- Waldstrategie 2030 erhält verbindliches Maßnahmenprogramm
- Waldwirtschaftspläne: Ausnahme für kleine Agrargemeinschaften
- Einsatz neuer Technologien – Fernerkundung und KI machen Planungen effizienter und günstiger
Wälder bedecken in Tirol 41 Prozent der Fläche. Davon sind mehr als 75 Prozent Schutzwald. Gleichzeitig ist der Wald auch wertvoller CO2-Speicher, schützt vor Lawinen, Steinschlag oder Muren und liefert nicht nur Holz, sondern auch weitere Naturprodukte. Nicht zuletzt bieten Tirols Wälder wertvolle Erholungs- und Ruheräume. Wie sich Tirols Wälder bis zum Jahr 2030 weiterentwickeln sollen, ist in der aktuellen Waldstrategie festgehalten. Sie wurde 2021 neu aufgelegt und wird nun durch ein verbindliches Maßnahmenprogramm ergänzt. Der Tirol-Konvent bildet dafür ein Fundament für einfachere Regeln und einen Rahmen für möglichst große Sicherheit: MitarbeiterInnen und Stakeholder werden eingebunden, Prioritäten abgestimmt und Verbindlichkeiten erhöht. „Unser Ziel ist und bleibt es, den Tiroler Bergwald zu stärken, die Arbeit mit und im Wald zu erleichtern und das Forstwesen bestmöglich zu entrümpeln. Den Rahmen dazu bildet die Waldstrategie 2030 – der Tirol Konvent bietet nun die Chance, Maßnahmen zu vereinfachen und bürokratische Hürden abzubauen“, erklärt LH Anton Mattle heute, Dienstag, im Anschluss an die Regierungssitzung.
So werden das Aufgabenportfolio des Landesforstdienstes weiter geschärft, ein konkretes Maßnahmenprogramm ausgearbeitet und Adaptierungen bei Waldwirtschaftsplänen vorgenommen. „Dass die Entbürokratisierung durch den Tirol Konvent auch den Waldbereich umfasst, untermauert einmal mehr, wie stark dieser Prozess ist und alle Ebenen und Bereiche der Landesverwaltung umfasst. Mit Konzepten wie dem Tiroler Mountainbike-Modell oder Skitourenlenkungen verbunden mit einem starken Forstdienst mit Beratung vor Ort wollen wir unsere Vorreiterrolle auch hier weiter stärken“, sagt LHStv Philip Wohlgemuth.
„Wald der Zukunft braucht aktive Bewirtschaftung“
2021 waren 45.000 Hektar Wald auf einer Seehöhe unter 1.000 Metern aufgrund der Baumartenzusammensetzung stark und unmittelbar von Klimaveränderungen betroffen – in tieferen Lagen wird die Fichte zugunsten von Mischbaumarten wie Buche, Ahorn, Eiche oder Linde zurückgehen. In den höheren Lagen verschiebt sich das Verhältnis häufig zugunsten eines Nadelmischwaldes. Umso wichtiger ist es, den klimafitten Wald in Tirol voranzutreiben: „Der Anteil von klimafitten Mischbaumarten bei Aufforstungen liegt aktuell bei etwa 50 Prozent. Vor zehn Jahren waren wir noch bei einem Drittel“, berichtet Forstreferent LHStv Josef Geisler, dass diese „Entwicklung fortgesetzt werden muss. Der Wald der Zukunft braucht eine aktive Waldbewirtschaftung mehr denn je.“ Genau hier werde man auch mit dem Tirol Konvent ansetzen: „Verwaltungstätigkeiten sollen noch effizienter ausgeführt werden, dazu eine gezielte Beratung vor Ort – damit mehr Zeit für die wichtige Arbeit im Wald bleibt“, sagt LHStv Geisler.
So sollen sehr kleine Agrargemeinschaften künftig von der Pflicht zur Erstellung eines Waldwirtschaftsplans ausgenommen werden. Derzeit laufen dazu die Gespräche. Ebenfalls erleichternd wirken soll der Einsatz von neuen Technologien wie Künstliche Intelligenz. „Durch den Einsatz von Fernerkundungsmöglichkeiten und Künstlicher Intelligenz sollen Aufwand und Kosten für die Erstellung von Waldwirtschaftsplänen deutlich reduziert werden. Zudem sollen Daten und Informationen rund um die Waldbiodiversität einfacher und besser erfasst werden können“, sagt LHStv Geisler. Festgehalten wird das in einer Waldwirtschaftsplanung NEU, die ebenso bis 2030 umgesetzt werden soll.
Parallel wird auf Verwaltungsebene eine Datenbank im Bereich Luftschadstoffe und Immissionen erneuert, um Datenerfassung, -auswertung und -austausch nochmals zu verbessern.
Mit dem Tirol Konvent bereits umgesetzt wurde eine Neuregelung der Genehmigungsverfahren für Kleinviehweiden, die in der Tiroler Waldordnung geregelt sind: Bei Kleinviehweiden für Schafe und Ziegen wird auf ein vereinfachtes Anzeigeverfahren umgestellt, wodurch Bewilligungsverfahren deutlich reduziert werden können. Das Ziel ist es, mittels Verordnungen zu Weidezeiten und Weideorten die Anzahl der Bescheide auf ein Drittel zu reduzieren. Nur noch besonders kritische oder unvollständige Weide-Anmeldungen müssen bescheidmäßig erledigt werden, um den notwendigen Schutz für den Wald zu gewährleisten. Das soll zu mehr Effizienz in der Verwaltung, einer Entbürokratisierung zu Gunsten der kleinstrukturierten Landwirtschaft in Tirol und einem Sicherstellen des Waldschutzes führen.
Zahlen, Daten, Fakten zum Wald
- Die Waldstrategie 2030 ist eine Weiterentwicklung der aus dem Jahr 2011 stammenden Waldstrategie, die im Jahr 2021 neu aufgelegt wurde.
- Tirol ist zu 41 Prozent mit Wald bedeckt.
- Über 70 Prozent des Tiroler Waldes haben vorrangig Schutzfunktion.
- Der Tiroler Wald wird von 35.000 WaldbesitzerInnen und 30.000 Nutzungsberechtigten bewirtschaftet.
- 7 Prozent der jährlichen CO2-Emissionen Österreichs sind im Wald und in Holzprodukten gespeichert.
- 30 Prozent der Waldfläche können aufgrund der standörtlichen Gegebenheiten nicht regelmäßig genutzt werden und weisen einen hohen Natürlichkeitsgrad auf – man spricht vom sog. Schutzwald außer Ertrag.