LRin Hagele im Gespräch mit „Wissenschaftlerin des Jahres“ 2026

Quantenforscherin Francesca Ferlaino traf LRin Hagele am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) in Innsbruck

  • Themen des Gesprächs: Frauen in der Wissenschaft und frühe MINT-Förderung an Schulen und Kindergärten
  • Am 8. März 2026: Role-Models am Internationalen Frauentag sichtbar machen
  • Gespräch ab sofort auf YouTube-Kanal des Landes Tirol zu sehen 

Hochmagnetische Atome, ultrakalte Gase und suprasolide Quantenzustände – was für viele unverständlich klingt, ist Arbeitsalltag für Francesca Ferlaino. Die gebürtige Italienerin ist Österreichs „Wissenschaftlerin des Jahres“ 2026 und forscht an der Universität Innsbruck und am ÖAW-Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) in Innsbruck. Wissenschaftslandesrätin Cornelia Hagele traf die renommierte Quantenphysikerin zu einem ausführlichen Gespräch in ihrem Labor und tauschte sich zu Ferlainos Werdegang, Role-Models in der Physik und der Wichtigkeit von MINT-Programmen im Kindesalter aus. Das gesamte Gespräch ist auf dem YouTube-Kanal des Landes www.youtube.com/unserlandtirol zu sehen.

Innsbruck als Quanten-Hotspot

„Ich freue mich, dass ich Francesca Ferlaino im Vorfeld des Internationalen Frauentag am 8. März treffen konnte. Sie hat viel erreicht und hat ihren Weg stets mit Konsequenz, Leidenschaft und Mut verfolgt. Damit nimmt sie nicht nur an solchen Aktionstagen, sondern 365 Tage im Jahr eine wichtige Vorbildfunktion für viele junge Frauen ein“, ist LRin Hagele überzeugt. Eingangs stand eine Frage im Raum: Warum ausgerechnet Innsbruck? Für Ferlaino boten sich in der Tiroler Landeshauptstadt beste Rahmenbedingungen für ihre Arbeit: „Innsbruck ist weltweit bekannt für Quantenphysik. Für mich war klar: Wenn ich neue Techniken lernen und auf höchstem Niveau forschen will, dann hier“, erklärt die Physikerin. Mit Blick auf die heimische Universität und zahlreiche internationale Auszeichnungen pflichtet ihr LRin Hagele bei: „Tirol ist Quantenland. Unsere Universität und das IQOQI zählen zur Weltspitze in der Physik. Dieses Arbeitsumfeld bietet Chancen – für Spitzenforschung und für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.“

Frauen in der Physik: „Talent kennt kein Geschlecht“

Als Frau in einem männerdominierten Feld habe sie ein breites Netz an MentorInnen gehabt, berichtet Ferlaino im Gespräch. Gleichzeitig sei der weibliche Anteil in der Quantenphysik weiterhin niedrig. Hier könne die Politik ansetzen, erklärt LRin Hagele auch im Hinblick auf den Internationalen Frauentag: „Wir dürfen nicht akzeptieren, dass alte Rollenbilder über den Lebensweg entscheiden. Gleichstellung beginnt schließlich schon im Klassenzimmer. Deshalb müssen wir Mädchen und Burschen gemeinsam für Naturwissenschaften begeistern. Talent kennt kein Geschlecht – Punkt.“ Um dieses Verständnis für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik schon bei den Jüngsten zu wecken, ist Tirol seit 2025 das erste flächendeckende MINT-Bundesland Österreichs. Das bedeutet, dass es in allen Bezirken eigene MINT-Labore und sogenannte Spürnasenecken gibt. „Im vergangenen Jahr haben wir dafür rund 1,3 Millionen Euro investiert“, so die Wissenschaftslandesrätin. Zugleich sei es wichtig, jungen Mädchen als Vorbild voranzugehen: „Role-Models wie Francesca Ferlaino machen den Unterschied. Wenn junge Frauen sehen, was möglich ist, trauen sie sich selbst mehr zu.“

Vom „Zufall“ in die Quantenphysik

Im Gespräch schildert Ferlaino ihren ungewöhnlichen Zugang zur Physik: „Für mich war die Physik ein Zufall“, erzählt sie. Aufgewachsen in Neapel mit einer klassischen Ausbildung in Latein und Altgriechisch, habe es plötzlich „klick“ gemacht: „Ab diesem Moment wusste ich: Ich will verstehen, wie die Natur funktioniert.“ Heute forscht Ferlaino an stark magnetischen Atomen und sogenannten suprasoliden Zuständen – einem paradoxen Materiezustand, der zugleich flüssig und fest ist. „Physik ist universell“, betont Ferlaino. „Was ich in meinem Labor herausfinde, kann in ganz anderen Bereichen nutzbar gemacht werden – zum Beispiel in der Astronomie.“

Tirol – Land der Chancen

Auch heuer unterstützt das Land Tirol die Lange Nacht der Forschung am 24. April, um Wissenschaft verständlich zu machen. Gleichzeitig macht LRin Hagele auf die aktuelle Ausschreibung der NachwuchsforscherInnenförderung des Landes aufmerksam: „Mit unserem Förderprogramm wollen wir jungen Forschenden unter die Arme greifen und sie in ihrer Arbeit bestärken. Heuer haben wir bereits 55 Forschungsprojekte unterstützt – 32 davon von Frauen.“ Diese Bilanz sei ein positives Signal, wie die Landesrätin betont: „Ich wünsche mir, dass noch viele junge Frauen sagen: Diese Chance lasse ich mir nicht entgehen. Ich gehöre in die Wissenschaft und Forschung.“


Über Francesca Ferlaino

Die gebürtige Italienerin Francesca Ferlaino forscht seit 2006 in Innsbruck und ist seit 2014 Professorin für Experimentalphysik an der Universität Innsbruck und wissenschaftliche Direktorin am Innsbrucker Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Das Institut ist mit seinem Personal und seiner Infrastruktur eng mit der Universität Innsbruck verbunden. Internationales Aufsehen erlangte Ferlaino unter anderem mit dem Erhalt von bereits drei ERC-Grants (2009, 2016, 2022) und durch ihre Pionierleistungen auf dem Gebiet langlebiger suprasolider Zustände im Labor. Darüber hinaus engagiert sie sich intensiv für Wissenschaftsvermittlung und Chancengleichheit, etwa mit dem von ihr gegründeten Netzwerk „Atom*innen“ für Frauen in der Quantenphysik.