- Tierwohl im Fokus: 53 von 55 Rinderställen wurden 2024 als Laufställe umgesetzt
- Konsumbewusstsein als Schlüssel zur Erhaltung der bäuerlichen Struktur und Tiroler Kulturlandschaft
Mit einem Investitionsvolumen von 19 Millionen Euro und insgesamt 143 neu vergebenen Krediten war auch das Jahr 2024 für den Landeskulturfonds Tirol (LKF) ein erfolgreiches. Die Bilanzpressekonferenz fand heute, Donnerstag, am Sillerhof der Familie Kiechl in Rinn statt. Der mit großem persönlichem Einsatz geführte Bio-Milchviehbetrieb steht exemplarisch für die Vielseitigkeit und Zukunftsorientierung der Tiroler Landwirtschaft.
„Die Tiroler Bäuerinnen und Bauern stehen heute vor großen Herausforderungen. Nur mit Innovationskraft, unternehmerischem Denken und verlässlicher Finanzierung können unsere bäuerlichen Strukturen erhalten bleiben. Der Sillerhof beweist, wie es mit vielen Standbeinen und großer Familienleistung gelingen kann, einen modernen Landwirtschaftsbetrieb erfolgreich zu führen“, betont LHStv Josef Geisler, Vorsitzender des Kuratoriums des Landeskulturfonds.
Betrieb mit vielen Standbeinen: Sillerhof in Rinn
André und Franziska Kiechl führen den Sillerhof in Rinn seit der Hofübergabe im Jahr 2020. Der Betrieb wird als Biobauernhof mit Fokus auf Grünlandbewirtschaftung und Milchproduktion geführt. Durchschnittlich dreißig Milchkühe werden ganzjährig am Heimbetrieb gehalten, das Jungvieh verbringt die Sommermonate auf der Alm. Die Milchverarbeitung hat am Hof eine lange Tradition. Bereits seit über drei Jahrzehnten wird ein Teil der Milch direkt am Hof zu Käse, Joghurt, Butter, Molke und Topfen verarbeitet und im hofeigenen Laden verkauft. Ergänzt wird das Angebot durch regionale Produkte von Höfen aus der Region – etwa Erdäpfel, Gemüse, Honig, Brot, Eier und Fleischspezialitäten. Diese Beständigkeit wollten die jungen Biobauern André und Franziska Kiechl nach der Hofübernahme 2020 und dem anschließenden Zu- und Umbau des Stalles im Jahr 2021 unbedingt beibehalten, auch wenn es mit zusätzlichen Investitionen verbunden war.
Beim Umbau des alten Anbindestalls zum modernen Laufstall mit Kompostliegeflächen wurde bewusst auf eine möglichst ressourcenschonende Bauweise gesetzt. Der Altbestand wurde in den Neubau integriert, rund 300 Festmeter Holz wurden selbst geschlägert und viele der Arbeiten wurden in Eigenregie umgesetzt. Die Investitionskosten beliefen sich insgesamt auf etwa 900.000 Euro. Möglich war dieses Projekt nur durch die Kombination mehrerer Einkommensquellen innerhalb der Familie: Neben der Arbeit am Hof führt André Kiechl ein Holzschlägerungsunternehmen mit mehreren Mitarbeitern, Franziska Kiechl ist neben der Betreuung der drei Kinder auch halbtags als Physiotherapeutin tätig. Auch die Eltern der beiden wirken tatkräftig mit – Mama Theresia führt die Käserei, Vater Josef übernimmt nach wie vor zahlreiche Aufgaben rund um Stall, Hof und Feld.
LHStv Geisler würdigte bei der Pressekonferenz die Vielseitigkeit und das familiäre Engagement am Sillerhof: „Gerade Betriebe wie der Sillerhof sind ein Spiegelbild der Tiroler Landwirtschaft. Viele bäuerliche Familien können ihren Hof nur durch eine Kombination aus Direktvermarktung, außerlandwirtschaftlichem Einkommen und familiärer Unterstützung erfolgreich führen. Der Sillerhof vereint all diese Aspekte auf beispielhafte Weise.“
Verlässlicher Partner für Investitionen
Der Geschäftsführer des Landeskulturfonds, Thomas Danzl, präsentierte im Rahmen der Pressekonferenz die aktuellen Zahlen des Landeskulturfonds. Mit 143 Neukrediten im Ausmaß von über 19 Millionen Euro, einem aushaftenden Kreditvolumen von 122 Millionen Euro und einem Bilanzvolumen von insgesamt 188 Millionen Euro im Jahr 2024 bleibt der Landeskulturfonds ein verlässlicher Finanzierungspartner für die Tiroler Landwirtschaft. Aktuell haften rund 2.100 Kredite aus, wobei die durchschnittliche Kredithöhe im Jahr 2024 bei rund 161.000 Euro lag.
Besonders im Bereich der tierfreundlichen Haltungsformen sind weiterhin erfreuliche Entwicklungen zu verzeichnen. „Die Umstellung auf besonders tiergerechte Haltung setzt sich erfreulicherweise fort. Nahezu alle neu gebauten Rinderställe bieten den Tieren Auslauf und entsprechen den höchsten Standards“, so Danzl. Von den 55 im vergangenen Jahr geförderten Rinderstallprojekten wurden 53 als Laufställe umgesetzt. Auch bei anderen Stallbauten – etwa für Schweine, Schafe, Ziegen oder Pferde – sei der Trend zur besonders artgerechten Haltung deutlich spürbar. Darüber hinaus wurde in zahlreiche weitere betriebsnotwendige Bauprojekte wie Futterbergerräume, Güllegruben, landwirtschaftliche Garagen und Heubelüftungsanlagen investiert.
Erfreulich sei für die bäuerlichen Betriebe zudem die Entwicklung des Zinsniveaus, wie Danzl betonte. Während in den Jahren 2023 und 2024 die effektiven Zinssätze für durch Bundes- und Landeszuschüsse geförderte Kredite bei rund drei Prozent lagen, konnten diese seit Juli 2025 wieder auf etwa 1,7 Prozent gesenkt werden. „Das erleichtert nicht nur die Planung, sondern schafft auch gezielte Anreize für weitere Investitionen, vor allem für junge Betriebsführerinnen und Betriebsführer“, führt Danzl weiter aus.
Regionalität als Grundprinzip
Das Bekenntnis zu heimischen Lebensmitteln und zu regionalem Einkauf ist André und Franziska Kiechl besonders wichtig. „Wenn unsere Landschaft für uns Tirolerinnen und Tiroler, aber auch für den Tourismus weiterhin so attraktiv bleiben soll, dann müssen unsere regional erzeugten Lebensmittel auch konsumiert werden. Wir sind deshalb allen Konsumentinnen und Konsumenten in unserem Hofladen sehr dankbar für Ihre Verbundenheit zur heimischen Landwirtschaft.“
„Mit einem bewussten Griff ins Regal beginnt gelebte Regionalität“, fasst LHStv Geisler abschließend zusammen und betont weiter: „Wer heimische Lebensmittel kauft, stärkt nicht nur unsere bäuerlichen Familienbetriebe, sondern trägt auch aktiv zur Erhaltung der Kulturlandschaft, der regionalen Wertschöpfung und der Versorgungssicherheit bei. Der Sillerhof zeigt exemplarisch, wie bäuerliche Arbeit, Tierwohl, Nachhaltigkeit und Unternehmertum in Einklang gebracht werden können – und wie wichtig es ist, dass wir dieses Engagement mit unserem täglichen Einkaufsverhalten unterstützen.“