Dies ist eine Presseaussendung der Wildbach- und Lawinenverbauung in Zusammenarbeit mit der Landesforstdirektion und der Abt. Wasserwirtschaft des Landes Tirol.
Die öffentliche Hand investiert in diesem Jahr 106,7 Millionen Euro, um den Lebensraum in Tirol vor Naturgefahren zu schützen – 2025 waren es 109,4 Millionen Euro. 36,9 Millionen Euro sind für den Schutz vor Tal- und Hauptgewässern reserviert, 34,8 Millionen Euro für Maßnahmen an den heimischen Wildbächen. Fast 18,3 Millionen Euro sind für die Erhaltung des Schutzwaldes budgetiert. 12,1 Millionen Euro entfallen auf den Lawinenschutz und 4,6 Millionen Euro auf den Erosions- und Steinschlagschutz. Die Mittel kommen vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, der Europäischen Union, dem Land Tirol, den beteiligten Gemeinden, von Infrastrukturträgern sowie von Grundeigentümer:innen und Waldbesitzer:innen.
Mit Blick auf die Regionen liegt der Fokus in diesem Jahr wieder im Bezirk Lienz, dort werden 26,1 Millionen Euro investiert. Große Pakete wurden zudem für den Bezirk Innsbruck-Land (16,2 Millionen Euro) und den Bezirk Schwaz (14,5 Millionen Euro) geschnürt.
„Der Schutz vor Naturgefahren ist für Tirol von existenzieller Bedeutung. Ein wirksamer Hochwasserschutz bedeutet Sicherheit für Familien, für Gemeinden und für Betriebe. Gemeinsam mit dem Land und den Tiroler Gemeinden setzen wir gezielt Projekte um, die Menschen und Lebensräume nachhaltig schützen. Mit der Genehmigung der Mittel in den Kommissionssitzungen Wasserwirtschaft schaffen wir für den Hochwasserschutz die finanzielle Grundlage dafür. Bei den Sitzungen im Jahr 2025 haben wir für Tirol bereits 23 Millionen Euro für 37 Hochwasserschutzprojekte zugesichert. Damit investieren wir entschlossen in Sicherheit, Vorsorge und den Schutz der Bevölkerung“, so Umweltminister Norbert Totschnig.
Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler ergänzt: „Tirol ist ein sicheres Land. Wir leben seit jeher mit Naturgefahren und schützen Land und Leute, so gut es geht. 100-prozentigen Schutz wird es aber nicht geben. Das vergangene Jahr hat uns einmal mehr gezeigt, dass wir uns nicht in Sicherheit wiegen dürfen. Wir arbeiten permanent an der Verbesserung des Naturgefahrenmanagements, reagieren auf neue Herausforderungen und investieren beträchtliche Summen, um unsere Talschaften als sichere und attraktive Lebens- und Wirtschafträume zu erhalten. Hoffen wir, dass mit Hilfe dieser Maßnahmen auch heuer kein Menschenleben im direkten Siedlungsraum durch Hochwasser, Muren, Lawinen oder Steinschlag zu Schaden kommt.“
Gschnitztal als Beispiel für erfolgreiche Kooperation
Bei der Naturgefahren-Bilanz 2025 sticht vor allem das Murereignis im Gschnitztal hervor. Am Abend des 30. Juni 2025 gab es dort ein lokal sehr heftiges Gewitter. Es regnete stellenweise mehr als 100 Millimeter innerhalb von zwei Stunden. Daraufhin kam es an den Wildbächen im hinteren Gschnitztal zu Murereignissen. Der Gschnitzbach wurde vollständig verlegt, was massive Überschwemmungen zur Folge hatte. „Die Aufräumarbeiten starteten unmittelbar nach dem Ereignis. Aus dem Gschnitzbach wurden rund 32.000 Kubikmeter abgelagertes Geschiebe geräumt. Die Entsorgung bzw. weitere Verwendung dieser Ablagerungen erfolgte dabei unter gemeinsamer Koordination und in enger Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen der Wildbach- und Lawinenverbauung sowie dem Wasserbau“, sagt DI Markus Federspiel, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft. Die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) räumte mehrere Seitenzubringer und der Wasserbau den Gschnitzbach auf mehreren Abschnitten – insgesamt auf einer Länge von rund einem Kilometer. Die Bewirtschaftung von Geschiebe ist eine zentrale Herausforderung im Wasserbau. „Das Geschiebe bestimmt maßgeblich die Sohlstabilität und die ökologische Qualität. Darüber hinaus kann es die Hochwassersicherheit durch Auflandungen und die Funktionsfähigkeit von Schutzbauten beeinflussen“, erläutert Federspiel.
„Ereignisse wie die Muren im Gschnitztal zeigen ganz deutlich die Notwendigkeit und den Mehrwert der engen Zusammenarbeit. Von der Unterstützung in der Einsatzleitung bis zu schnellen Akutmaßnahmen war eine enge Abstimmung und Koordination erforderlich. Somit konnte den Betroffenen rasch geholfen werden“, betont DI Gebhard Walter, Leiter der Sektion Tirol der WLV. Ein wesentlicher Teil des zu räumenden Geschiebes wurde von der WLV beim Bau neuer Schutzdämme im Bereich des Sandesbaches verwendet. Das übrige Material wurde auf einer eigens eingerichteten Deponie in einem Waldstück am Ortsanfang von Gschnitz und auf zwei Flächen in der Nähe des Sandesbaches eingebaut. In Summe wurden mehr als 250.000 Kubikmeter Geschiebe geräumt oder verwertet.
Neben der Umsetzung von Sofortmaßnahmen nach solchen Katastrophen hat die WLV besonders bestehende Schutzbauten auf der Agenda. „Extremereignisse werden uns auch in Zukunft begleiten. Aus diesem Grund setzen wir das Erhaltungsmanagement 2026 konsequent fort, um die Menschen und die Infrastruktur in Tirol weiterhin wirkungsvoll zu schützen“, erläutert Walter. 97 Prozent der Landesfläche liegen in Einzugsgebieten von Wildbächen oder Lawinen.
2025 war gutes Waldjahr, gezielter Fokus auf Schutzwälder für Siedlungs- und Wirtschaftsraum
Nachdem der Tiroler Wald durch Extremereignisse in den vergangenen Jahren stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, berichtet DI Harald Oblasser (Vorstand Gruppe Forst) von einem guten Waldjahr 2025: „Es gab wenig neue Schäden und dank der Witterung ausreichende Feuchtigkeit in den wichtigen Sommermonaten – ein entscheidender Faktor für die Abwehrkraft von Bäumen gegenüber dem Borkenkäfer.“ Über den Landesforstgarten konnten erneut mehr als drei Millionen standortgerechte Forstpflanzen vermarktet werden. Der Anteil der Fichte geht dabei weiter zurück – zugunsten von Lärche, Tanne, Zirbe, Kiefer, Buche und anderen Laubhölzern.
Positive Nachrichten kommen vom Holzmarkt, auf dem sich die Preise stabilisiert haben. „Das hilft und motiviert.“ Der Schadholzanteil beträgt immer noch knapp 60 Prozent vom Einschlag. Thema ist und bleibt der Borkenkäfer. 2025 gab es erstmals wieder einen Rückgang bei frisch befallenen Bäumen – das ist vor allem dem guten Stand der Aufarbeitung und einer günstigen Witterung zu verdanken. Durch die ausreichende Feuchtigkeit waren die Bestände insgesamt widerstandsfähiger gegen den Käfer. Das landesweite Monitoring über die Waldaufseher*innen zeigt aber auf, dass der Bestand weiterhin hoch ist und eine erhöhte Gefährdung für heimische Waldbestände besteht.
Für 2026 stehen dem Forstbereich weniger Mittel zur Verfügung. „Umso klarer ist unser Fokus: Wir konzentrieren uns konsequent auf Objektschutzwälder im Siedlungs- und Wirtschaftsraum. Sie sind die effizienteste und zugleich kostengünstigste Methode, um Menschen, Infrastruktur und Betriebe nachhaltig zu sichern.“
Wie wichtig der Schutzwald ist, zeigt die neue Hinweiskarte des Bundesministeriums: 87 Prozent des Tiroler Waldes haben eine vorrangige Schutzfunktion. Auf mehr als der Hälfte steht der Schutz von Siedlungen, Betrieben und Infrastruktur an erster Stelle.

