird, damit das möglich ist. Der Sommertourismus schaut oft so aus, als ob nicht so viel Geld hereinkommen würde. Er ist vom Aufwand aber auch oft geringer. Und wir brauchen natürlich einen Ausgleich, auch in den Zeiten dazwischen. Man darf nicht nur Winter - Sommer denken, es gibt Saisonzeiten dazwischen, Herbst und Frühjahr. Mir kommt oft, Tirol hätte auch noch so viel anzubieten, Innsbruck gerade in der Kultur beispielsweise. Das ist ja ganz unglaublich. Die Einheimischen wissen das oft nicht, was in Innsbruck an Kulturangebot da ist. Und woher sollen es dann die Gäste wissen, Festwochen der Alten Musik. Ich glaube schon, Tirol ist so unglaublich attraktiv und wir haben so tolle Nahmärkte eigentlich. Wir müssen gar nicht die Gäste aus China und von der amerikanischen Westküste, also herzlich willkommen, aber wir müssen gar nicht die bewerben. Wir liegen mitten in Europa, können wir Gäste herbringen. Wir müssen es denen halt auch unkompliziert machen, dass sie herkommen, wegkommen, dass das einfach geht, mit dem Zug geht, dass man sein Gepäck aufgeben kann und im Hotelzimmer wieder kriegt. Also diese ganze, gerade diese Kurzurlaubsgeschichte, die im Moment für viele Menschen eine Belastung ist, weil sie sagen, früher sind die Leute einmal im Jahr gekommen, jetzt kommen sie zweimal und dreimal und jedes Mal fahren sie hin und her. An den Belastungen, über die muss man natürlich auch reden.
Wolf:
Aber das machen wir selber ja auch. Wenn man das Verhalten anschaut, wie oft fahren die Tiroler zum Gardasee? Mehrmals im Jahr, und produzieren natürlich dort auch Verkehr. Und wenn die Gäste zu uns kommen, dann gibt es auch einen Verkehr. Wo Licht ist, ist Schatten.
Mair:
Ganz genau. Also mit dem Gardasee ist ein gutes Beispiel. Mir geht es genauso, ich denke mir oft, ich würde jetzt gerne, bei uns regnet es, ich würde jetzt gerne am Gardasee Radl fahren. So, ich mag das. Und dann schaue ich nach, mit dem Zug und mit dem Bus bis da unten bist, Katastrophe. Also das, was wir uns von anderen wünschen, dass man leicht zu ihnen kommt, das wünschen wir uns natürlich auch für uns, dass man auch leicht zu uns kommt. Und da ist sicher noch Verbesserungsbedarf auf ganz vielen Ebenen. Wir wissen ja auch, 80 Prozent vom CO2 entsteht auf der Anreise eigentlich. Und wenn wir da wirklich was verbessern wollen, dann müssen wir das den Leuten aus Bochum und aus Essen einfach machen, dass sie da herkommen, ohne dass sie uns zustauen.
Lukas:
Ja, was natürlich mit so ein paar Ski im Gepäck gar nicht so leicht ist im Zug.
Mair:
Es nehmen immer weniger Menschen Ski mit. Die Leute haben irgendwann verstanden, wenn ich mir Ski kauf, die nutze ich zwei Saisonen, das sind 14 Tage, ich leihe mir das Zeug aus. Und da ist ja auch eine Dienstleistungswirtschaft, das ist ja auch super, oder? Ich verstehe das. Ich habe persönlich, ich habe keinen Alpinski mehr. Ich gehe normal, ich gehe selber, ich gehe Skitouren. Wenn ich unbedingt auf ein Piste will, leihe ich mir einen aus, weil dann kriege ich einen perfekt gewarteten Ski. Und dann sage ich, das ist es mir wert, dass ich mir den jetzt ausleihe. Also man muss Dienstleistung natürlich auch immer cool bringen und erfinden und gut anbieten, serviceorientiert. Und dann haben alle was davon.
Wolf:
Ich glaube, in der Verkehrsangelegenheit haben wir auch vernünftig und richtig investiert. Nicht zuletzt auch mit grüner Regierungsbeteiligung, muss ich sagen. Bei uns im Ötztal zum Beispiel, seit einigen Jahren werden die Parkplätze im Skigebiet Hochötz und in Sölden bemautet. Und parallel ist der öffentliche Verkehr massiv ausgebaut worden, sodass die meisten Touristen heute das Auto stehen lassen und mit dem Bus ins Skigebiet fahren, dort einen Kasten haben, wo die Ski drinstehen und die Skischuhe drinstehen. Und das ist also problemlos, weil die meisten Menschen ja aus den Städten, diese Öffis ja gewohnt sind.
Skifahren und der Klimawandel
Lukas:
Ja, ich würde sagen, wir gehen jetzt einmal zum Thema Skigebiete, weil das ist doch ein großer Brocken und da schlagt dann auch der Klimawandel rein und die Gletscher, da können wir dann gleich alles mitnehmen, was uns ja sonst auch so beschäftigt in diesem Themenbereich. Ich würde mit dem Herrn Wolf anfangen. Wie sehen Sie das? Wie viel Ausbau von Skigebieten würden Sie nun befürworten und warum? Oder ist das dann einmal genug und dann investiert man mehr in die Qualität? Oder wie ist Ihre Position da?
Wolf:
Da gibt es eine ganz klare Position. Neuerschließungen brauchen wir in dem Land keine, aber Modernisierungen, Zusammenschlüsse, dort, wo es Sinn macht, das schon. Wir haben zum Beispiel, haben wir uns unterhalten, Gebi Mair, zum Beispiel in Jerzens. da wäre es sinnvoll, vom Pitztal aus, vom Boden einen Lift zu bauen ins Skigebiet, weil derzeit kurven alle durch die enge Straße hinauf. Das wäre zum Beispiel so ein Projekt, wo ich sagen würde, das macht Sinn. Aber eigentlich haben wir moderne Liftanlagen. Die müssen natürlich auch ständig modernisiert werden. Und das macht auch die Tourismuswirtschaft, beziehungsweise die Liftgesellschaften machen das auch.
Lukas:
Ja.
Mair:
Also man muss das sagen, es ist wirklich qualitativ auf einem sensationellen Niveau. Wer einmal Liftanlagen in Frankreich oder irgendwo gesehen hat, der sieht, was bei uns an Qualität dahinter ist. Das wäre im Pitztal, das wäre tatsächlich ein Lift, wo sogar der Gebi Mair als Grüner dafür wäre, weil wir auch gesagt haben, das macht ja Sinn, dass die Leute nicht mit dem Auto fahren, sondern dass man einen Lift baut. Und andere Projekte, muss ich schon sagen, da braucht es auch irgendwann einmal Grenzen. Also da muss auch, aus meiner Sicht, müsste die Politik auch den Mut haben zu sagen, da ist jetzt Stopp. Im Skigebiet erneuern, Qualität verbessern, das ist alles gut und richtig, aber neue Flächen erschließen, ist eigentlich nicht gut, weil wir sehen, dass Skigebiete, von zwei Seiten die Natur eigentlich jetzt unter Druck kommt. Das eine ist durch die Klimaveränderung von unten bei den niedrig gelegenen Skigebieten, sehen wir einfach mit dem Schnee, das wird schwierig. Also wenn man die weißen Bänder in manchen Bezirken über viele Monate sieht, das wird ja nicht besser. Und oben sehen wir sozusagen, jetzt entwickeln sich Skigebiete natürlich gerne nach oben und dringen in Regionen vor, Gletscher vor, Felder beispielsweise, die ökologisch höchst sensibel sind, das sind Pionierlandschaften. Dort, wo sich die Gletscher zurückziehen, da entstehen im Moment total ökologisch sensible Pionierlandschaften und da wird ja massiv eingegriffen, wenn man da oder Skigebiet bauen will. Da musst du Pisten planieren, da musst du Felsen sprengen. Also man darf sich das nicht so einfach vorstellen, dass man da halt drei Fähnchen aufstellt und dann wird dort Riesentorlauf gefahren. Das sind Industrieanlagen im Hochgebirge. Und so sollte man sich auch behandeln und sagen: Okay, wie grenzt man das so ein, dass es verträglich für alle ist? Und ich glaube, da sind die Grenzen eigentlich erreicht.
Lukas:
Man muss ja sagen, dass 87 von den 90 beobachteten Gletscher aktuell im Rückzug sind. Also das liegt ja auf der Hand, dass das gerade so ist.
Wolf:
Und da ist Skifahren schuld?
Lukas:
Nein, nein, da ist nicht das Skifahren schuld.
Wolf:
Das glaube ich nämlich nicht. Ich glaube, man muss die Kirche schon im Dorf lassen. Wir haben drei Prozent der Landesfläche wird genutzt für den Wintertourismus. Da sind aber schon alle Außenanlagen dabei. 30 Prozent der Landesfläche haben wir geschützt in dem Land Tirol. Und wenn ich gerade an das hintere Ötztal denke, wie viele Gletscher wir da drinnen haben, dann haben wir schon sehr viele Flächen, die unberührt sind. Und das Skifahren jetzt für den Klimawandel verantwortlich zu machen, das halte ich nicht zulässig.
Lukas:
Das wäre ein bisschen klein gedacht.
Mair:
Nein, aber es hängt natürlich immer alles zusammen, oder? Das stimmt, also die Gletscher gehen zurück. Das ist Folge der Klimaveränderung.
Wolf:
Vor 5.000 Jahren, Ötzis Zeiten, hat es keinen Gletscher gegeben im hinteren Ötztal.
Mair:
Das ist richtig, aber auch keine Gletscherbahnen. Also jetzt hat es halt massive Auswirkungen auf uns Menschen.
Wolf:
Es sind Bäume gefunden worden auf diesen Höhungen.
Mair:
Ja, ja, schon klar. Es hat aber ein paar Auswirkungen auch darüber hinaus. Ein Gletscher ist ja ein riesiger Wasserspeicher. Also gerade im Ötztal weiß man das, oder? Natürlich, dass der Wasserabfluss im Tal über das ganze Jahr, der Wasserhaushalt stark davon abhängt, ob es Gletscher gibt oder nicht. Oder ob das alles mit der Schneeschmelze nach unten rauscht. Und gerade im Ötztal beispielsweise ist ja schon das Ötztaler Wasser, das ist ja auch für den Ganzjahrestourismus, den wir wollen, ist das ja eine wichtige Qualität, dass es den gibt. Dass es das gibt. Wir haben uns, glaube ich, schon ein Interesse, dass das Wasser auch touristisch nutzbar wird. Stuibenfälle. Also es gibt ja wirklich tolle Naturjuwele, auch die aus dem Wasser, aus Gletschern oder auch ohne Gletscher zum Teil, entstehen, wo es wichtig ist, dass wir die erhalten. Deswegen sage ich beispielsweise, das Ötztaler Wasser muss im Ötztal bleiben. Da können wir uns vielleicht auch darauf einigen, dass das nicht durch Kraftwerke abgeleitet werden soll, weil da sehen wir schon was Wichtiges auch. Der Tourismus steht natürlich oft auch in Konkurrenz mit anderen Projekten. Und das ist ein bisschen was, wo ich mir immer oft denkt bei der ÖVP. Das ist jetzt nicht ganz sauber argumentiert, weil die sagen, ja, wir sind für den Tourismus, wir sind aber auch für die Kraftwerke, ja, wir sind auch für den Straßenbau... Also für alles kann man nicht sein. Da muss man sich manchmal politisch auch entscheiden, zu sagen, Leute, das Wasser bleibt jetzt da im Tal, da geht sich halt kein Kraftwerk aus.
Lukas:
Was sagen Sie da dazu?
Wolf:
Nein, ich bin natürlich im Ötztal sehr bewandert. Das Wasser im Ötztal, natürlich haben wir auch Naturkatastrophen durch Vermurungen im Ötztal, Hochwasser. Da muss man schon was tun, weil der Siedlungsraum gefährdet ist. Ansonsten, glaube ich, die ÖVP hat ganz klare Positionen. Wir müssen dieses Land, dieses wunderschöne Land erhalten, weil wegen der Schönheit des Landes kommen die Touristen zu uns. Da kann man ja nicht sagen, die ÖVP will die Natur zerstören, überhaupt nicht. Sinnvoll nutzen, damit aber auch die Natur erhalten bleibt und die Schönheit, deswegen kommen ja Tausende und Abertausende Gäste zu uns wegen der Schönheit der Natur. Und da achten wir schon sehr drauf.
Lukas:
Darf ich noch eine Frage stellen, die, glaube ich, viele Menschen in dem Land bewegt und die das letzte Mal jetzt dieses Thema vom wandelnden Klima streift. Was ist, wenn… der Niederschlag wird ja irgendwie weniger, der Schnee kommt später, man merkt ja eine Veränderung in den letzten 20 Jahren. Hat dieser Skitourismus in Ihren Einschätzungen, mehr kann man ja nicht tun, eine lange Zukunft und wird es sonst eine Exit-Strategie geben, wie man das irgendwie anders nutzen oder umwandeln kann in etwas, was für alle gut ist?
Wolf:
Na, ich glaube, der Skitourismus hat Zukunft, der wird sich in höheren Lagen abspielen, aber der Skitourismus hat meines Erachtens schon Zukunft. Und ich glaube, man sollte auch nicht so einfältig sein und sagen, die 770.000 Tirolerinnen und Tiroler mit ihrem wirtschaftlichen Tun sind schuld am Klimawandel der ganzen Welt.
Lukas:
Nein, das hat auch niemand gesagt. Ich glaube, das behauptet auch niemand.
Wolf:
Ich glaube, man sollte nicht den Tourismus jetzt als den Game Changer im Klimawandel nur betrachten. Wir müssen was tun gegen den Klimawandel. Natürlich tun wir das mit nachhaltiger Energie. Deswegen setzen wir auf Wasserkraft in unserem Lande, weil wir einen Haufen Wasser in Tirol haben. Und man kann doch nicht so scheinheilig sein und sagen, jetzt fahren wir alle mit Elektroautos und wir machen alle Heizung, Wärmepumpenheizung, aber den Strom, den holen wir uns irgendwo von Atomkraftwerken in Frankreich. Das ist ja ein falscher Weg, oder?
Mair:
Das Problem bei der Klimaveränderung ist ja der Abwechsel von „zu viel“ zu „zu wenig“. Es gibt dann einmal zu viel Regen, dann gibt es zu wenig Regen, dann gibt es zu viel Schnee, dann gibt es zu wenig Schnee, zu heiß, zu wenig heiß. Also die Extreme nehmen zu. Und das ist natürlich ein Problem. Jetzt, wenn ich meinen Urlaub plane, dann möchte ich natürlich auch, dass ich das irgendwie abschätzen kann. Ich möchte doch nicht irgendwo hinfahren, wo dann Hochwasser ist, oder? Das ist ja klar. Also das ist ein Problem, dass das so irre schwankt. Und ich finde ja eigentlich, wir Grüne sollten einen Orden von den Skigebietsbetreibern kriegen. Das finde ich wirklich. Weil wir kämpfen dafür, dass die Skigebiete möglichst langen Schnee haben. Dass die möglichst wenig technische Beschneiung kriegen, dass man möglichst langen Skifahren kann. Also eigentlich sollten die alle bei uns Schlange stehen und sagen: Wir unterstützen die Grünen, weil die helfen uns dabei, dass der Schnee bleibt. Das wäre eigentlich, also ich erwarte immer, dass die zu uns kommen. Die Tür steht offen.
Wolf:
Ich meine, man sieht doch, dass er aus dem Stubaital kommt. Ja, einen Kontakt zum Tourismus, der Gebi.
Lukas:
Gondel eröffnet.
Wolf:
Ja, Gondel eröffnet. Ich werde mit dem Franz Hörl reden einmal, wie es um den Orden steht. Vielleicht bekommst du ihn.
Wie steht’s um die Einheimischentarife?
Lukas:
Wir neigen uns jetzt schon ein bisschen dem Ende unserer Diskussion zu. Mich würde das Thema Liftkarten für Einheimische noch interessieren, weil das war immer ein ganz wichtiger Faktor, auch für alle, die jetzt nicht vielleicht so viel Geld haben, dass die trotzdem Skifahren gehen können. Und das wurde ja aufgrund einer EU-Vorgabe abgedreht.
Wolf:
Geoblocking-Verordnung.
Lukas:
Geoblocking-Verordnung. Können wir das vielleicht mal ganz kurz nochmal erklären, für alle, die sich noch ärgern, aber vielleicht nicht so gut auskennen. Und ob es da irgendwelche Ideen gibt, das auf anderem Wege wieder möglich zu machen.
Wolf:
Nein, es gibt ja verschiedene Konstruktionen, die jetzt schon genutzt werden in dem Land Tirol. Ob das die Familienkarte oder die TIWAG-Strombezug und da kriegt man günstige Karten bei uns im Ötztal. Ist es so, dass es am Vorverkauf gibt, relativ günstige Karten für Einheimische, zur Benutzung aller Skigebiete oder nicht. Ärgerlich ist nur, dass die EU das vorgibt, dass es keine Einheimischen-Tarife geben kann. Weil die EU sagt, wenn es so günstige Karten gibt, muss es für alle EU-Bürger diese günstigen Karten geben. Das ist ja das Problem dabei. Und ich glaube, man muss da auch bei der EU ansetzen. Weil wenn man irgendwo in einer Region lebt, dann soll man auch einen Vorteil haben aus dieser Region. Das gilt ja für mehrere Regionen in Europa. Und es war ja der entsprechende Kommissar hier, auch in Tirol da. Und ich glaube, es tut sich was in Brüssel, dass wir diese Geoblocking-Verordnung ändern, damit wir dann nicht über Hilfskonstruktionen günstige Karten vergeben können, sondern ganz offiziell, wie es halt auch früher war.
Mair:
Ich glaube, dass schon in Tirol auch noch mehr machbar wäre, damit die Tirolerinnen und Tiroler auch leistbare Tickets kriegen. Zum Beispiel die Kombination mit dem Öffi-Ticket. Fast 200.000 Menschen in Tirol sind Stammkunden, Stammkundinnen beim Verkehrsverbund, haben eine Jahreskarte, ein Klima-Ticket, super Sache. In der Schweiz ist das ganz normal. Mit dem GA, dem General-Abo, kriegst du 50 Prozent bei fast allen Seilbahnen beispielsweise. Und ich finde schon, dass das wichtig wäre, weil das VVT-Ticket gibt es für ganz Tirol. Die Kombination mit dem TIWAG-Preis, das ist ja nett. Aber es gibt ganz viele in Tirol, die können gar nicht bei der TIWAG sein. Im Außerfern, da sind die E-Werke Reutte, viele Stadtwerke in Schwaz, in Kufstein, in Hall. Es ist es gar keine TIWAG. Also passt, ist gut, dass man sich etwas überlegt hat. Aber ich finde, als Politik sollte man schon auch noch mehr tun, damit das für die Leute leistbar wird. Weil ich sehe schon, wie die Leute schnaufen, wenn sie sagen, Freizeitticket, jetzt zähle ich das zusammen. Eltern, Kinder, also wie viele Monatslöhne gehen dann nur für das Skiticket drauf. Das ist natürlich für die Leute nicht zu schaffen. Ich finde schon, dass es eine breite Beteiligung geben soll oder Beteiligungsmöglichkeit. Man sollte auch mal Dinge anreden, ehrlicherweise, das wird ganz oft außen vor lassen: Ganz viele Migrantinnen und Migranten in Tirol sind irgendwie total unberührt von der sonstigen Wintersportkultur, die wir haben. Und jetzt will ich das niemanden aufzwingen. Jeder soll das machen, wie er mag. Aber irgendwas gelingt uns da an der Integration nicht. Und ich fände das total schön, wenn es da mehr Austausch geben würde, dass auch Migrantinnen und Migranten in Tirol diese Chancen nutzen können. Da gibt es im Moment irgendwelche Hindernisse. Finanzielle, kulturelle, weiß ich nicht. Da wäre schon auch für das Land viel zu tun, glaube ich, damit wir uns alle besser verstehen miteinander.
Wolf:
Besser werden können wir immer. Ich möchte nur betonen, dass die Skiliftbetreiber ja auch die Einheimischen-Karten haben wollen. Das ist ja nicht, dass die, die sie nicht haben wollen, weil sie sagen, dann verlieren wir mehr. Die wollen ja auch, dass die Menschen den Tourismus akzeptieren. Und ein Weg dazu ist natürlich, dass die Einheimischen diese Anlagen auch nützen. Was die Integration betrifft, was Kinder betrifft und Skifahrten, halte ich das ganz, ganz wichtig, dass die Kinder Skifahren lernen. Es gibt ja auch hier einen Haufen Initiativen des Landes Tirol, Skisportwochen. Und es gibt auch sehr viele Gemeinden, zum Beispiel ich in meiner Gemeinde, mache einen Skikurs für Kinder aus dem Kindergarten heraus. Und die kriegen dann alles gestellt, Skikleidung, alles. Und da spielt es dann keine Rolle, lieber Gebi, ob das ein Kind mit Migrationshintergrund ist oder nicht. Wer möchte, kann da teilnehmen. Das ist dann ein Einstieg in diese Sportart. Ich mache das, oder wir machen das in der Gemeinde auch deshalb, weil wir einfach glauben, dass es für die Kinder wichtig ist, einen Bezug zur Bewegung zum Sport zu haben und nicht nur sozusagen vor den Handys oder Computern zu sitzen. Und ich höre auch, dass das viele andere Gemeinden machen. In Sölden etwa macht auch der Bürgermeister, Ernst Schöpf, selber den Skikurs für die Kinder seit Jahren und Jahrzehnten schon und das ist auch gut so. Aber natürlich, man kann immer mehr tun. Man kann immer besser werden und das wollen wir auch gemeinsam, glaube ich, jetzt über alle Parteigrenzen hinweg.
Lukas:
Als letztes Thema würde ich jetzt nochmal die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aufmachen, weil die die ganze Struktur ja halten und das ganze Jahr über bespielen. Und das ist schon ganz wichtig und stehen oft im Hintergrund. Was für Forderungen brennen denn dir da auf der Seele, die du gern umgesetzt sehen möchtest?
Mair:
Also mir ist wirklich aktuell, weil es eine aktuelle Diskussion ist, so wichtig, wie Lehrlinge im Tourismus behandelt werden. Wir haben jetzt, ich muss ja den Namen nicht in den Vordergrund rücken, aber von einem wirklich großen Hotel in dem Land gehört, wie Lehrlinge dort ausgebeutet, schlecht behandelt, erniedrigt, sexistisch, rassistisch, wurden. Da darf man sich, wenn es solche Vorfälle gibt, darf man sich nicht wundern, dass Menschen sagen: Nein, also bitte in der Branche, da will ich nicht arbeiten. Und ich finde es auch Aufgabe der öffentlichen Hand, zu sagen: Wir wollen das nicht. Wir wollen, dass Menschen ordentlich behandelt werden, weil das wollen wir alle, das weiß ich, dass das alle in der Politik wollen. Wir wollen, dass Menschen ordentlich behandelt werden. Ich wünsche mir zum Beispiel eine Kampagne, wo man “Deine Lehre, deine Rechte“, wo man Lehrlingen sagt, du musst dir nicht alles gefallen lassen. Du kriegst eh nicht viel gezahlt in dem Bereich. Du hast ein Recht, menschenwürdig wie ein erwachsener Mensch behandelt zu werden. Also lass dich bitte nicht... Und ich weiß, dass es im Tourismus ganz viele gibt, die mit ihren Mitarbeiterinnen genauso umgehen, weil sie, also gut umgehen, weil sie wissen, ohne Mitarbeiter:innen kannst du keinen Betrieb führen. So, die gehören vor den Vorhang. Und auf der anderen Seite muss man eben schauen, wenn wir so Dinge haben wie ausgezeichneter Lehrbetrieb und so, dass man da als Land Tirol wirklich drauf schaut, dass es da klare Standards gibt, dass es da Nulltoleranz gibt und dass wir die Selbstbestimmung der Menschen, auch in dem Bereich sagen, die sind ja nicht das Eigentum von irgendwem. Da laufen die Leute davon. Das ist überhaupt kein Wunder. Und dann sind noch viele Themen: Arbeitszeiten, Bezahlung. Ein freier Tag einmal. Ich glaube, dass viele Menschen möchten, dass viele Menschen sind total bereit sind zu arbeiten, gern zu arbeiten. Ich mag das nie, wenn die Gen Z da irgendwie so niedergemacht wird: Die wollen alle nichts mehr arbeiten. Ich glaube, auch Junge sind total leistungsbereit, wenn die Bedingungen stimmen. Und da muss man sicher noch dran arbeiten.
Wolf:
Ich glaube, gute Betriebe wissen, dass die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen das größte Kapital eines Betriebes ist. Und die schauen auch, dass die bleiben, in Betrieb bleiben. Beim Tourismus ist es so, man muss in dieser Sparte arbeiten mögen. Weil da sind oft Arbeitszeiten am Abend, am Wochenende, an Sonn- und Feiertagen. Wir alle wissen, wenn wir in ein Gasthaus gehen, am Sonntag Familienfeier, wollen wir auch bedient werden, da braucht es Kräfte. Es wird nicht jedem gegeben sein, dass er im Tourismus arbeitet. Genauso wie es nicht jedem gegeben ist, dass er in der Pflege arbeiten kann. Aber ich glaube, es gibt viele Betriebe, die sehr viel tun für die Mitarbeiter. Und so etwas wie die Vorfälle, von denen wir gehört haben, das ist ein No-Go. Das darf es nicht geben in dem Land. Und da bin ich auch froh, dass man die Arbeiterkammer und den ÖGB haben, zum Beispiel, wohin man sich wenden kann. Aber das sind schwarze Schafe und das geht nicht. Und der Tourismus weiß sehr gut auch, dass er selber an seinem Image arbeiten muss, damit die Arbeitskräfte bleiben. Aber wir haben zum Beispiel in Tirol eine Reihe von exzellenten Köchinnen und Köchen, die international unterwegs waren und dann wieder nach Hause kommen. Das trägt ja auch etwas dazu bei, zum Image des Tourismus. Und ich würde es nicht so ganz schwarz und negativ sehen.
Lukas:
Aber wären Sie dafür zu haben, zum Beispiel so eine Kampagne für Lehrlinge zu machen, damit die mehr über ihre Rechte informiert sind, beziehungsweise das Ganze ein anderes Image kriegt und ein anderes Bewusstsein da ist?
Wolf:
Ja, ich glaube, dass Lehrlinge gerecht oder ungerecht nicht nur im Tourismus behandelt werden. Es gibt in allen Wirtschaftszweigen schwarze Schafe. Ob es jetzt da aufgrund der Vorfälle in einem Betrieb eine landesweite Kampagne braucht, das weiß ich nicht. Aber man kann über jede Idee nachdenken. Und ich nehme sie heute einmal mit und werde sie dem zuständigen Landesrat näher bringen. Ich weiß nur aus meiner Umgebung, aus meinem Tal, dass die Touristiker sehr viel für die Mitarbeiter tun, auch weil sie möchten, dass sie sich wohlfühlen. Sie auch ordentlich bezahlen, ihnen nicht nur die Wohnungen, sondern auch auch Freizeitangebote liefern. Und das ist gut so, weil sie wissen, das größte Kapital eines Betriebes ist nicht sozusagen das Haus selber, sondern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Spiegelmoment
Lukas:
Wir kommen jetzt zu unserem Abschluss, zum Spiegelmoment. Die, die die früheren Folgen schon gesehen haben, kennen den: Im Spiegelmoment bitten wir Sie beide, ein Argument, das Sie jetzt gehört haben im Laufe der Diskussion, das anderen in eigenen Worten nochmal wiederzugeben und damit Wertschätzung, ob das jetzt die eigene Position erfüllt oder nicht, zu zeigen. Ich würde sagen, Gebi Mair, fangen Sie doch an.
Mair:
Ja, gern. Mir hat es sehr gefreut, dass der Jakob Wolf sieht, dass für den Ganzjahrestourismus Angebote wichtig sind, die auch von den Grünen angestoßen wurden, wenn es beispielsweise um Radwege geht, weil es Angebote auch sind, die für Gäste und für Einheimische gleichermaßen nutzbar sind, die ganzjährig nutzbar sind. Und ich freue mich, wenn es da ein Bewusstsein gibt, dass das für alle was Gutes ist und man das nicht so sagt: Ja, da sind ein paar Spinner mit ihren Dings. Sondern ich freue mich, das auch zu hören, dass das wahrgenommen wird, dass da wirklich alle einen Nutzen davon haben. Und wenn so grüne Ideen was bringen, das sind jetzt nicht nur grüne Ideen, andere sind auch für Sommerangebot, dann finde ich es super vom Jakob, dass er das auch erwähnt.
Lukas:
Danke. Und Herr Wolf, was hat Ihnen gefallen? Welche Antwort können Sie paraphrasieren?
Wolf:
Ich meine, mir hat es sehr gefallen, dass der Gebi Mair Tourismus nicht nur schwarz und weiß sieht, sondern das sehr differenziert. Und was vielleicht nicht so aufgefallen ist, das hat mir sehr, sehr gut gefallen, dass wir als Tirol deshalb ein so weltoffenes Land sind, weil wir seit Jahrzehnten Touristen, Menschen aus allen Ländern hier haben. Und das darf man nicht vergessen. Wir sind eine aufgeschlossene, moderne Bevölkerung in Tirol, auch aufgrund des Tourismus. Und das schätze ich sehr, dass du auch dieses Argument in die Diskussion eingebracht hast.
Lukas:
Dann bedanke ich mich für das konstruktive Gespräch. Super, dass Sie beide da waren. Und ich freue mich, wenn Sie bei einer der nächsten Folgen dann mal wieder vorbeischauen. Für unsere Zuschauer: Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann lasst uns bitte ein Abo oder eine gute Bewertung da. Schickt uns eure Gedanken oder Ideen für nächste Folgen unter adlerohren@tirol.gv.at oder auf unseren Social Media Kanälen. Danke fürs Zuhören. Wir bleiben demokratisch. Und bis zum nächsten Mal, wenn es bei uns um Elementarbildung in Tirol geht. Danke. Auf Wiedersehen. Servus, bitte und bis zum nächsten Mal.