Schritt für Schritt barrierefrei: Bericht macht Handlungsbedarf sichtbar

Dies ist eine Aussendung des unabhängigen Tiroler Monitoringausschusses

  • Tiroler Monitoringausschuss veröffentlicht Ergebnisse der Gemeindebefragung zum Gemeinde-Aktionsplan-Behinderung
  • Erhebung zeigt Herausforderungen in den Bereichen Partizipation, Schnittstellen und Kommunikation
  • Sensibilisierung im Fokus: Checklisten unterstützen Gemeinden bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention

Ob mit Kinderwagen oder Gepäck, im Alter, mit Gips, mit einer Seheinschränkung oder nach einer Operation: Barrierefreiheit betrifft alle – und sie hat viele Facetten. Sie reicht von stufenlosen Zugängen zu Gebäuden über verständliche Informationen bis hin zu inklusiven Beteiligungsprozessen. Um die Gemeinden bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention zu unterstützen, erarbeitete der Tiroler Monitoringausschuss gemeinsam mit der Interessensvertretung für Menschen mit Behinderungen, ÖZIV Tirol, den Gemeinde-Aktionsplan Behinderung (GAP) mit konkreten Checklisten zu verschiedenen Handlungsfeldern. Die erste Befragung aller 277 Tiroler Gemeinden zeigt nun, wie es um die Barrierefreiheit steht. Die Rückmeldungen liefern wertvolle Impulse für weitere Schritte und dienen allen voran der Sensibilisierung. Die Ergebnisse zeigen, dass es insbesondere in den Bereichen Partizipation, Schnittstellen und Kommunikation weitere Anstrengungen braucht. 

„Mit dem Bericht wollen wir den Ist-Stand sichtbar machen, Bewusstsein schaffen und Orientierung geben. Natürlich zeigt sich in vielen Bereichen noch Verbesserungsbedarf, doch zugleich sehen wir in den meisten Gemeinden eine große Bereitschaft, aktiv zu werden. Barrierefreiheit ist ein Prozess, bei dem es darum geht, Schritt für Schritt Verbesserungen umzusetzen – und genau dabei sollen die Checklisten eine konkrete Unterstützung sein. Wertvoll sind für uns auch die Rückmeldungen der Gemeinden, die uns helfen, die Unterlagen laufend weiterzuentwickeln“, betont Isolde Kafka, Vorsitzende des Tiroler Monitoringausschusses.

Von Information bis Mitgestaltung

Damit eine Gemeinde barrierefrei werden kann, braucht es zunächst Wissen – über Gesetze, Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten – und eine entsprechende Kommunikation mit den BürgerInnen. 

Ein zentrales Ziel des GAP ist die Partizipation: Menschen mit Behinderungen sollen aktiv einbezogen werden – als ExpertInnen in eigener Sache. Laut den Umfrageergebnissen haben weniger als 20 Prozent der Gemeinden den Ist-Zustand ihrer Gebäude bezüglich Barrierefreiheit erhoben. Zudem zeigt sich, dass Sachverständige und betroffene Personen in kommunale Projekte häufig nicht miteinbezogen werden. Dabei wissen sie nicht nur am besten, was tatsächlich gebraucht wird, sondern durch ihre frühzeitige Einbindung können auch Fehlplanungen vermieden und langfristig Zeit und Geld gespart werden.

In Bereichen, in denen Gemeinden mit Schulen, Wohnbauträgern oder Vereinen zusammenarbeiten, sind Verantwortlichkeiten klar zu regeln, wie der Bericht empfiehlt. „Gerade bei Schnittstellen gilt: Barrierefreiheit gelingt nur, wenn alle Beteiligten gut zusammenarbeiten“, so Kafka. Besonders wichtig sind zudem etwa auch klare Hinweise, wie sich Menschen in Notfällen verhalten müssen. Hier zeigen die Ergebnisse: Während der Großteil der Gemeinden angab, die Verpflichtungen aus dem Tiroler Krisen- und Katastrophenmanagementgesetz zu kennen, stellen weniger als die Hälfte davon diese Informationen auch in barrierefreier Form zur Verfügung.

Checklisten als Werkzeug für Gemeinden

Die Checklisten des GAP beziehen sich auf insgesamt zehn Handlungsfelder, die zeigen, welche Maßnahmen der UN-Behindertenrechtskonvention bereits umgesetzt wurden und welche Bereiche noch ausbaufähig sind. Daraus kann ein Stufenplan zur weiteren Umsetzung abgeleitet werden.

Die Checklisten wurden gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen, Personen aus der Politik, Interessierten und ExpertInnen verschiedener Bereiche (beispielsweise Feuerwehr, Schule und Kindergarten) erstellt, die sich in Elmen (Bezirk Reutte) und Thaur (Bezirk Innsbruck-Land) zu Beteiligungsgruppen zusammengeschlossen hatten. Auch in Kufstein (Bezirk Kufstein) und Axams (Bezirk Innsbruck-Land) wurden viele Inklusionsmaßnahmen bereits umgesetzt oder befinden sich in Planung. Der Film zum „Barrierecheck“ in den beiden Gemeinden findet sich auf dem YouTube-Kanal des Landes Tirol.

Zum Bericht

Der Bericht des Tiroler Monitoringausschusses ist ab sofort in einfacher Sprache unter bericht-gemeindeaktionsplan2024.tirol.gv.at abrufbar. Er wurde erstmals als reine HTML-Version umgesetzt. So ist er nicht nur einfacher navigierbar und besser bedienbar, sondern erfüllt auch alle Kriterien der digitalen Barrierefreiheit.