- Arbeitsschwerpunkte für das Jahr 2026 bei Klausur der Tiroler Landesregierung festgelegt
- Besonderer Schwerpunkt Ehrenamt: mehr Unterstützung, Sichtbarkeit und Beratung
- Ehrenamtscharta: Bekenntnis zum Ehrenamt und zur Zusammenarbeit
- Kampagne „Ehrenamt? Ehrensache! Komm in die Gruppe“ soll Ehrenamt sichtbarer machen und neue Informationswege eröffnen
Zwei Tage lang hat die Tiroler Landesregierung im Rahmen der Frühjahrsklausur die politischen und inhaltlichen Schwerpunkte für das Jahr 2026 erarbeitet und festgelegt. Aus allen Ressorts wurden wesentliche Themen angesprochen. Neben Diskussionen über globale und regionale Herausforderungen widmete sich die Landesregierung auch dem gesellschaftlich bedeutenden Thema Ehrenamt. „Die Tiroler Landesregierung beschäftigt sich gemeinsam mit den aktuellen globalen und regionalen Herausforderungen, verliert aber nicht die Chancen, die Tirol bietet, aus den Augen. Das Ehrenamt ist uns ein besonderes Anliegen. Jeder zweite Tiroler engagiert sich in der Freizeit ehrenamtlich und leistet mehr als er muss. 2026 wird das Jahr des Ehrenamtes mit Erleichterungen und mehr Unterstützung für unsere Freiwilligen“, ruft Landeshauptmann und Ehrenamts-Referent Anton Mattle gemeinsam mit VertreterInnen von Tiroler Vereinen und Verbänden offiziell das „Jahr des Ehrenamts“ aus. „Zehntausende Tirolerinnen und Tiroler leisten tagtäglich einen unverzichtbaren Beitrag für das Gemeinwohl. Dieses Engagement ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine tragende Säule unserer Gesellschaft. Wer sich freiwillig für andere einsetzt, braucht Unterstützung, klare Ansprechpartner und Rechtssicherheit. Genau daran arbeiten wir, um das Ehrenamt zu stärken, sichtbarer zu machen und junge Menschen dafür zu begeistern“, sagt LHStv Philip Wohlgemuth.
Ehrenamt: von Informationsbündelung bis hin zur subsidiären Haftpflichtversicherung
Die Rettung bei Notfällen am Berg, die Mithilfe im Sozialmarkt oder das gesamte Rund-Herum beim Fußballspiel im Heimatdorf: „All das funktioniert nur, weil Freiwillige unentgeltlich Verantwortung übernehmen und ihre Hilfe anbieten. Wir brauchen dieses Engagement auch in Zukunft dringend“, betont LHStv Wohlgemuth, dass das „Jahr des Ehrenamts“ kein Aktions- oder Kampagnenjahr sein, sondern auch mittel- und langfristige Effekte haben soll. Das untermauert auch eine heute mit Vereinen und Verbänden unterzeichnete Charta, die dieses Bekenntnis für alle Formen der Freiwilligkeit in Tirol in Wort und Schrift gießt. „Alle heuer eingeschlagenen Ehrenamts-Pflöcke sollen langfristig positive Effekte haben“, betont LH Mattle. Die Rahmenbedingungen – beispielsweise im Hinblick auf den Versicherungsschutz oder bei der Neugründung eines Vereins – sollen für Ehrenamtliche verbessert werden. Darüber hinaus sollen Freiwilligen weitere Unterstützungen bei administrativen Angelegenheiten angeboten und junge Menschen explizit angesprochen und motiviert werden, Teil der Ehrenamtsfamilie in Tirol zu sein. Konkret soll in den kommenden Monaten für ehrenamtlich und freiwillig Tätige folgendes erreicht werden:
- Rechtssicherheit stärken und Ehrenamtliche/Freiwillige schützen: Prüfung einer landesweiten, subsidiären Haftpflichtversicherung, Umsetzung einer zentralen und niederschwelligen Rechts- und Grundberatung, Initiierung einer Wissensplattform mit Informationen, Dokumentenvorlagen und FAQs
- FunktionärInnen, KoordinatorInnen, VerantwortungsträgerInnen entlasten: Service-, Beratungs- und Weiterbildungsangebote bündeln, Sichtbarkeit von Qualifizierungsangeboten (z.B. Vereins- und Freiwilligenakademie) erhöhen und diese flexibler gestalten (Online-, Kurz- und Abendformate)
- Wahrnehmung in der Gesellschaft stärken: Prüfung eines neuen Ehrenamtsnachweises, landesweite Kampagne für mehr Sichtbarkeit und Information, regionale Ehrenamtstage in Anlehnung an Freiwilligenwoche (Fokus auf Weiterbildung und Vernetzung)
- Zukunft des Tiroler Ehrenamts sichern: Nachwuchs gewinnen (Kooperationen mit Schulen, Jugendorganisationen, Betrieben), stärkerer Fokus auf projekt-, raum- und zeitbezogene Flexibilität bei Ehrenamtstätigkeiten, Maßnahmen für mehr Inklusion bei Freiwilligenarbeit, thematische Jahresschwerpunkte
„In Tirol leisten bereits jetzt die elf Freiwilligenzentren der Freiwilligenpartnerschaft Tirol Großartiges. Viele andere Regionen blicken neidvoll auf unsere dezentral organisierte Freiwilligenkoordination – sie ist österreichweit vorbildhaft. Gleichzeitig decken sie nur einen Teil des riesigen Ehrenamtsbereiches ab. Deshalb ist es notwendig, den Blick nochmals zu erweitern“, sagt LH Mattle und verweist damit auf Ehrenamtliche, die über Vereine und Verbände oder auch über Eigeninitiativen engagiert sind. Hier fehlt es derzeit an entsprechender Rechtssicherheit. „Unser Ziel ist es, für alle, die sich in irgendeiner Form freiwillig in den Dienst der Gemeinschaft stellen, entsprechende Rechtssicherheit herzustellen“, betont LHStv Wohlgemuth.
Ehrenamt hört nicht an der Landesgrenze auf
Nach den Beratungen mit den Tiroler Vereinen und Verbänden regt LH Mattle auch bundesweit gesetzliche Anpassungen an: Tirol wünscht sich eine stärkere Steuerbefreiung ehrenamtlicher Tätigkeiten. Aufwandsentschädigungen wie jene für Kapellmeister oder in Sozialvereinen sollen vergleichbar mit der aktuell geltenden Reglung für SporttrainerInnen ausgestaltet werden. „Wir in Tirol machen unsere Hausaufgaben, aber auch auf Bundesebene braucht es die richtigen Rahmenbedingungen, um das Ehrenamt zu stärken. Die zeitintensiven und finanziell entschädigten Tätigkeiten sollen steuerlich bessergestellt werden, um den Einsatz fair abzugelten“, erklärt LH Mattle.
Freiwilligenwoche 2026 im April, Ehrenamtsnadel im Herbst
Zudem wird das Ehrenamt erstmals in der Geschichte in der Geschäftsordnung der Tiroler Landesregierung festgehalten – konkret ist das Ehrenamt in der Geschäftsordnung direkt beim Landeshauptmann angesiedelt. LH Mattle sowie weitere Mitglieder der Tiroler Landesregierung werden auch heuer an der Freiwilligenwoche 2026 teilnehmen. Diese findet von 22. bis 28. April 2026 statt und bietet tausenden Interessierten wieder die Möglichkeit, Einblicke in die breite Palette des Ehrenamts in Tirol zu erhalten. Bereits ehrenamtlich Engagierte werden außerdem heuer im Herbst bei der Verleihung der „Ehrenamtsnadel in Gold“ in allen Tiroler Bezirken vor den Vorhang geholt.
Kurzmeldungen aus der Regierungssitzung
Ehrenamtspaket: Digitale Plattform für Förderungen – Wöchentliches Update „Vereinfachungen & Entbürokratisierung“: Der Tirol Konvent setzt einen weiteren konkreten Schritt zur Vereinfachung und Entbürokratisierung: Für Vereine und ehrenamtliche Organisationen wird im Bereich Förderungen eine digitale Förderplattform im Jahr 2026 eingeführt. Ziel ist es, die derzeit sehr unübersichtliche Förderkulisse aufgrund unterschiedlicher Zuständigkeiten transparenter und einfacher zugänglich zu machen. So werden Förderanträge über eine digitale Anwendung sofort zur richtigen Landesstelle kanalisiert. „Ehrenamt lebt von Engagement – nicht von Bürokratie. Mit der digitalen Plattform schaffen wir eine erste, spürbare Erleichterung für Tirols Vereine und ehrenamtlich Tätige“, betont Landeshauptmann Anton Mattle. Künftig finden Ehrenamtliche alle relevanten Förderinformationen gebündelt an einer Stelle – unabhängig von den jeweiligen Fachzuständigkeiten. Die Plattform ist bewusst als digitale Erstmaßnahme im Ehrenamtspaket konzipiert. Die bestehenden analogen Förderabwicklungen in den Fachabteilungen sowie die jeweiligen Zuständigkeiten bleiben unverändert aufrecht. „Wir bündeln Information und Orientierung, ohne funktionierende Strukturen aufzulösen. Das ist gelebte Serviceorientierung im Sinne des Tirol Konvent“, so LH Mattle. Mit dieser Maßnahme wird ein zentrales Anliegen vieler Vereine aufgegriffen und ein weiterer Beitrag zu einer bürgernahen, effizienten Verwaltung geleistet. Im Zuge des Tirol Konvent sollen Vereine bei digitalen Abwicklungen verstärkt gezielt unterstützt und das eGovernment gestärkt werden.
Wiederbestellung Heimanwältin: HeimbewohnerInnen zu ihren Rechten und Pflichten aufklären und beraten, Anregungen zur Verbesserung der Stellung der HeimbewohnerInnen prüfen oder Mängel bzw. Missstände in Heimen aufklären und bei deren Beseitigung mitwirken: Diese und weitere Aufgaben hat die Heimanwaltschaft inne, die auch in den kommenden fünf Jahren unter der Leitung von Heimanwältin Elvira Havei stehen wird. „Elvira Havei trat ihr Amt im Jahr 2011 an und hat damit bereits drei Funktionsperioden erfolgreich gemeistert. Sie weist langjährige Erfahrung als Heimanwältin und umfassende fachliche Kompetenzen auf. Ich bin überzeugt davon, dass sie damit auch in den kommenden Jahren als wichtige Mediatorin zwischen Heimbewohnerinnen und Heimbewohnern sowie Personal, Heimträger, Angehörige, Vertreterinnen und Vertreter sowie Vertrauenspersonen agieren wird. Die Heimanwaltschaft als unabhängige Anlaufstelle, die sich mit großem Einsatz für Menschlichkeit und Würde in der Pflege stark macht, ist nicht zuletzt aufgrund bestehender Herausforderungen im Pflegebereich von großer Bedeutung“, sagt Personalreferent LH Anton Mattle. Die Heimanwaltschaft berät kostenlos und vertraulich und hält auch regelmäßige Sprechtage in den Wohn- und Pflegeheimen in allen Tiroler Bezirken ab. Sie vermittelt bei schwierigen Situationen und gibt auch Empfehlungen zur Verbesserung der Stellung von HeimbewohnerInnen ab.
Fahrzeug-, Maschinen- und Gerätepark des Landes: Ein Mobilbagger für die Straßenmeisterei Vomp und eine Zugmaschine, ein Kombimäher und ein Streuautomat für die Straßenmeisterei Leisach: Auf Antrag vom für den Landesfuhrpark zuständigen LHStv Philip Wohlgemuth werden damit alte und teils wirtschaftlich nicht mehr instandsetzbare Fahrzeuge und Geräte der Straßenmeistereien ersetzt. „Die Sicherheit der Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer hat oberste Priorität. Um diese zu gewährleisten, sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Straßenmeistereien das ganze Jahr über im Einsatz und führen Reinigungs-, Erhaltungs- und weitere notwendige Arbeiten durch. Für einen ordnungsgemäßen Straßen- und Dienstbetrieb ist eine moderne und verlässliche Ausstattung unerlässlich. Mit der erneuten Investition in den Fuhrpark leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit aller“, betont LHStv Wohlgemuth. Insgesamt werden für die Gerätschaften über 800.000 Euro bereitgestellt.
Implacementstiftung: Die Implacementstiftung „Qualifizierung nach Maß“ trägt seit Jahren als wichtiges Instrument zur Deckung des Personalbedarfs in Tiroler Unternehmen bei. „Es werden arbeitssuchende Personen mit Unterstützung des AMS Tirol sowie der Kooperationsbetriebe gezielt für in einem Unternehmen benötigte Arbeitsplätze qualifiziert. So werden offene Stellen und aus- und weiterbildungsinteressierte Personen zusammengeführt und der Fachkräftebedarf gedeckt. Arbeitssuchende haben die Chance, über eine Qualifizierung wieder in den Arbeitsmarkt integriert zu werden“, betont Arbeitslandesrätin Astrid Mair. Die Förderung des Landes beträgt entsprechend dem heutigen Beschluss auf Antrag der Arbeitslandesrätin für das Jahr 2026 rund 247.000 Euro. Auch im kommenden Jahr können – trotz Sparmaßnahmen – weiterhin insgesamt 100 Personen in das Programm aufgenommen werden. Die Gesamtkosten der Implacementstiftung belaufen sich im Jahr 2026 auf rund 1,6 Millionen Euro und werden gemeinsam mit dem AMS (rund 55 Prozent der Kosten) sowie den Kooperationsbetrieben (rund 29 Prozent der Kosten) getragen.






